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Tom Jacuaba - „Kalypto- Die Herren der Wälder“

ISBN: 9-783-404-20791-6

 

Klappentext:

Der junge und impulsive Lasnic, Angehöriger des Waldvolks, kann es nicht glauben: Ausgerechnet er wurde von der Ratsversammlung zum Waldfürsten berufen! Kurzentschlossen packt er seine Sachen und flüchtet vor der Verantwortung, ohne zu ahnen, dass er in ein viel größeres Abenteuer hineinstolpert. Denn im Verborgenen naht eine Gefahr, die alle freien Völker bedroht: Die Magier des vor Jahrtausenden untergegangenen Reichs Kalypto sind wieder erwacht - und sie schicken vier Späher aus, um das Volk zu finden, das sich am besten zur Versklavung eignet.

 

Inhalt:

Lasnic wird unter denkbar schlechten Bedingungen geboren. Seine Mutter stirbt sogar nach seiner Geburt, weil Raubfische angreifen. Es grenzt schon an ein Wunder, dass er, der Säugling, überlebt. Und dann ist er erst 8, als auch sein Vater tot in einem See gefunden wird.

Lasnic wird erwachsen, hat eine Frau und verliert diese durch ein Hochwasser. Er scheint wirklich kein Glück im Leben zu haben. Und als ihn die Waldleute zum großen Waldfürsten machen wollen, flieht er.

Er begegnet der Königin Ayrin. Diese steckt wegen ihm in einem Zwiespalt, da ihre Halbschwester Lauka behauptet, Lasnic hätte sie geschändet. Eine Art Wettkampf soll für die Entscheidung sorgen. Doch der ist manipuliert.

Das Königreich ist in zwei Lager gespalten, als dann der Krieg ausbricht und die Blutsäufer angreifen. Diese stehen in Diensten der skrupellosen Magierin Catolis. Catolis will ein ein zweites Reich erschaffen und sucht nach einem Volk, dass dem Reich dann Untertan sein "darf".

 

Leseprobe:

… »Warte doch!« Kauzer tippelte hinter ihm her. »Lass mich doch nicht allein!«

Auf der Palisade wichen sie Lasnics erstem Stein aus, hinter sich hörte er den Hufschlag des Keilers. Die Wut machte ihn blind und taub. Er blieb stehen, zielte, warf den zweiten Stein und ließ den dritten sofort folgen.

Dem zweiten Stein konnte der in der grauen Lederjacke auf dem Palisadentor gerade so ausweichen. Und das tat er, indem er sich auf den warf, der rechts neben ihm hockte. Den wiederum traf der dritte Stein am Kopf – der Bräunling krümmte sich, verlor das Gleichgewicht, stürzte und riss den in der Lederjacke mit sich von der Zaunkrone in den Kessel herab.

Lasnic sperrte Mund und Augen auf, konnte es selbst kaum glauben.

»Hinter dir, Lasnic!«, hörte er den Wettermann heulen; Kauzers krächzende Stimme überschlug sich.

Der Schatten des Keilers fiel auf Lasnic, und instinktiv warf er sich zur Seite. Er rollte sich ab, sprang auf, schielte nach dem Tier. Das preschte an ihm vorbei, hielt auf die Palisade zu.

Dort halfen sich die beiden herabgestürzten Bräunlinge einander auf die Beine. Von oben streckten andere ihnen Speere hinab. Der in der Jacke packte einen der Speerschäfte, zog sich hoch, benutzte den anderen dabei als Leiter. Dieser aber geriet völlig außer sich angesichts des herangaloppierenden Keilers, hielt sich an der Pluderhose seines Anführers fest, griff nach dessen Jacke, wollte über ihn hinwegklettern. Der Schwarzmantel am Kesselrand fuchtelte mit dem Speer herum, schrie Befehle. Sein Wolf kläffte.

Lasnic verfolgte die überraschende Entwicklung dort vorn an der Kiefernbarrikade mit grimmiger Freude. Und endlich erreichte das von den Steinwürfen gereizte Mammutschwein die Palisade. Mit dem linken Hauer durchbohrte es den unteren der beiden Bräunlinge und rammte die Holzsperre mit voller Wucht. Die zusammengebundenen Kiefernstämme erzitterten unter dem Anprall des massigen Körpers.

Der mit der grauen Jacke fiel samt Speer zurück in den Felskessel; alle stürzten jetzt von der Palisadenkrone, die dort oben gehockt hatten – die meisten nach außen, einige aber auch nach innen. Die Rampe hinter der Kiefernwand kippte um, der Schwertdieb verschwand aus Lasnics Blickfeld.

Der Hauptkerl mit der Lederjacke wollte den Speer gegen das Schwein richten, doch das stand schon so nahe bei ihm, dass er die Waffe nicht mehr senken, geschweige denn seinen Säbel aus der Rückenscheide ziehen konnte. Der Keiler warf sich seitlich auf ihn, wieder und wieder. Die Palisade erzitterte erneut. Erst hörte man den Speerschaft splittern, dann die Knochen des Bräunlings. Der Schwarzmantel schrie am Rand des Felskessels herum, schlug nach seinen eigenen Leuten, hetzte sie zum Palisadentor.

Plötzlich merkte Lasnic, dass die Kiefernwand schief zwischen den rötlichen Felswänden hing. Bei jedem neuen Anprall des Keilers sprang sie zwei Handbreit nach außen hin auf, um gleich wieder zugedrückt zu werden.

»Her zu mir, Wettermann!« Lasnic rannte los. »Komm zu mir, sag ich!« Er spurtete zum Tor, wo der Keiler die herabgestürzten Bräunlinge zertrat. Ihn fröstelte: Viel zu deutlich hörte er ihre Knochen brechen und die letzten Atemzüge in ihren Kehlen gurgeln.

Den Bräunlingen oberhalb der Steilwand war das Lachen und Jubeln nun ganz und gar vergangen. Kaum einen Schrei hörte man noch von ihnen, von Gelächter sowieso keine Spur mehr. Nur das Gekläff ihrer Zahmwölfe hallte über den Felskessel. Die meisten Bräunlinge rannten schon zum Tor – wahrscheinlich, um sich mit ihren Gefährten dort dagegenzustemmen oder um es von außen mit einer Barrikade zu sichern. Andere schleuderten Steine auf das Schwein, manche auch ihren Speer. Ein solches Wurfgeschoss blieb im Hinterteil des Keilers stecken. Das Tier quiekte und schnaubte, der Schmerz machte es noch rasender.

Lasnic bückte sich nach dem zerrissenen Netz, in dem er gesteckt hatte. Er rannte auf den tobenden Keiler zu, achtete nicht auf Kauzers warnendes Krächzen, achtete weder auf das Gehämmer seines Herzens noch auf die Angstflammen in seiner Brust. Einen Schritt vor dem Mammutschwein duckte er sich, um ihm ins Rückenfell zu springen, doch genau in diesem Moment traf ein Steinhagel das Tier. Grunzend und quiekend warf es sich zur Seite, erwischte Lasnic mit der Hinterflanke, schleuderte ihn ins Geröll.

Der Aufprall presste ihm die Luft aus der Lunge. Zwei Atemzüge lang blitzten ihm Sterne durch sein Waldmannhirn. Er überschlug sich ein paarmal, richtete sich auf den Knien auf, schüttelte sich. Quiekend vor Wut rammte der Keiler die Palisade erneut.

Kein klarer Gedanke mehr wollte sich in Lasnics Schädel formen. Gleichgültig. Leben wollte er, sonst gar nichts. Bloß noch nicht fallen, bloß noch nicht zum Vorjahrslaub! Kaum wusste er, was er tat, als er nach dem Speer des Jackenmanns griff, als er aufstand und Anlauf nahm.

Er sprang, und diesmal landete er im Fell des Keilers. Drahtig und fettig fühlte es sich an. Er krallte sich darin fest, hielt Netz und Speerstiel fest, schwang sich schließlich auf den Rücken des massigen Tieres. Es stank noch strenger als er selbst.

Lasnic kroch zu den Schweineohren, hörte Holz über Stein scheuern, und als er es wagte, den Kopf ein wenig zu heben, sah er die Palisadenwand nach außen kippen. Staub stieg auf, Warnrufe erfüllten die Luft. »Kauzer!« Er blinzelte und guckte ein zweites und drittes Mal hin: Die Palisade lag flach. »Ich glaub es nicht, Kauzer …!«

Das Mammutschwein kletterte auf die zusammengebundenen Stämme. Die bebten und schaukelten, weil Bräunlinge und Zahmwölfe darunter lagen. Lasnic konnte ihr jämmerliches Kreischen und Jaulen hören.

Aus den Augenwinkeln sah er den Wettermann – zaudernd und gestikulierend näherte er sich dem mächtigen Schwarzschwein mit kleinen Schritten. »Herauf mit dir, allerbester Freund des Schicksals!« Lasnic ließ das Netz hinunter, und Kauzer kletterte daran zu ihm auf den Schweinerücken. Schwer atmend klammerte er sich hinter dem so viel Jüngeren im schwarzen Zottelfell fest. Rechts und links der umgestürzten Kiefernwand stemmte sich ein halbes Dutzend Bräunlinge aus Geröll und Staub. Die noch laufen konnten, suchten ihr Heil in der Flucht und ließen diejenigen liegen, die es nicht mehr konnten. Ihre Zahmwölfe hechelten hinter ihnen her.

Der Keiler stampfte über die umgestürzte Palisade, blieb stehen, legte den Kopf schief, drehte ihn, so weit er konnte, und versuchte auf seinen Rücken zu äugen.

»Lauf einfach zu, Schwarzer!« Lasnic wickelte den abgebrochenen Speerschaft in die Netzmaschen. »Gut gemacht, Schwarzer. Jetzt lauf zu, mach schon.« Mit den Schenkeln klemmte er die Schultern des Keilers ein.

»Vorsicht, Bursche«, jammerte Kauzer, »reize ihn bloß nicht.«

»Still, Wettermann! Halt dich fest, statt zu schwätzen!« Der Keiler warf grunzend den Kopf in den Nacken. Von rechts schlichen drei Bräunlinge mit Speeren am Rand des Felskessels heran. Lasnic hielt den eingewickelten Speer waagrecht und zielte, und als der Keiler das nächste Mal den Schädel hob und den Rachen aufriss, warf er den in Maschen eingeschlagenen Speerschaft auf seine Hauer, ohne dabei die Netzenden loszulassen. Mit beiden Fäusten riss er das Netz samt Speerschaft in den Rachen und zwischen die Zähne des Keilers. »Hab ich dich, Schwarzer!« Lasnic triumphierte. »Hab ich dich! Festhalten, Wettermann!«

Ein Speer zischte über ihn hinweg, ein zweiter fuhr dicht vor seinem rechten Schenkel in den Rücken des Keilers. Das Tier quiekte schrill, ein Zittern durchlief seinen massigen Pelzkörper. Es senkte den Kopf und preschte los. …