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James P. Hogan - „Das Erbe der Sterne“

ISBN: 9-783-453-31764-2

 

Klappentext:

Ein toter Raumfahrer In einer felsigen Höhle auf dem Mond wird eine Leiche in einem roten Raumanzug entdeckt. Niemand weiß, wer der Mann ist. Niemand weiß, woher er kam. Niemand weiß, wer oder was ihn umgebracht haben könnte. Als Wissenschaftler die Leiche daraufhin genauer untersuchen, stellen sie fest, dass der verblichene Raumfahrer 50.000 Jahre alt ist. Er wurde also zu einer Zeit geboren, als es weder die Raumfahrt noch größere menschliche Aktivitäten auf der Erde gab. Es ist das größte Rätsel in der Geschichte des Universums...

 

Inhalt:

In einer Felsenhöhle wird ein Raumfahrer gefunden. Er wird untersucht und gibt den Wissenschaftlern Rätsel auf. Der Mann ist zwar menschlichen Ursprungs, aber viel älter, als es eigentlich möglich ist.

Ein ganzer Stab von Spezialisten und Wissenschaftlern forscht unter Hochleistung, um das Rätsel zu lösen.

Nur langsam lüftet "Charlie" seine Geheimnisse. Das um seine Herkunft und zerstörten Heimatplaneten.

Ganz nebenbei erfährt der Leser, wie aus es auf der Erde der Zukunft aussehen könnte. - Die Raumfahrt jedenfalls, hat einen gewaltigen Fortschritt gemacht.

 

Leseprobe:

… »Habe Ihre Nachricht erhalten. Bin sofort rübergekommen«, bestätigte Hunt, als Lyn Garland ihn in Caldwells Büro geleitete. Caldwell deutete mit einem Nicken auf einen Sessel gegenüber seinem Schreibtisch, und Hunt setzte sich.

»Ich brauche Sie nicht mehr, danke«, sagte er zu Lyn. Sie ging und schloss die Tür hinter sich.

Mit einem ausdruckslosen Gesicht musterte Caldwell Hunt einige Sekunden lang und klopfte gleichzeitig mit den Fingern auf die Schreibtischplatte. »In den letzten paar Wochen haben Sie eine Menge von dem gesehen, was hier vor sich geht. Was halten Sie davon?«

Hunt zuckte mit den Achseln. Die Antwort war klar.

»Mir gefällt’s. Aufregende Dinge geschehen hier.«

»Sie mögen es, wenn aufregende Dinge geschehen?« Der Direktor nickte leicht. Eine kleine Ewigkeit lang schien er sich nur mit seinen eigenen Gedanken zu beschäftigen. »Nun, Sie haben nur einen Teil dessen gesehen, was hier los ist. Die meisten Leute haben keine Ahnung, wie groß die UNWO inzwischen ist. All das, was Sie hier sehen, die Laboratorien, die Anlagen, die Startrampen … all das ist nur der Hintergrund. Das meiste spielt sich dort ab.« Er deutete auf die Fotografien, die eine der Wände zierten. »Da oben sind Leute, die gerade die Marswüsten erforschen, von Orbitalstationen aus Flugsonden in die Wolken der Venus hinabschicken oder auf den Jupitermonden spazieren gehen. In den Tiefraumabteilungen drüben in Kalifornien werden Raumschiffe gebaut, gegen die sich die Wega-Fähren oder die Schiffe, die wir zum Jupiter geschickt haben, wie Nussschalen ausmachen. Automatische Sonden mit Fotonenantrieb, die den ersten Sprung zu den Sternen machen sollen. Einige sind zehn Kilometer lang! Stellen Sie sich das einmal vor: zehn Kilometer lang!«

Hunt gab sich alle Mühe, in angemessener Weise darauf zu reagieren. Das Problem war nur, er war nicht sicher, was angemessen war. Caldwell unternahm und sagte nie etwas ohne triftigen Grund. Der Grund für diese Gesprächseinleitung ließ sich alles andere als leicht durchschauen.

»Und das ist nur der Anfang«, fuhr Caldwell fort. »Menschen werden den Sonden folgen. Und dann … wer weiß? Dies ist die größte Sache, der sich die Menschheit jemals gewidmet hat: die USA, die Vereinigten Staaten von Europa, Kanada, die Sowjets, die Australier – sie alle arbeiten dabei zusammen. Wohin führt ein solches Unternehmen, wenn es erst einmal angelaufen ist? Und wo hört es auf?«

Zum ersten Mal seitdem Hunt in Houston angekommen war, entdeckte er eine Andeutung von Gefühlsaufwallung in der Stimme des Amerikaners. Er nickte langsam, obgleich er immer noch nicht begriff.

»Sie haben mich doch bestimmt nicht herzitiert, um mir einen UNWO-Werbespot vorzuführen«, sagte er.

»Nein, Sie haben recht«, gab Caldwell zu. »Ich habe Sie herbestellt, damit wir uns einmal ernsthaft unterhalten können. Ich kenne Sie inzwischen gut genug, um zu wissen, wie das Getriebe in Ihrem Hirn funktioniert. Sie sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie die Männer, die da oben alles in Betrieb halten.« Er ließ sich in seinen Sessel zurückfallen und begegnete Hunts Gesichtsausdruck mit einem festen Blick. »Ich möchte, dass Sie Ihr Herumwursteln bei der IDCC aufgeben und zu uns kommen.«

Diese Bemerkung traf Hunt wie ein rechter Schwinger.

»Was …! Zur Navkomm?«

»Richtig. Reden wir nicht um den heißen Brei herum. Sie gehören zu der Art von Leuten, die wir brauchen, und wir können Ihnen die Möglichkeiten geben, die Sie brauchen. Ich weiß, ich muss nicht extra große Worte machen, damit Sie mich verstehen.«

Hunts erste Überraschung währte vielleicht eine halbe Sekunde. Der Computer in seinem Kopf legte sich bereits die Antworten zurecht. Caldwell hatte diesen Augenblick vorbereitet und ihn wochenlang getestet. Deshalb also hatte er die Navkomm-Techniker in die Bedienung des Skops einweisen müssen. Hatte er schon so lange darauf hingearbeitet? Hunt hatte bereits keinen Zweifel mehr, wie das Gespräch enden würde. Die Spielregeln erforderten jedoch, dass eine ganze Reihe von Fragen gestellt und beantwortet werden mussten, bevor etwas Endgültiges dabei herauskommen durfte. Unbewusst tastete er nach seiner Zigarettenpackung, aber Caldwell kam ihm zuvor und schob seine Zigarrenkiste über die Tischfläche.

»Sie scheinen sich ja ziemlich sicher zu sein, dass Sie das haben, was ich brauche«, sagte Hunt, während er sich eine Havanna aussuchte. »Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das selbst weiß.«

»Tatsächlich nicht? Oder ist das nur ein Punkt, über den Sie nicht gerne sprechen?« Caldwell unterbrach sich, um sich seine eigene Zigarre anzuzünden. Er paffte, bis sie richtig brannte, und fuhr dann fort: »Eine neue Ehrenauszeichnung der Königlich Britischen Akademie der Naturwissenschaften, ganz für Sie allein. Eine Neuschöpfung für außerordentliche Verdienste.« Er machte eine anerkennende Geste. »Wir haben etwas für Leute übrig, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, das ist so … Tradition. Warum haben Sie das alles studiert?« Er wartete die Antwort nicht ab. »Zuerst Elektronik, dann Mathematik … danach Nuklearphysik, später Nukleonik. Was kommt als Nächstes, Dr. Hunt? Was ist Ihr nächstes Ziel?« Er lehnte sich zurück und stieß eine Qualmwolke aus, während Hunt über die Frage nachdachte.

Der Engländer hob die Augenbrauen und zeigte auf diese Weise mäßige Bewunderung. »Anscheinend haben Sie sich mit Ihren Hausaufgaben Mühe gegeben«, meinte er.

Caldwell ging darauf nicht direkt ein, sondern fragte stattdessen: »Wie ging’s Ihrem Onkel in Lagos, als Sie ihn im Urlaub letztes Jahr besuchten? Sagt ihm das Wetter in Worcester, England, mehr zu? In letzter Zeit öfter mal Mike von der Uni in Cambridge wiedergesehen? Ich bezweifle es; er hat eine Stellung bei der UNWO angenommen. In den letzten acht Monaten war er in Hellas Zwei auf dem Mars. Soll ich weitermachen?«

Hunt hatte sich zu sehr in der Gewalt, um seine Empörung zu zeigen; außerdem hatte er schon immer gern einen Fachmann in Aktion gesehen. Er lächelte schwach.

»Zehn Treffer von zehn möglichen.«

Sofort wurde Caldwell wieder ernst. Er beugte sich vor und stützte die Ellenbogen auf den Tisch.

»Ich werde Ihnen sagen, wohin Ihr nächster Schritt führt, Dr. Hunt«, sagte er. »Nach draußen … zu den Sternen! Von hier aus geht es auf direktem Wege zu den Sternen! Es hat bereits begonnen, als Danchekkers erster Fisch aus dem Urschlamm gekrochen ist. Der Drang, der ihn dazu getrieben hat, ist derselbe, der Sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Sie sind so weit in den Mikrokosmos vorgestoßen, wie es nur möglich ist; Sie können nur noch nach draußen – in den Makrokosmos. Das ist es, was die UNWO Ihnen anzubieten hat und was Sie nicht ablehnen können.«

Dem konnte Hunt nichts mehr hinzufügen. Ihm blieb die Wahl zwischen zwei Wegen: Der eine führte zurück zu Metadyne, der andere lockte mit der Unendlichkeit. Er war genauso wenig dazu in der Lage, sich für den ersteren zu entscheiden, wie die ganze Menschheit in den Urozean zurückkehren konnte, dem sie entstammte.

»Und wie sieht Ihr Teil des Deals aus?«, fragte er nach kurzem Nachdenken.

»Sie meinen, was Sie haben und was wir brauchen?«

»Ja.«

»Wir brauchen die Art und Weise, in der Ihr Verstand funktioniert. Sie können in außergewöhnlichen Bahnen denken. Sie betrachten Probleme aus Blickwinkeln, die für alle anderen verborgen bleiben. Genau das brauche ich, um dieses Charlie-Problem zu knacken. Alle streiten sich nur deshalb so viel, weil sie Vermutungen äußern, die zwar plausibel erscheinen, die sie aber besser für sich behalten hätten. Es erfordert eine besondere geistige Einstellung, um in den Ergebnissen, die jedermann mit gesundem Menschenverstand als richtig erachtet, die sich dann aber als falsch herausstellen, den Fehler zu finden. Ich glaube, Sie sind dafür der richtige Mann.«

Bei diesem Kompliment wurde Hunt ein wenig unbehaglich zumute. Er entschied weiterzumachen. »Und was haben Sie konkret vor?«

»Nun, die Männer, die wir im Augenblick haben, sind absolut erstklassig auf ihren jeweiligen Gebieten«, entgegnete Caldwell. »Verstehen Sie mich nicht falsch, diese Leute sind wirklich gut, aber ich würde es vorziehen, wenn sie sich auf die Dinge konzentrieren, von denen sie etwas verstehen. Nun, um zum Punkt zu kommen, ich brauche vor allem jemanden, der nicht spezialisiert ist und der deshalb die Erkenntnisse der Spezialisten unvoreingenommen koordinieren und sie in ein allgemeines Bild einordnen kann. Wenn Sie so wollen: Ich brauche Leute wie Danchekker, die die Mosaiksteinchen liefern, aber auch jemanden wie Sie, der sie zusammensetzt. In der letzten Zeit haben Sie das ohnehin schon getan, inoffiziell. Jetzt sage ich: Machen Sie’s offiziell.«

»Was ist mit der Organisation?«, erkundigte sich Hunt.

»Darüber habe ich mir bereits Gedanken gemacht. Ich möchte keinen unserer langjährigen Mitarbeiter verärgern, indem ich ihnen oder ihren Mitarbeitern einen neuen genialen Vorgesetzten präsentiere. Das wäre nicht besonders klug. Ich glaube auch nicht, dass das in Ihrem Sinne wäre.«

Hunt schüttelte den Kopf.

»Also«, fuhr Caldwell fort, »ich beabsichtige Folgendes: Die verschiedenen Abteilungen und Sektionen werden so weiterarbeiten wie bisher. Unsere Beziehungen zu den Arbeitsgruppen außerhalb von Navkomm bleiben unverändert. Aber sämtliche Ergebnisse, die jeder Einzelne bisher erzielt hat und weiterhin erzielen wird, werden an eine zentrale Koordinierungsstelle geleitet  – das sind Sie. Wie ich eben schon sagte, es wird Ihre Aufgabe sein, die einzelnen Steinchen zusammenzufügen. Im Laufe der Zeit und mit wachsender Arbeitsbelastung stellen Sie Ihren eigenen Mitarbeiterstab zusammen. Sie können von den Spezialisten jede detaillierte Information anfordern, die Ihnen wichtig erscheint; auf diese Weise können Sie deren Arbeit produktiver gestalten. Was Ihre Aufgabe betrifft, so habe ich das bereits umrissen: Finden Sie heraus, wer diese Charlie-Leute waren, woher sie kamen und was ihnen zugestoßen ist. Sie halten mich unmittelbar auf dem Laufenden und nehmen mir so eine große Last ab. Ich habe schon mehr als genug um die Ohren, als dass ich mich auch noch mit Leichen herumschlagen möchte.« Caldwell fuhr mit einem Arm durch die Luft, um anzudeuten, dass er fertig war. »Nun, was meinen Sie?«

Hunt musste innerlich lächeln. Wie Caldwell schon gesagt hatte: Es gab nichts, worüber er noch hätte nachdenken müssen. Er atmete tief durch und hob beide Hände. »Wie Sie sagten: ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann.«

»Also sind Sie dabei?« …