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Tom Jacuba - „Kalypto – Die Wächter des schlafenden Berges“

ISBN: 9-783-404-20833-3

 

Klappentext:

Gabrylon, der Wächter des Schlafes, ist verzweifelt. Seit Tausenden Sonnenwenden wacht er im Inneren eines Vulkans über den magischen Schlaf seiner Brüder und Schwestern - der Magier von Kalypto. Doch nach und nach sterben sie, und Gabrylon kann es nicht verhindern. Nur wenn das eine Dienstvolk gefunden ist, würdig das Zweite Reich von Kalypto zu errichten, darf er die Magier wecken. Nun aber bahnt sich etwas Ungeheuerliches an, von dem Gabrylon nichts ahnt: Ein einfacher Sterblicher, ein Mann aus dem Volk der Waldstämme, macht sich auf den Weg zum Vulkan, um es mit den Magiern aufzunehmen.

 

Inhalt:

Im Finale der Trilogie geben alle Protagonisten noch einmal alles. Während Lauka direkt nach Kalypto reist, um dort direkt die Macht an sich zu reißen, machen sich auch Airyn und ihr Gefolge auf den Weg. Sie wollen ebenfalls nach Kalypto, um den Plan der Magier zu vereiteln. Sie haben die gefolterte und geläuterte Magierin Catolis an ihrer Seite. Diese wird von den anderen Magiern für verrückt gehalten, weil sie die Menschlichen nicht mehr unterjochen will.

Lauka kommt, nach einer tragischen Begegnung mit der zerstörerischen Magie, als erstes auf Kalypto an. Sie glaubt, die Magier lassen sich so einfach von ihr unterjochen. Doch da hat sie sich getäuscht.

Airyn und ihr Gefolge haben schon auf dem Weg nach Kalypto große Verluste zu beklagen. Aber sie kämpfen tapfer für Ihr Ziel. Ausgerechnet der Wächter des Berges kommt ihnen zu Hilfe.

Jedoch hat Lasnic auf dem Weg zum Ziel einen weiteren heftigen Verlust zu beklagen.

 

Leseprobe:

»Ja, sie hat gelächelt. Sie lächelt immer, wenn sie das Kind nehmen darf. Wahrscheinlich hält sie es in solchen Augenblicken für ihr eigenes verlorenes Baby.«

»Beim Wolkengott – was sagst du da?« Sie näherten sich dem Zelt der Ärztin. Lord Frix und Lord Rasman standen bei Gumpen. Der Nordhüne und der kleine Baldore plauderten. Die Waldfurie lauerte reglos und unverwandt zum Zelteingang. »Und wenn sie es eines Tages so sehr für ihren Grünspross hält, dass sie damit abhaut?«

»Keine Angst, mein Waldmann.« Sie erreichten das Zelt. »Gudrun wird nichts mit Belice tun, was ihrem eigenen Kind geschadet hätte. Sei nur unbesorgt.« Ayrin zog die Plane beiseite, bückte sich ins Zelt hinein.

Lasnic sah, dass Feline neben dem Laubsack des Verletzten kniete und ihm Essen anreichte. Er machte kehrte und winkte Lord Frix heran. »Nimm deinen beißwütigen Affen an eine Leine und komm mit ihm ins Zelt.«

»De Load Rasman wollt uns doch nua zaige, wie mutig ea isch.« Lord Frix zog seinen Hosengurt ab und schnallte ihn dem protestierenden Rotaffen um den Hals. »Un wie stark.«

»Ja, ja, beim Schartan, und wie gut er klettern kann. Komm schon.« Lasnic winkte Affen und Baldoren in Valenas Zelt. Kaum erblickte Lord Rasman den braunhäutigen Flaumbart, fletschte er die Zähne, knurrte und fauchte. Der Flaumbart aber erstarrte und seine Augen wurden zu Schlitzen. Er riss Feline eine Wildentenkeule aus der Hand, biss das Fleisch herunter und brach den Knochen entzwei. Die zersplitterte Spitze reckte er dem fauchenden Affen entgegen wie eine Klinge.

»Rede mit uns, und der Rotaffe wird dir nichts mehr tun.« Breitbeinig stellte Lasnic sich vor seinem Lager auf und stemmte die Fäuste in die Hüften. »Warum hast du mit diesen Parderbiestern die Tiere und Kerle abgeschlachtet? Das sind doch deine Leute, oder?« Der Flaumbart ließ die Faust mit dem Knochen nicht sinken, ließ Lord Rasman nicht aus den Augen. »Wem dienst du, Bursche. Und diese Vogel- und Krötenkerle, wer sind die? Ich höre.«

Der Flaumbart antwortete nicht, schien nur Augen für den Rotaffen zu haben. Hörte er überhaupt zu? Ayrin stand am Kopfende seines Lagers, stützte sich dort auf ihre Langklinge. Feline, mit einer Fleischschüssel auf dem Schoß, saß auf den Fersen neben ihr. Valena hielt sich im Hintergrund.

Lasnic bückte sich zu dem Flaumbart hinunter, nahm ihm den Knochen weg und ging zum Zelteingang. »Vor dem Affen brauchst du keine Angst haben, Bursche! Solange Lord Frix ihn an der Leine hält, kann er dir nichts tun. Ich zeige dir, wen du zu fürchten hast.« Er schlug die Plane zur Seite.

Draußen sprang die Waldfurie auf und ballte ihre Klauen zu Fäusten. Drei Sprünge und sie stand vor dem Zelt, ihr strenger Eulenblick loderte. Der Flaumbart zog die Schultern hoch, sperrte Mund und Augen auf.

»Die können wir an keine Leine nehmen, kapierst du das?« Lasnic ließ die Plane vor den Eingang fallen. »Niemand kann die wilde Frau bändigen.« An den Rittern und Feline vorbei schritt er wieder zum Lager des Verwundeten. »Doch wenn du mit uns redest – die Wahrheit redest! –, dann lege ich ein gutes Wort für dich ein. Zufällig steht sie auf mich.« Er verschränkte die Arme vor der Brust, musterte den Burschen lauernd.

»Nix verstehen«, sagte der heiser.

»Dafür fällt deine Antwort reichlich klar aus.« Lasnic ging zurück zum Zelteingang und machte Anstalten, die Plane zurückzuziehen.

»Wir wissen, dass du ein paar Brocken Garonesisch beherrscht«, sagte Ayrin.

»Du wirsch doch schwätze, wie die Leut von Wildan schwätze tän.« Lord Frix ergriff das Wort. »Lebsch doch hier an de Grenz, Bürschle.«

Der Verletzte nickte zaghaft. »E bissle. Un e bissle Garonesisch, stimmt scho, des au.«

»Ja also, Bürschle, warum ned glei?« Lasnic hatte nicht gewusst, dass Lord Frix so väterlich und zugleich so streng gucken konnte. »Dann dät i jetzt an deinere Stell die Frage vom Lord Lasnic beantworte. Der isch sunscht imstand und hetzt sei garschtige Freundin auf di. Also: Was hasch du mit de Katzemonschta zu schaffe?«

Der Bursche schluckte, sein Blick hetzte von einem zum anderen, blieb schließlich an Lasnics bärtiger Miene hängen. »Nix zu schaffe mit de Raißa!«, platzte es plötzlich aus ihm heraus. »Gar nix!«

»Reißer?« Lasnic runzelte die Stirn.

»Reißa, jo, so nenne mir die. Dienet dem Finschtafürschten. Die henns Viehzeug und die nackte Kerl an da Quell übafalle. Die schlachte alles ab, was ihne über da Weg laufe dut.«

»Sie dienen dem Finsterfürsten?« Ayrin rieb sich nachdenklich das Kinn. »Und die anderen? Diese Vogel- und Froschartigen? Auch Krieger des Finsterfürsten?«

»No!« Er hob abwehrend die von Fett verschmierten Hände. »Nix da! No, no!« Ein Wortschwall ergoss sich über die Lippen des Flaumbarts, Lasnic verstand kein Wort davon.

»Des isch Kalmulisch«, sagte Frix, »so hän kalmulische Seeleut gschwätzt, denne mirs Schiff versenkt hän.« Er sprach wohl von seiner Zeit als Räuber. »Er sagt, dassa sellen Finschtafürschte hasse dät.« Lord Frix wandte sich an den Flaumbart. »Bisch du’n Kalmule, Bürschle? I dät an deinere Stelle halt so schwätze, des alle vastehn, was du sage willsch.« Mit dem Daumen deutete er auf den Zelteingang. »Du woisch ja, wea da drausse steht un roi will.«

»Kalmule?« Der Flaumbart schlug sich an die Brust. »No! Jo! Finschtafürscht muss sterbe!« Er zog sich die Handkante über die Kehle. »Hält mei Mutta gefange. Seit fuffzehn Winta scho.«

»Deine Mutter?« Ayrin ging vor ihm in die Hocke.

»Sie muss ihm dienen, seit fuffzehn Wintern. Werde sie befreien.« Plötzlich wechselte er zwischen Garonesisch und dem Wildaner Dialekt. »Die anderen waren meine Krieger. Wir dienen nur dem Königsstillen. Und wir haben gesehen, wie die Reißer des Finsterfürsten die Tiere und die nackten Männer überfallen haben. Dann kam das wilde Weib.« Er deutete zur Zeltplane. »Isch uff die Raißa losgegange, hattse erschlage.« Wieder wechselte er ins Wildanische, berichtete, wie er und seine entstellten Krieger ebenfalls vor den Parderartigen flohen und wie erst die Waldfurie und dann Gumpen alles niedermachte, was ihnen über den Weg lief. »Jo, so war’s. Ein paar von uns konnten fliehen. Und ich bin in die Höhle hinauf gestiegen. Die Wildfrau ist zu fett, um mich dort hinauf zu verfolgen.«

»Was hasch du da grad g’sagt?« Lord Frix trat an das Lager des Verletzten, zog den zähnefletschenden Affen hinter sich her. »Wem tusch du diene?«