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Kerstin Gier - „Wolkenschloss“

ISBN: 9-783-841-44021-1

 

Klappentext:

Ein magischer Ort in den Wolken. Eine Heldin, die ein bisschen zu neugierig ist. Und das Abenteuer ihres Lebens. Der neue Roman von Bestsellerautorin Kerstin Gier.

 

Hoch oben in den Schweizer Bergen liegt das Wolkenschloss, ein altehrwürdiges Grandhotel, das seine Glanzzeiten längst hinter sich hat. Aber wenn zum Jahreswechsel der berühmte Silvesterball stattfindet und Gäste aus aller Welt anreisen, knistert es unter den prächtigen Kronleuchtern und in den weitläufigen Fluren nur so vor Aufregung. Die siebzehnjährige Fanny hat wie der Rest des Personals alle Hände voll zu tun, den Gästen einen luxuriösen Aufenthalt zu bereiten, aber es entgeht ihr nicht, dass viele hier nicht das sind, was sie vorgeben zu sein. Welche geheimen Pläne werden hinter bestickten Samtvorhängen geschmiedet? Ist die russische Oligarchengattin wirklich im Besitz des legendären Nadjeschda-Diamanten? Und warum klettert der gutaussehende Tristan lieber die Fassade hoch, als die Treppe zu nehmen? Schon bald steckt Fanny mittendrin in einem lebensgefährlichen Abenteuer, bei dem sie nicht nur ihren Job zu verlieren droht, sondern auch ihr Herz.

 

Inhalt:

Fanny Funke ist Schulabbrecherin. Sie macht ein Jahrespraktikum im „Wolkenschloss“. Einem Hotel in den Bergen.

Die Gäste für Weihnachten verbringen ein friedvolles Fest. Wobei eine alte Dame ihren Verlobungsring verliert. Dieser Ringe und zwei verschwundene Kinder lassen Fanny kurz vor der Verzweiflung stehen. Irgendetwas stimmt mit der gesamten Situation nicht.

In der Silvesternacht spitzt sich dann alles zu. Das alte Ehepaar ist am Ende gar nicht so friedlich, wie gedacht. Der verschwundene Verlobungsring ist ein Vermögen wert und Fanny erfährt um ihre Situation in letzter Sekunde.

Die Silvesternacht hat sich Fanny mit Sicherheit komplett anders vorgestellt. Sie landet in ihrem persönlichen Alptraum, wird angeschossen, küsst den falschen Jungen und ist doch so etwas wie die Heldin des Abends.

Vom Schulabbruch direkt in die Welt der Schönen und Reichen.

 

Leseprobe:

… »Na, sehen Sie!« Roman Montfort rupfte mir die Mütze aus der Hand und reichte sie Frau Jegorow mit einer kleinen Verbeugung in die Kutsche. »Da ist das gute Stück. Jetzt steht einem gelungenen Abend nichts mehr im Weg.«

»Sie sind ein Schatz«, gurrte Frau Jegorow, und obwohl es an Roman Montfort gerichtet war, fühlte ich mich angesprochen. Ich war ein Schatz, der allerdings gerade einen Einbrecher aus ihrer Suite hatte entkommen lassen.

Die kleine Dascha bekam die »richtige« Mütze aufgesetzt, der alte Stucky schnalzte mit der Zunge, und Gäschdi und Wäschdi brachen zu ihrer letzten Tour für heute auf. Die Sonne war endgültig hinter den Berggipfeln versunken, der Fackelschein zauberte geheimnisvolle Schatten auf den Schnee. Aus dem Tal wehte immer noch der Klang von Kirchenglocken herauf und vermischte sich mit dem Gebimmel der Glöckchen am Geschirr der Pferde und Daschas entzücktem Kinderlachen.

»Was stehen Sie denn noch hier herum und halten Maulaffen feil?«, wollte Roman Montfort von mir wissen. »Zurück an die Arbeit.«

Bevor ich dazu kam, ihm zu erklären, dass ich längst Feierabend hatte, war er auch schon davongestiefelt. Selber Maulaffe. Der Geist der Weihnacht hatte ihn ganz offensichtlich noch nicht heimgesucht.

Ich stiefelte mit etwas Abstand hinterher.

Als ich durch das Foyer ging, bemerkte ich Bens besorgten Blick. »Alles in Ordnung, Fanny?«

»Alles bestens«, murmelte ich, ohne stehenzubleiben. »Ich muss nur schnell noch …« Wenn ich den Satz nicht zu Ende sprach, würde er ihn in Gedanken automatisch vollenden. Und ganz sicher nicht mit: »… noch in den Wäscheraum im zweiten Stock und Tristan Brown treffen, der gerade in die Panorama-Suite eingebrochen ist.« Wahrscheinlich dachte er, ich müsse dringend aufs Klo.

Als ich im zweiten Stock ankam, war Tristan noch nicht da. Was, wenn er gar nicht kommen würde? Wenn er einfach behaupten würde, er sei nie in der Suite gewesen? Was, wenn er doch noch vom Bodyguard erwischt worden war? Oder von der Fassade gefallen? Vielleicht hätte ich nicht fünf Minuten sagen sollen – bestimmt dauerte es sehr viel länger, einmal um das ganze Haus herumzuklettern, an hell erleuchteten Fenstern vorbei.

Aber bevor ich vor lauter »Wenn-Fragen« durchdrehen konnte, ging die Tür vom Korridor auf, und Tristan trat ein.

»Hach, wie schön, da werden Erinnerungen wach«, sagte er breit grinsend. »Hier haben wir uns das erste Mal getroffen – du kamst aus diesem Schrank da und sahst total niedlich aus mit deiner Zimmermädchen-Uniform und dieser Gouvernanten-Frisur.«

Ganz anders als jetzt, total verschwitzt in Moonboots, Schneehosen und Anorak. Darüber, wie meine Haare zu Berge standen und was der lange, sonnige Tag mit meinem Teint angestellt hatte, konnte ich nur spekulieren, ich hatte seit heute Morgen um acht nicht mehr in einen Spiegel geschaut. Während er – natürlich – wie immer perfekt aussah, ganz in schwarz, kein bisschen außer Atem, nicht mal die kleinste Schweißperle auf der goldbraunen Haut.

»Ich habe diesen Treffpunkt nicht aus romantischen Gründen gewählt, du …« Leider fiel mir kein einziges englisches Schimpfwort ein. »Blödmann«, ergänzte ich lahm auf Deutsch. »Sondern einfach nur, weil es das Erste war, das mir in der Eile einfiel. Was hattest du im Zimmer der Smirnows zu suchen? Und lüg mich jetzt bloß nicht an, sonst schreie ich laut.«

»Ist ja gut.« Tristan lächelte mich nachsichtig an. »Vielleicht sollten wir nur woanders hingehen? Wo uns niemand belauschen kann?«

Ich öffnete die Schranktür und präsentierte ihm mit einer theatralischen Armbewegung das leere Innere. »Niemand da, siehst du? Also, raus mit der Sprache.«

»Okay«, sagte er. »Also zuerst einmal: Die Leute heißen nicht Smirnow, sondern Jegorow.« Er machte eine winzige Pause, um dann zu lächeln. »Oh, ich sehe, das weißt du natürlich bereits. Ich habe sie gestern beim Abendessen auch gleich erkannt. Wie wohl so ziemlich jeder, der in den letzten Wochen mal eine Zeitschrift aufgeschlagen hat. Wenn du mich fragst, freut Stella Jegorow sich, erkannt zu werden. Sie scheint nicht der Typ zu sein, der gern inkognito ist.«

»Und du dachtest, dass es in einer Oligarchensuite sicher jede Menge zu holen gibt.« Ich stieß empört die Luft aus. »Ich schwöre dir, wenn etwas weggekommen ist…« ….