ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Corinne Hofmann - „Zurück aus Afrika“

ISBN: 9-783-927-74366-3

 

Klappentext:

Von der Autorin des Bestsellers "Die weiße Massai" "Lketinga kritzelt auf das Papier und sagt: 'I don't know sein Zeichen, if I see you and Napirai again!' Dann springt er aus dem Bus, und wir fahren los. Erst jetzt rollen meine Tränen. Ich schaue aus dem Fenster und verabschiede mit jedem Blick die vorbeiziehenden, vertrauten Bilder." So schließt Corinne Hofmanns Erlebnisbericht "Die weiße Massai", in dem sie ihr Leben in Kenia an der Seite des Samburu-Kriegers Lketinga schildert, das nach über vier Jahren mit ihrer Rückkehr in die Schweiz endet. Der Neubeginn in der "Welt der Weißen", gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter, ist schwer. Nach der langen Abwesenheit und dem Leben in einer ganz und gar andersartigen, fast archaischen Welt muss sie so manche Fähigkeit, die ein Leben in Mitteleuropa erfordert, wieder neu erlernen. Doch mit der gleichen Stärke, dem Mut und dem Optimismus, mit denen sie die Herausforderungen in Kenia bewältigte, baut sie sich als allein Erziehende eine neue Existenz auf. Während dieser Zeit hält sie durch Briefe und finanzielle Hilfe Verbindung zu ihrer "afrikanischen Familie", deren Alltag nach wie vor hart und entbehrungsreich ist. Der internationale Erfolg ihres Bestsellers versetzt sie in die Lage, großzügiger und gezielter zu helfen. Und auch ihren Traum, einmal wieder afrikanischen Boden zu betreten, kann sie sich jetzt erfüllen: Im März 2003 steht sie erschöpft am Gipfel des Kilimandscharo, dem Dach Afrikas - einem Kontinent, dem sie ihr Leben prägende Erfahrungen und die geliebte Tochter Napirai verdankt. Mit diesem Buch will die Autorin unter anderem Antwort geben auf die Fragen, die ihr in Tausenden von Leserzuschriften gestellt wurden.

 

Inhalt:

Corinne Hofmann konnte vor dem Leben fliehen, was sie einmal so gewollt hat. Allerdings steht sie in der Schweiz nun vor dem Nichts. Sie muss komplett bei Null anfangen, da sie sogar ihre Aufenthaltsgenehmigung neu beantragen muss.

Eindrucksvoll und fesselnd berichtet Frau Hofmann von ihrem steinigen Weg. Über mehrere Jobs, emotionale Nöte und einer Art Schreibtherapie und er Entstehung des ersten Buches.

Auch wenn ihre Tochter nur immer mal wieder erwähnt wird, bekommt man auch ihre Entwicklung mit.

Nicht so gut, wie Band 1, aber auf seine eigene Weise spannend.

 

Leseprobe:

... Einzig das Treffen mit meiner Großtante bringt Abwechslung. Ohne Ankündigung stehen wir vor ihrem Häuschen und ich stelle mich vor. Über unseren überraschenden Besuch freut sie sich sehr. Sie ist eine kleine, zierliche, alte Dame und man erkennt deutlich ihre asiatischen Wurzeln. Sie erzählt Geschichten aus ihrem aufregenden Leben, das sie vor dem Krieg geführt hat. Ihre Familie war sehr begütert und hatte über 80 Bedienstete, was ich mir kaum vorstellen kann. Als Kind wurden ihr noch die Füßchen gebunden, damit diese schön klein blieben und sie besser zu verheiraten wäre. Später, als sie die Frau des Bruders meines Großvaters wurde und nach Frankreich flüchten musste, waren etliche Operationen nötig, damit sie überhaupt wieder einigermaßen schmerzfrei gehen konnte. Ich bin entsetzt, denn so etwas habe ich noch nie gehört. In gewisser Weise erinnert es mich auch an die schrecklichen Beschneidungen der Mädchen, die immer noch bei den Samburu und auch bei anderen Stämmen durchgeführt werden. Warum werden auf der ganzen Welt immer die Mädchen auf irgendeine Art misshandelt?, frage ich mich traurig. Es folgen weitere Geschichten aus ihrem bewegten Leben, denen ich fasziniert lausche. Nachdem wir uns verabschiedet haben, bin ich froh, diese interessante Frau kennen gelernt zu haben. Wer weiß, ob ich sie noch einmal sehen werde.

Wieder zu Hause erzähle ich meiner Mutter von dem in letzter Sekunde verhinderten Unglück am Pool, damit auch sie Napirai beim Baden nicht mehr aus den Augen lässt. Meine Mutter allerdings bringt ihr noch im selben Jahr das Schwimmen ohne Schwimmhilfe bei, was mit Sicherheit die beste Vorbeugung gegen derartige Unfälle ist.

Unser gewohntes Leben geht weiter. Tagsüber arbeite ich und Napirai verbringt die Zeit bei meiner Mutter oder ihrer Pflegefamilie. Nach den gemeinsamen Ferien fällt es mir wieder sehr schwer, mein Kind »abzugeben«. Doch die Verkäufe laufen gut, deshalb bin ich abgelenkt und habe bald wieder Spaß am Arbeiten. Mit meinem Lohn komme ich immer gerade über die Runden. Manchmal bleiben mir am Monatsende sogar ein paar Hunderter übrig, die ich für einen eventuellen Urlaub und die Steuern spare.

Wieder einmal besuche ich spontan einen Neukunden. Als ich sein Geschäft betrete, lacht er und ruft: »Ja, schon wieder eine Vertreterin! Was wollen Sie mir denn andrehen? Der hier probiert es auch schon.« Dabei zeigt er auf einen sympathischen Mann. Locker begrüße ich die beiden und bemerke dabei, dass wir nicht dieselben Produkte anbieten, da er auf T-Shirts mit Firmenwerbung spezialisiert ist. Wir diskutieren hin und her und bald können wir beide ein größeres Angebot vorlegen. Als ich mich verabschieden will, lädt mich der Kollege zu einem Kaffee ein, da er sich mit mir noch kurz unterhalten möchte. Im Restaurant unterbreitet er mir ein Jobangebot und meint, wenn ich Lust hätte, könnte ich gerne bei ihnen anfangen. Sie seien ein Unternehmen, das hochwertige bedruckte und bestickte T-Shirts, Sweater und Hemden vertreibt. Es ließe sich gutes Geld verdienen und ein tolles Team würde mich ebenfalls erwarten. Ich höre gespannt zu und nehme auch gerne die Visitenkarte entgegen, aus der sich erkennen lässt, dass er der Außendienstleiter ist. Da ich aber mit meiner derzeitigen Arbeit voll zufrieden bin, äußere ich mich dementsprechend. Sollte sich jedoch etwas ändern, so würde ich mich bei ihm melden.

Zu Hause finde ich einen Brief vom deutschen Konsulat vor. Da die Frage hinsichtlich des Familienstammbuches immer noch offen ist, öffne ich das Kuvert mit einem unguten Gefühl. Doch als ich die zwei Blätter gelesen habe, bin ich einmal mehr überglücklich. Anscheinend waren die Angaben aus Kenia ausreichend, denn ich halte eine Abschrift des Familienstammbuches in der Hand, in dem Napirai mit meinem Familiennamen eingetragen ist. Das bedeutet vor allem, dass sie endgültig die deutsche Nationalität besitzt und somit in der Schweiz keine Probleme mehr auf uns zukommen. Endlich bin ich mir sicher, auch die letzte Hürde genommen zu haben. Nun muss ich später nur noch die Scheidung einreichen. Da ich aber in keiner Beziehung lebe, ist dies im Moment nicht das Wichtigste, damit warte ich noch. Anlässlich der guten Neuigkeit feiere ich am Wochenende mit zwei Freundinnen und ihren Kindern ein herbstliches Grillfest.

Kurz darauf jedoch folgt eine schlechte Nachricht. Napirais Tagesmutter eröffnet mir, dass sie wieder schwanger ist. Wenn ihr zweites Kind da sei, habe sie leider für Napirai keine Zeit und keinen Schlafplatz mehr zur Verfügung. Diese Mitteilung macht mich im ersten Moment sehr traurig, weil sich Napirai bei ihr so wohl fühlt und ihr sicher nachtrauern wird. Doch ich beruhige mich und denke, wir haben noch ein paar Monate Zeit und es wird sich schon wieder etwas ergeben.

Jetzt im Herbst gehen die Werbeartikel gut und die ersten Bestellungen für Kundengeschenke zu Weihnachten laufen an. Ich verdiene zeitweilig sogar mehr als im ersten Job und so kann ich mir im Januar 1993 sogar einen Skiurlaub mit meiner Mutter und Hanspeter in Frankreich leisten. Die beiden fahren jedes Jahr dorthin und diesmal schließen wir uns an, zumal Napirai ihre erste Skiausrüstung unter dem Weihnachtsbaum vorgefunden hat. Es sind wunderschöne Ferien. Der Himmel ist jeden Tag tiefblau und der Schnee knirscht vor Kälte. Nach fast zehn Jahren Pause genieße ich das Skifahren wieder sehr. Napirai, die halbtags in einer Skischule übt, hängt schon nach zwei Tagen allein an einem Tellerlift, der sie allerdings fast vom Boden hebt. Am fünften Tag treffen wir die gesamte Skischule auf dem Berggipfel und ich sehe gerade noch, wie Napirai in der Kolonne und im Schneepflug langsam nach unten fährt. Ich bin sprachlos, was mein dreieinhalbjähriges Massaikind schon alles schafft und bin mächtig stolz auf sie.

Wie immer zu Jahresbeginn läuft die Arbeit zäh an. Januar und Februar sind einfach keine Erfolgsmonate. Dazu kommt das trostlose Wetter. In dieser tristen Zeit schickt mir eine Bekannte eine Einladung zu einem Essen mit Freunden. Ich solle unbedingt kommen, denn es handle sich um eine bunt zusammengewürfelte Gruppe und viele seien gespannt auf meine Geschichte. Neugierig gehe ich hin und erlebe einen anregenden Abend. Es wird viel diskutiert und erzählt und ich habe bald einen aufmerksamen Zuhörer gefunden, der auch mein Interesse geweckt hat. Beim Abschied tauschen wir unsere Adressen aus und bereits zwei Tage später ruft er mich an. Wir verabreden uns zu einem Treffen zu zweit. Es ist der Beginn meiner ersten Beziehung seit meiner Rückkehr. Er scheint keine Vorurteile gegenüber meinem Vorleben zu haben, ist sehr engagiert und arbeitet viel im Ausland. Wir sehen uns nicht häufig, doch das stört mich nicht, da ich meine Tochter sowieso nicht allzu viel weggeben möchte. Manchmal glaube ich aus seinen Reden Bedauern darüber herauszuhören, dass wohl kaum jemand zwischen meiner Tochter und mir Platz fände. Zudem gelingt es Napirai nicht, eine tiefere Beziehung zu ihm aufzubauen. Sie mag ihn zwar, aber er kann nicht richtig auf Kinder eingehen, wahrscheinlich weil er keine eigenen hat. Er ist etliche Jahre älter als ich und, wie ich immer deutlicher merke, ein eingefleischter Junggeselle. Durch seine zum Teil langen Auslandsaufenthalte entfremden wir uns immer wieder aufs Neue und irgendwie plätschert diese Beziehung zwei Jahre später dem Ende entgegen. Es ist von beiden Seiten wohl keine große Liebe gewesen oder vielleicht bin ich einfach noch nicht bereit für eine neue Partnerschaft.

Mittlerweile habe ich eine neue Pflegefamilie für Napirai gefunden. Es ist ein Ehepaar mit einem gleichaltrigen Mädchen. Obwohl die Kleine zu Beginn nicht sehr begeistert war, die Aufmerksamkeit ihrer Mutter mit jemand anderem teilen zu müssen, sind die beiden inzwischen dicke Freundinnen. Ich bewundere diese Mutter, mit welcher Geduld und Ausdauer sie mit den Kindern bastelt, malt, ihnen Geschichten erzählt oder im Garten mit ihnen Pflanzen eingräbt. Oft ist meine Tochter nur schwer aus dem Spiel zu reißen, wenn ich sie abhole. Aber schließlich möchte ich mein Kind selbst noch für ein paar Stunden genießen. Häufig warten auch die Nachbarsmädchen auf sie. Manchmal schlafen alle bei uns und ich begnüge mich damit, auf dem Sofa zu nächtigen. Ein Heidenspaß ist es, wenn alle in einer Wanne baden. Auch Napirais Geburtstage sind sehr gefragt. Da treffen sich jedes Mal an die zwölf Kinder und einige Erwachsene auf unserer Terrasse und wir veranstalten eine Kinderparty. Natürlich wird alles schön dekoriert und ich organisiere verschiedene Spiele. Es wird gegrillt und mein Nudelsalat findet reißenden Absatz. An Napirais Geburtstag nehme ich mir jedes Mal frei, komme was wolle.

An diesem Tag erinnere ich mich immer an die aufregende Geburt im Missionsspital in Wamba. Meine Freundin Sophia, die gleichzeitig mit mir ihr erstes Kind erwartete, und ich waren die Sensation für die Einheimischen. Vor uns hatten in diesem Spital noch nie weiße Frauen Kinder zur Welt gebracht und natürlich wurden wir besonders neugierig beobachtet. Als dann meine Wehen begannen und ich im »Gebärsaal« lag, waren die Plätze an den scheibenlosen Fenstern bei den schwarzen Frauen sehr begehrt. Allerdings waren meine Wehen so stark, dass ich davon nicht viel mitbekam. Erst als mein Mädchen endlich geboren war, erlebte ich bewusst, wie Sophia hereinstürzte, um mir zu gratulieren, und dabei eine brennende Zigarette im Mund hatte, während ich noch im Gebärstuhl lag und ohne Betäubung genäht wurde. Ja, denke ich, das können sich die Frauen hier in der Schweiz nicht vorstellen, und wann immer ich davon berichte, staunen sie. …