ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Andreas Eschbach - „Teufelsgold“

ISBN: 9-783-785-72568-9

 

Klappentext:

Auf der Jagd nach dem Stein der Weisen - Wer sind die Alchemisten unserer heutigen Zeit? Nach dem Ende der Kreuzzüge taucht er das erste mal auf: der Stein der Weisen, mit dem man Gold machen kann - gefährliches Gold, radioaktives Gold nämlich. Der Stein erscheint, als ein Alchemist Gott verflucht, und er zieht eine Spur der Verwüstung durch Europa. Die Deutschordensritter erklären es zu ihrer geheimen neuen Aufgabe, ihn zu finden und sicher zu verwahren. Für alle Ewigkeit. Doch in unserer Zeit kommen zwei Brüder, die unterschiedlicher kaum sein könnten, dem wahren Geheimnis des Steins auf die Spur: Er ist ein Schlüssel - ein Schlüssel, der unser aller Leben zum Guten hin verändern könnte. Oder öffnet er die Pforten der Hölle? "Teufelsgold" - der spannende Thriller von Bestsellerautor Andreas Eschbach!

 

Inhalt:

Die Jagd nach Reichtum und ewiger Jugend ist so alt wie die Legende vom Stein der Weißen. Und genau um diesen Stein dreht es sich in dem Buch.

Hendrik Busske wird von seinen Chef dazu ausersehen, ein Seminar zu halten. Er traut sich zunächst nicht recht ran, aber dann läuft es richtig super. So super, dass es in ihm den Wunsch weckt, sich selbständig zu machen. Ein Buch welches er in einem Antiquariat klaut, bringt ihn auf seinen Weg.

Hendrik wird erfolgreich. Er ist Familienvater und auf dem Papier sogar ein Schlossbesitzer. Da holt ihn die seltsame Geschichte um das Teufelsgold und den Stein der Weißen wieder ein.

Er strebt nun nach ganz anderen Zielen. Er will unsterblich werden. Dafür schickt er Frau und Kind zum Teufel und schließt sich einer Gruppe neuzeitlicher Alchimisten an, nur um am Ende doch wieder aus einem Traum aufzuwachen.

 

Leseprobe:

… »Zutritt nur für Mitarbeiter«, erklärte er, ehe sie überhaupt etwas gesagt hatten.

»Moment«, rief Hendrik rasch. »Mein Name ist Hendrik Busske. Das hier ist mein Bruder, Doktor Adalbert Busske vom CERN. In Genf, Sie wissen schon – die mit dem Teilchenbeschleuniger.«

Adalbert zückte seinen Ausweis, reichte ihn dem Wachmann.

Hendrik fuhr fort: »Wir haben vom Fund der goldenen Rüstung gehört und –«

»Ist klar«, unterbrach ihn der Wachmann, während er den Ausweis eingehend studierte. »Aber da sind Sie nicht die Einzigen. Noch nicht mal die Ersten.«

»Es ist wichtig, dass wir uns diese Rüstung anschauen«, erklärte Hendrik und bemühte sich, so zu klingen, als sei er absolut zuversichtlich, dass dies letztlich auch geschehen würde.

Der Wachmann schüttelte langsam den Kopf und reichte Adalbert den Ausweis zurück. »Die Rüstung wird derzeit von Experten untersucht. Es gibt eine Pressekonferenz, sobald Ergebnisse vorliegen«, sagte er. Es klang wie auswendig gelernt und schon oft gebraucht.

»So lange kann diese Sache nicht warten«, mischte sich Adalbert ein, zu Hendriks Verblüffung. Und in was für einem fordernden Ton! Wie FBI-Agenten in Hollywoodfilmen, wenn sie wussten, dass das Recht und die Macht auf ihrer Seite waren. »Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass von der Rüstung radioaktive Strahlung ausgeht, die das Leben der Labormitarbeiter gefährdet.« Er hob seinen Koffer. »Ich habe eigens ein Messgerät mitgebracht, um das zu verifizieren.«

Der Wachmann spreizte unbeeindruckt die Schultern. »Machen Sie sich mal keine Sorgen. Die haben das im Griff.«

»Das würden wir gerne von einem Verantwortlichen hören«, sagte Hendrik, der allmählich ein ganz ungutes Gefühl bekam.

»Tut mir leid. Von denen ist um die Zeit keiner mehr da. Morgen früh wieder.« Der Wachmann machte Anstalten, die Tür zu schließen. »Aber die werden Ihnen auch nichts anderes sagen. Es gibt ja einen Grund, warum ich hier stehe.«

»Bitte«, beharrte Hendrik. »Es ist wirklich sehr, sehr wichtig.«

»Die Pressekonferenz, wie gesagt. Wenden Sie sich am besten an die Pressestelle.« Damit fiel die Tür ins Schloss, und sie standen da mit ihrem Koffer.

Adalbert kochte vor Wut, als sie gingen. Das war richtig eindrucksvoll: als sende er auf einmal selber gefährliche Strahlung aus. So kannte Hendrik seinen Bruder gar nicht; sonst war Adalbert immer derjenige, der weit über den lästigen Querelen des gewöhnlichen Lebens stand.

Hendrik ärgerte sich auch. Vor allem sorgte er sich, die ganze lange Fahrt umsonst unternommen zu haben. Doch was hätte er anderes machen können? Er hatte unterwegs mehrmals versucht, in dem Labor anzurufen und einen Termin auszumachen, aber unter sämtlichen Nummern, die sie besaßen, hatte sich immer nur ein Anrufbeantworter gemeldet, immer derselbe, wie es schien, und nur mit einem Verweis auf die Pressestelle und ohne die Möglichkeit, eine Nachricht zu hinterlassen.

Die goldene Rüstung hatte offenbar ziemlich viel Medieninteresse geweckt.

»Und jetzt?«, fragte Adalbert, als er das nächste Mal seinen Koffer absetzen musste. »War’s das?«

Im selben Augenblick fiel Hendrik etwas ein, das die Situation retten konnte.

»Vielleicht noch nicht«, sagte er und zückte sein Handy. »Lass mich mal was probieren.«

Er rief Miriam an, erklärte ihr, dass sie jetzt in München waren, und bat sie, an den Computer zu gehen und für ihn einen Namen in der Teilnehmerdatei nachzuschauen.

»Ja, okay«, sagte sie. »Moment, ich muss ihn erst wieder hochfahren.«

Während sie warteten, erzählte Miriam: »Holst war übrigens ziemlich sauer. Aber der Termin Mittwoch passt ihm. Du sollst ihn in der ›Sonne‹ anrufen, falls es auch früher als neun geht; er steht um sechs Uhr auf.« Die Sonne war der einzige Gasthof Burlingens, keine hundert Schritte vom Schloss entfernt.

»Ja, okay«, meinte Hendrik. Das interessierte ihn gerade nicht die Bohne. Sowieso würde er zusehen, den Kerl in Zukunft abzuwimmeln.

Endlich klapperte die Tastatur. »Also – was willst du wissen?«

Hendrik räusperte sich. »Gut, pass auf: Ich hatte mal einen Teilnehmer, der in einem Labor gearbeitet hat, das mit archäologischen Funden zu tun hatte, und ich meine, er war aus München. Und es ist lange her. Wenn ich mich recht entsinne, im allerersten Seminar.«

Hendrik hatte von Anfang an die Teilnehmer ausführliche Fragebögen ausfüllen lassen, für eine eventuelle – kostenpflichtige – telefonische Beratung. Von diesem Angebot hatten nur wenige tatsächlich Gebrauch gemacht. Trotzdem hatte er alle Angaben säuberlich in einer Datenbank erfasst, genau wie damals bei WCM Trust für seine Klienten.

»Dann such ich mal nach München und Labor«, sagte Miriam. Tastengeklapper. »Hier. Ein Johann Merschberger. Das war im Seminar 1, richtig. Landesdenkmalamt München.«

Merschberger. An den Namen erinnerte sich Hendrik nicht mehr, aber an den Moment, in dem der Mann ihn unterbrochen hatte. Er hörte noch, wie er Das stimmt so nicht sagte, spürte noch den Schreck, der ihm in die Glieder gefahren war.

Danach hatte er nie wieder behauptet, Gold könne außer von Königswasser von keiner Säure angegriffen werden.

»Haben wir seine Telefonnummer?«

»Ja.«

»Gib mir die mal. Moment …« Hendrik kramte nach etwas zu schreiben, hatte natürlich nichts bei sich. Adalbert reichte ihm den Kugelschreiber aus seiner Hemdtasche. Als Notizzettel musste es die Rückseite des Parktickets tun. »Okay.«

Miriam diktierte ihm die Nummer. Ob die wohl noch stimmte, nach über zehn Jahren? »Danke.«

»Pass auf dich auf.«

»Mach ich.« Er unterbrach die Verbindung, tippte die Nummer ein.

Glück gehabt, sie stimmte noch. Merschberger war erst total verblüfft, dann völlig außer sich vor Freude, dass ihn Hendrik anrief. Ja, er sprudelte geradezu über, wollte ihm gleich berichten, wie er die Erkenntnisse aus dem Seminar in die Praxis umgesetzt hatte.

Hendrik konnte ihn nur mit Mühe bremsen. »Herr Merschberger, weswegen ich anrufe: Sie haben doch mal für das Landesdenkmalamt gearbeitet, im Labor – erinnere ich mich da richtig?«

»Ja«, rief der Mann. »Stimmt. Völlig richtig. Deswegen bin ich Ihnen ja damals ins Wort gefallen. Tut mir heute noch leid, ich war halt jung und –«

»Schon vergessen«, behauptete Hendrik. »Meine Frage: Sind Sie da noch?«

»Nein. Nein, schon lange nicht mehr. Das haben Sie mir ja beigebracht. Die zweite Säule des Reichtums: Suche nach Wegen, dein Einkommen zu erhöhen. Ich bin im Jahr drauf in die Industrie gegangen und verdiene inzwischen das Doppelte von damals. Mindestens.«

Er klang, als erwarte er Hendriks Lob dafür, doch Hendrik dachte nur: Mist!

»Hmm«, meinte er, während seine Gedanken rasten. »Das ist schön für Sie, in diesem Fall aber schlecht für mich. Ich bin nämlich dringend auf der Suche nach jemandem, der im Zentrallabor des Denkmalamtes arbeitet und mir ein paar Fragen zu einem aktuellen Fund beantworten kann.«

»Ach so. Hmm. Da kann ich Sie vielleicht mit einem Bekannten kurzschließen, der noch dort ist. Den kenn ich von früher. Der hat auch Ihr Buch gelesen, übrigens.«

»Schön«, sagte Hendrik hoffnungsvoll.

»Ich sollte ihn aber wohl zuerst fragen. Sagen Sie, kann ich Sie unter der Nummer hier zurückrufen?«

»Ja, klar«, versicherte ihm Hendrik.

Als er das Handy senkte, sah er, dass ihn Adalbert skeptisch musterte.

»Glaubst du, das funktioniert?«, fragte er.

Hendrik hob die Schultern. »Einen Versuch ist’s wert.«

Das Warten zog sich. Bestimmt boten sie einen seltsamen Anblick, wie sie da standen, zwei Gestalten und ein silberglänzender Koffer. Aber es beachtete sie niemand. Der Verkehr rauschte vorbei, und kehrte man ihm den Rücken zu, spiegelte er sich in den Schaufenstern der Läden unter den Arkaden, vor denen sie warteten. Ab und zu kam ein Fahrradfahrer, umrundete sie schwungvoll.

Dann klingelte endlich sein Handy. Eine unbekannte Nummer im Display. »Busske?« …