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Peter Longerich - „Wannseekonferenz“

ISBN: 9-783-570-55344-2

 

Klappentext:

75. Jahrestag der Wannseekonferenz am 20. Januar 2017 Am 20. Januar 1942 kamen fünfzehn hochrangige Vertreter des NS-Staates auf Einladung von Reinhard Heydrich in einer luxuriösen Villa am Wannsee zusammen, um über die »Endlösung« der »Judenfrage« zu beraten: Man entschied, so dokumentiert es das Protokoll, insgesamt elf Millionen Menschen zu deportieren, sie mörderischer Zwangsarbeit auszusetzen und die Überlebenden und Nichtarbeitsfähigen auf andere Weise ums Leben zu bringen. Peter Longerich, einer der angesehensten Historiker der NS-Geschichte, zeigt, wie die Führungsinstanz des »Dritten Reiches« aus einer vagen Absicht zur Vernichtung der Juden ein konkretes Mordprogramm entwickelte und welch hohe Bedeutung der Wannseekonferenz innerhalb des Holocaust zukommt.

 

Inhalt:

Es handelt sich hierbei um eine sehr detaillierte Abhandlung über besagte Konferenz. Es wird erörtert, wo sie statt fand, wer genau daran teil nahm und warum. Und wer für welchen Weg zu haben war.

Anschließend wird das gefundene Protokoll noch einmal genau erklärt. Was womit gemeint war und wer wem im Nachhinein den schwarzen Peter zuschieben wollte.

Eine sachliche und ausführliche Abhandlung über tatsächlich gewesenen Geschichte.

 

Leseprobe:

… Im Vorfeld der Wannseekonferenz hatte jedoch, wie bereits geschildert, eine Koalition aus Rassenpolitischem Amt der NSDAP, RSHA und Partei-Kanzlei hartnäckig versucht, im Hinblick auf die bevorstehenden Deportationen die »Halbjuden« den Juden gleichzustellen. Insbesondere durch die Einführung entsprechender Regelungen in den besetzten Gebieten sollten vollendete Tatsachen geschaffen werden, die dann im Reichsgebiet nachvollzogen werden sollten. Bezeichnenderweise – und das wird bei der Analyse des Protokolls durchweg übersehen – brachte Heydrich auf der Wannseekonferenz die Frage von den »Mischehen« und »Mischlingen« lediglich in Bezug auf das »Großdeutsche Reich« zur Sprache; ihm war es damit von vornherein gelungen, die Klärung dieser Frage im Reich von der im übrigen Europa abzukoppeln und die Bemühungen des Innenministeriums um einen einheitlichen »Judenbegriff« in Europa auszuhebeln. Damit erhielt insbesondere das Ostministerium freie Hand für seine Bestrebungen, in den besetzten Ostgebieten einen weitgehend auf Willkür beruhenden »Judenbegriff« einzuführen. Bereits für den 29. Januar lud es denn auch zu einer interministeriellen Besprechung über die Definition des »Judenbegriffs« in den besetzten Ostgebieten ein; das Einladungsschreiben mit dem entsprechenden Entwurf wurde am 22. Januar abgesandt, also ganz bewusst »bereits vor Bekanntwerden des Ergebnisses der Staatssekretärsbesprechung« mit ihren zu erwartenden Festlegungen in der »Mischlingsfrage«.

Was die Klärung der Frage im Reich anbelangte, so lag eine eindeutige schriftliche Stellungnahme des Chefs der Reichskanzlei vom August 1941 vor, wonach Hitler sich grundsätzlich dafür ausgesprochen habe, dass die »Mischlinge« den Juden nicht gleichzustellen seien, während RSHA und Partei-Kanzlei behaupteten, sie seien – in Bezug auf die vorgesehene »Endlösung« – im Besitz einer gegenteiligen Anordnung Hitlers, die sie allerdings nicht schriftlich vorlegten.