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S.L. Grey - „Underground“

ISBN: 9-783-641-15309-0

 

Klappentext:

Wie tief sitzt deine Angst? Ein tödliches Grippevirus grassiert in den USA. Während Chaos um sich greift, flieht eine Gruppe ganz unterschiedlicher Menschen in einen unterirdischen Luxusbunker – das Sanctum –, ihre eigene, sich selbst versorgende Welt. Doch schon bald befeuern Abschottung und Enge erste Spannungen unter den Bewohnern. Als der Erbauer des Bunkers tot aufgefunden wird, bricht Panik aus. Mit ihm ist der Code zum Öffnen der Türen verloren. Der Sauerstoff wird knapp. Die Wasservorräte schwinden. Der Kampf ums Überleben beginnt.

 

Inhalt:

Eine absolut tödliche Epidemie grassiert auf der Erde und wandert langsam aber sicher von Land zu Land. Es tötet die Menschen und ein Impfstoff ist noch nicht gefunden.

Ein einzelner Mann hat daraus ein Geschäft gemacht, einen unterirdischen Atombunker gekauft und ihn zu einer Luxus-Survival- Wohngelegenheit umgebaut. Absolut autark, für eine solche Katastrophe genau geeignet. - Die Wohnungen werden nun so langsam aber sicher von den Käufern bezogen und am Ende wird der Bunker verriegelt, um die Epidemie aussitzen zu können.

Doch schon nach kurzer Zeit kommt es zu sehr seltsamen Ereignissen:

Zunächst einmal bricht im Kontrollraum ein Brand aus, der das WLan und das Internet nach außen lahm legt. Dann stirbt der Bauherr und somit Chef des Projekts. Die ersten Ängste machen sich breit, dass man mit einem Mörder zusammen lebt.

Nach und nach sterben eine kranke Frau, ein Bauarbeiter, der sich versteckt hat, taucht auf der Versenkung auf und weitere Morde geschehen. Die unterschiedlichen Charaktere der Menschen sind hier nicht gerade hilfreich und die Situation spitzt sich zu, da jeder jedem den schwarzen Peter zuschiebt. Jeder kann die Morde verübt haben und jeder streitet es ab.

Der Bunker ist abgeriegelt, die Menschen sind darin eingeschlossen. Mit dem Tod des Bauherrn ist auch die Möglichkeit zu entkommen gestorben. Wasser und Lebensmittelvorräte werden durch einen missglückten Sprengversuch knapp und knapper und am Ende wollen sich die restlichen Überlebenden selber erlösen.

Doch im letzten Moment kommt ihnen eine Sicherheitslücke zur Hilfe und das Schlimmste kann verhindert werden.

Aber wer hat die Morde im Bunker verübt?

 

Leseprobe:

… Er drückt die Zigarette aus und schnippt sie in die Dunkelheit. Scheiße, das war dumm. Wenn sie hier endlich rauskommen, fallen garantiert die Cops über den Raum her, besonders wenn Gregs Tod immer noch ungeklärt ist. Nichts wie raus und die Treppe runter zum Fitnessraum. Von drinnen ist ein dumpfes Klopfen zu hören, wie ein unregelmäßiger Herzschlag. Irgendjemand prellt da einen Ball. Der kleine Guthrie wahrscheinlich. Auf keinen Fall wird James sich aufs Laufband stellen, solange dieser brodelnde Berg Akne und Hormone dort rumhängt. Nein, stattdessen wird er sich an seinen ursprünglichen Plan halten und bei den Hydrokulturen, wo er definitiv keinen Feuermelder auslösen kann, noch eine rauchen. Dort hat er sich schon ein paarmal heimlich eine Zigarette genehmigt. Er trippelt die letzten Stufen runter, drückt die Tür auf, und der Geruch von Kunststoff und vertrockneten Äpfeln steigt ihm in die Nase. Zumindest dieser Bereich ist einigermaßen durchorganisiert. Die Nudelpackungen, die billige Tomatensoße, das eingelegte Gemüse und die Konserven mit Thunfisch und Fleisch sind ordentlich in Regale einsortiert, die mit den Nummern der Wohnungen markiert sind. Eine voll ausgestattete Vorratskammer war im Preis inbegriffen, aber sie werden wohl kaum viel verbrauchen. Vicki würde eher verhungern, als Corned Beef in den Mund zu nehmen. In einer Ecke gibt es sogar einen »Notvorrat« aus gefriergetrocknetem Gemüse und ominösen, nicht etikettierten Alupäckchen mit Trockenmahlzeiten. Vermutlich hat Greg die billig aus irgendeinem Konkursbestand übernommen. James ist schon aufgefallen, dass der Gute hier und da ein bisschen geknausert hat.

Ein gedämpfter Schrei lässt ihn herumfahren. Stocksteif bleibt er stehen, alle Sinne in Alarmbereitschaft. Getrampel, offenbar aus dem Kühlschrank. Scheiße. Vorsichtig geht er darauf zu. »Hallo?«

»Hilfe!«

Vorsichtig öffnet er die Tür und stolpert rückwärts, als ihm die kleine Guthrie in die Arme stürzt. »Was ist denn hier los?«

Sie zittert am ganzen Leib und drückt sich an ihn. Er schiebt sie von sich weg und macht einen Schritt zurück. Ihr rotes Gesicht ist rotz- und tränenüberströmt.

»Ich … Ich dachte schon, ich komm da nie wieder raus«, schluchzt sie und wischt sich mit dem Handrücken über die Nase.

»Was hast du denn da drin gemacht?«

»Essen geholt. Fleisch. Und dann … dann … hab ich ihn gesehen.«

»Wen?«

»Greg.«

»Greg ist da drin?«

Na ja, wohin hätten sie ihn sonst bringen sollen? Neugierig späht er hinein. Eine Plane, die ganz offensichtlich eine Leiche bedeckt, und mitten drauf ein Päckchen Rib-Eye-Steaks. Hat Gina wohl fallen lassen. Zum Glück sieht er nicht viel von der Leiche selbst, nur einen eisverkrusteten Haarschopf. Er wirft einen Blick auf die Innenseite der Tür. »Sieh mal, Gina, hier innen ist ein Griff. Du warst gar nicht wirklich gefangen.«

»Mhm, ich will das nicht sehen.« Sie schüttelt den Kopf und wischt sich erneut übers Gesicht, schmiert sich Speichel quer über die Wange wie eine Schneckenspur. Auf gut Glück tastet er seine Taschen nach einem Taschentuch ab, findet aber keins. Stattdessen reicht er ihr eine Rolle Klopapier aus dem riesigen Stapel neben den Kühltruhen. »Na komm. Ich bring dich zu deinen Eltern.«

»Nein! Momma darf mich so nicht sehen.«

Das kann James ihr nicht verübeln. Zwar hat er selbst noch kein Wort mit Bonnie Guthrie gewechselt, aber das bisschen, was er von ihr bisher mitbekommen hat, hat ihm die Nackenhaare aufgestellt. »Dann vielleicht zum Aufenthaltsraum?«

»O… Okay. Aber ich muss mich erst noch waschen.«

»Kannst du bei mir machen.«

Ihre Miene hellt sich auf. »Echt? Danke, Mr. Maddox.«

»James. Ich heiße James.«

Der Anflug eines Lächelns. »Ich weiß.«

Vicki wird das nicht gefallen, aber scheiß drauf. Gott weiß, wie lange sie hier unten festsitzen. Sie sollten sich wenigstens um gute Nachbarschaft bemühen.

Schweigend steigen sie die Treppen hoch. Die dumpfen Schläge aus dem Fitnessraum sind inzwischen verstummt. Brett – oder wer immer dort drin war – ist wohl wieder gegangen.

Er legt den Daumen auf die Kontrolltafel an der Wohnungstür und lässt Gina den Vortritt.

»James?«, ruft Vicki. »Bist du das, James?« Sie kommt aus dem Schlafzimmer, bindet sich den Gürtel ihres Seidenkimonos um die Taille und blinzelt Gina an.

»Wir haben Besuch«, sagt er, noch ehe sie loslegen kann. Sie hat riesige Pupillen. Ganz offensichtlich hat sie mal wieder mit Prinz Valium geschäkert. Gut. Dann ist sie wenigstens nicht so launisch. Er hat schon oft darüber nachgedacht, ihr das Zeug einfach jeden Morgen über ihr makrobiotisches Müsli zu streuen.

»Wie nett«, säuselt sie, doch ihr Gesichtsausdruck besagt das Gegenteil.

»Gina ist eine kleine Laus über die Leber gelaufen …«

»Was denn für eine Laus?«

»Sie war im Kühlschrank eingesperrt. Mit Gregs Leiche.«

Vicki braucht einen fast komisch langen Augenblick, um das zu schlucken. »Die haben Gregs Leiche in den Kühlschrank gelegt?«

»Ja.«

»Neben das Essen?« Der angewiderte Schmollmund seiner Frau bringt James beinahe zum Lachen. Eine Leiche gleich neben dem Kalbfleisch? Du liebe Zeit, das kann man doch nicht machen!

»Wo hätten sie ihn denn sonst verstauen sollen?«

James nickt fast unmerklich in Ginas Richtung, und Vicki legt ihr Gästegesicht auf. »Das tut mir wirklich leid für dich, Gina«, sagt sie gekünstelt freundlich. »Das muss ganz schrecklich gewesen sein! Möchtest du vielleicht einen Schluck süßen Tee? Angeblich hilft das gegen den Schock.«

»Ja, sehr gern, Ma’am«, antwortet Gina, und James führt sie ins Wohnzimmer. Sie sieht sich um, streicht mit den Fingern über die Sofalehne. »Hübsch haben Sie’s hier. Schöne Farben.«

James lächelt unverbindlich. Vicki hat stundenlang genörgelt, weil die Farben anders als von ihr bestellt und die Stühle mit Kunst- statt mit Kalbsleder bezogen sind. Gina setzt sich, faltet artig die Hände auf dem Schoß wie in der Kirche. Claudette pirscht sich an, beschnüffelt Ginas Füße und lässt sich zum Glück von ihr streicheln, ohne ihr einen Finger abzubeißen. »Soll ich den Fernseher anschalten, Gina?«

»Ja, bitte.«

Er stellt das Gerät an, reicht ihr die Fernbedienung und stapft widerwillig in die Küche, wo Vicki mit den Schranktüren klappert.

»Was hast du dir dabei gedacht, die herzubringen?«, zischt sie ihn an. »Du weißt doch, dass es mir nicht gut geht.«

»Sie stand unter Schock.« Er schenkt sich ein großes Glas Apfelsaft ein und stürzt es in einem Zug hinunter.

»Was hattest du da unten überhaupt verloren? Ich dachte, du wolltest in den Fitnessraum?«

Schuldbewusst befingert er die Zigarettenschachtel in seiner Tasche. »Wollte ich auch. Aber ich dachte, wenn ich schon mal dort unten bin, könnte ich mir die Vorräte ansehen. Mal gucken, wie lang es dauert, bis wir auf Linsen und diese Überlebensrationen angewiesen sind.«

»So weit wird es nicht kommen, James«, schnieft sie. »Der Impfstoff scheint zu wirken. War heute früh das große Thema in den Nachrichten. Es stirbt aus.«

»Was? Das Virus?«

»Natürlich das Virus. Was denn sonst?«

»Tja, aber Vicki … Wir sind eingesperrt, weißt du noch?«

»Mach dich nicht lächerlich. Irgendwie muss man diese Luke doch wieder aufbekommen. Wir werden hier ja wohl nicht wochenlang festsitzen, oder?«

»Sicher hast du recht.«

»Ich habe immer recht, James«, sagt sie mit dem Anflug eines Lächelns. »Reich mir mal eine Tasse.« Er sieht im Schrank nach, aber fast das ganze Geschirr wartet in der Spüle darauf, in die Maschine geräumt zu werden. Eine ganze Weile her, dass sie solch niedere Aufgaben wie den Abwasch selbst erledigen mussten. Dabei fällt ihm ein: Vielleicht wird ihre Haushälterin Maribel sie ja vermisst melden. Er wollte ihr noch eine E-Mail schicken, um Bescheid zu geben, dass sie die Stadt verlassen haben.

»Wenn Sie wollen, spüle ich für Sie ab.« Plötzlich steht Gina in der Küche.

»Schon gut, danke«, antwortet Vicki kühl. »Wir haben ja eine Spülmaschine.«

»Ich mach das gern, Ma’am. Zu Hause mache ich den ganzen Haushalt.«

»Den ganzen?«

»Ja. Ich koche auch.«

»Und dein Bruder hilft dir nicht?«

»Nein.«

Vickis Ausdruck wird milder, aber bevor sie etwas sagen kann, wetzt Claudette kläffend zur Tür.

»Was hast du denn, mein Baby?«, gurrt Vicki.

Von draußen hört James laute Stimmen. Männerstimmen. Was jetzt?

»Ich glaube, das ist mein Dad«, sagt Gina. »Er … Er wird bestimmt böse, wenn er sieht, dass ich mich nicht um Momma kümmere.«

Prompt stellt Vicki die Stacheln auf. »Na, er muss ja nicht erfahren, dass du hier bist. Geh mal nachschauen, James.«

James macht die Tür auf. Im Treppenhaus haben Brett, Cam und Will offenbar einen Streit. »… hätten wir schon machen müssen, als wir ihn zu den Dannhausers geschleppt haben«, mault Brett gerade.

»Haben wir aber nicht, leider«, feuert Will zurück. …