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Robert Ludlum - „Die Nano-Invasion“

ISBN: 9-783-453-41776-2

 

Klappentext:

Kampf gegen den Terror Jon Smith von der geheimen US-Sondereinheit Covert One ist mit einer scheinbar einfachen Aufgabe konfrontiert: In einem japanischen Fischerdorf soll ihm ein Informant einen Koffer mit unbekanntem Inhalt übergeben. Zurück in den Staaten, erfährt Smith, dass es sich um radioaktive Stoffe aus dem Atomkraftwerk Fukushima handelt, die ein Techniker nach der Katastrophe beiseitegeschafft hat. Smith lässt das Material von einem befreundeten Kerntechniker untersuchen, der eine entsetzliche Entdeckung macht. Die porösen Brocken aus Stahl, Beton und Kunststoff sind offenbar in der Lage, sich endlos zu vervielfältigen. Was verbirgt sich hinter dieser bizarren Technologie? Die Spur führt zu einem Kommandanten der japanischen Streitkräfte, der offenkundig Fürchterliches im Schilde führt.

 

Inhalt:

Smith hat einen Einsatz in Japan. Er wird verletzt, kann die Tüte mit dem Stein des Anstoßes aber sicher. Allerdings ist er damit in eine viel größere Geschichte hinein geraten, als er sich das gedacht hat. Denn von nun an kennt er, und seine Kollegen des amerikanischen Geheimdienstes, ein japanisches Geheimnis. Und der japanische Geheimdienst will mit aller Macht verhindern, dass der geheime Plan publik wird.

Smith und seine Kollegen müssen den Plan vereiteln, China von Nanobots zerfressen zu lassen. Aber auch ihr eigenes Leben ist in Gefahr. Das darf erst enden, wenn China vor dem Untergang bewahrt wurde.

Ein packender Thriller um Fanatismus und seine Folgen.

 

Leseprobe:

… Protestkundgebungen wie diese fanden überall in China statt, befeuert von entsprechenden Aufrufen in den sozialen Netzwerken, die von den staatlichen Zensoren ignoriert wurden, während jeder Hauch von Kritik an der Regierung im Internet eliminiert wurde.

Dennoch waren zur Sicherheit Soldaten vor Ort. Die korrupten alten Männer, die das Land regierten, würden es nie zulassen, dass sich eine große Menschenmenge ohne entsprechende Militärpräsenz zusammenfand. Solange sich der Volkszorn gegen den Nachbarn im Osten richtete, würde man jedoch nicht einschreiten. Einige Soldaten schlossen sich sogar den Demonstrierenden an und skandierten gemeinsam mit den Zivilisten antijapanische Parolen. Der Unterschied bestand darin, dass sie nicht die Fäuste in die Höhe reckten, sondern ihre Gewehre. Es war ein Bild, das sogar Randi ziemlich bizarr fand. Die Situation spitzte sich schon seit geraumer Zeit zu, und die jüngste Konfrontation bei den Senkaku-Inseln goss ebenso Öl ins Feuer wie der versuchte Anschlag auf Masao Takahashi. Es war höchste Zeit, dass sich die Politiker auf beiden Seiten bemühten, die Lage zu beruhigen, doch Randi bezweifelte, dass sie sich dazu durchringen würden. Es gab nichts, wodurch sich das Volk leichter von internen Problemen ablenken ließ, als durch eine gehörige Portion fremdenfeindlichen Nationalismus.

Randi kam an einem Transparent vorbei, das ein mit Photoshop fabriziertes Bild von Takahashis Leiche zeigte, und schlängelte sich durch die Menge zu einem Hochhaus auf der anderen Straßenseite.

Ein Sicherheitsmann, der die Demonstration nervös durch die Glastür beobachtete, ließ sie ein und schloss sofort wieder ab. Der Lärm der wütenden Menge und der mit Megafonen verstärkten Parolen wurde zwar gedämpft, aber bei Weitem nicht genug, um das Gefühl von Ruhe und Normalität zu vermitteln.

Zwei weitere Sicherheitsleute betrachteten sie bewundernd, als sie zu ihrem Tisch tänzelte und einen Lippenstift aus der Ledertasche an ihrem Arm fischte.

»Hallo, Leute«, grüßte sie und zog ihre ohnehin blutroten Lippen nach. »Ich möchte zu Li Wong.«

Sie sprach den chinesischen Namen von Kaito Yoshima absichtlich unkorrekt aus, doch die Wächter lächelten nur. Sie wussten bestimmt um seine Vorliebe für westliche Blondinen.

Auf Chinesisch forderten sie sie auf, nach oben zu gehen, und sie kniff die Augen zusammen, um extreme Konzentration vorzutäuschen. Das entlockte den Sicherheitsmännern erneut ein Lächeln, und sie deuteten zum hinteren Bereich der Lobby.

»Ihr seid echt süß«, flötete sie und ging zum Aufzug. »Einen wunderschönen Tag noch!«

Sie spürte ihre Blicke im Rücken, was sie ihnen nicht verdenken konnte. Ihr silberglitzernder Minirock war so kurz, dass sie den Drang verspürte, ihn nach unten zu ziehen, um etwas mehr zu verhüllen. Vollendet wurde ihr Outfit von riesigen silbernen Ohrringen und einem Jäckchen aus irgendeinem undefinierbaren Fell. Nach dem Markt zu schließen, auf dem sie es gekauft hatte, schätzte sie, dass es sich um Rattenfell handelte.

Randi verfolgte die Stockwerksanzeige, während sie ins oberste Geschoss fuhr, dankbar, dass niemand zustieg. Obwohl ihr Gesicht und ihre Figur wie geschaffen für einen solchen Auftritt waren, fand sie es doch ziemlich anstrengend, sich so verstellen zu müssen. Die Hidschab-Verkleidung hatte sie träge gemacht.

Als sich die Aufzugtür öffnete, war niemand in Sicht. Es gab nur vier Wohnungen in diesem Stockwerk, was die Wahrscheinlichkeit verringerte, jemandem zu begegnen. Natürlich wurde der Flur von Kameras überwacht, und sie zweifelte nicht daran, dass die Sicherheitsmänner sie beobachteten und sich gewagten Fantasien hingaben, was Yoshima mit dieser Blondine erleben würde. Randi war sich ziemlich sicher, dass der Abend in Wirklichkeit noch viel spannender verlaufen würde.

Sie kramte in ihrer Tasche nach einer Schlüsselkarte und zog ihr Handy hervor. Während sie so tat, als würde sie einen Anruf entgegennehmen, steckte sie die Karte ins Schloss. Scheinbar frustriert beugte sie sich vor, um den Türknopf zu begutachten, und zeigte dabei einen guten Teil des weißen Stringtangas, den sie eigens für diesen Zweck gekauft hatte.

Das würde die Aufmerksamkeit der Männer von dem dünnen Kabel ablenken, das ihr Handy mit der Schlüsselkarte verband, und von der Tatsache, dass der Algorithmus relativ lange brauchte, um den Zugangscode zu finden.

Nach quälend langen zehn Sekunden sprang das rote Licht an der Tür auf Grün um.

»Die Show ist vorbei«, murmelte sie, als sie sich aufrichtete und in die dunkle Wohnung eintrat.

Randis Herzschlag beschleunigte sich spürbar, als sie die schallgedämpfte Glock aus der Handtasche zog und die Tür leise mit dem Rücken zudrückte.

Sie war Yoshima einige Male begegnet, doch sie hatten bisher keinen Grund gehabt, einander zu bekämpfen. Er war ein etwas schräger Vogel, hatte etwas von einem Intellektuellen und einem Philosophen, obwohl er natürlich brandgefährlich war. Wahrscheinlich hatte es ihn nachhaltig geprägt, dass er schon als Kind ins Spionagewesen hineingezogen worden war und sich nicht als Erwachsener freiwillig dafür entschieden hatte. Dieses Geschäft brachte Persönlichkeiten hervor, die sich oft weit jenseits des Durchschnitts bewegten. Randi hatte eine gute Nase für Menschen, doch auch sie hätte ihn wahrscheinlich für einen Geschichtsprofessor oder Ingenieur gehalten, wenn sie ihm in irgendeiner Bar begegnet wäre.

Sie hörte nicht das kleinste Geräusch. Die Wohnung roch, als wäre sie schon länger unbenutzt. Eine volle Minute stand sie völlig reglos da und lauschte, ehe sie nach einem Lichtschalter an der Wand tastete. Im nächsten Augenblick wurde der großzügige Raum in ein gedämpftes Licht getaucht.

Die Chinesen entlohnten ihre Geheimagenten offenbar besser als die Amerikaner. Die Einrichtung erinnerte vage an das antike Rom, ohne jedoch kitschig zu wirken. Die Bilder an den Wänden waren moderne Kunst – soweit sie erkennen konnte, alles Originale. Die Sofas waren aus makellosem Leder, und das Kristallglas in der Bar schien hochwertige Qualität aus Tschechien zu sein. Auffallend war jedoch nicht, was sie sah, sondern was in der Wohnung fehlte. Es gab nicht den kleinsten Hauch von asiatischer Kultur. …