ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Robert A. Heinlein - „Der Zeitsprung“

ISBN: 9-783-453-31627-0

 

Klappentext:

Während eines Atomangriffs flüchtet Hugh Farnham mit seiner Familie in einen eigens für solche Zwecke konstruierten Atombunker. Als die Farnhams sich jedoch nach einiger Zeit wieder nach draußen wagen, finden sie sich nicht – wie erwartet – inmitten rauchender Trümmer wieder, sondern in einem subtropischen Paradies: Der Atomschlag hat sie zweitausend Jahre in die Zukunft katapultiert. Doch das scheinbare Idyll trügt, denn die Zukunft hält einige unangenehme Überraschungen für die Farnhams bereit ...

 

Inhalt:

Hugh möchte nur einen gemütlichen Bridgeabend haben. Seine Frau wurde deswegen ins Bett verfrachtet. Doch dann unterbricht eine Bombendrohung die diskussionsfreudige Stimmung.

Im Bunker wird es fast unaushaltbar heiß, doch als sie den Bunker wieder verlassen, finden sie sich in purer Natur wieder.

Sie richten sich ein, glauben die letzten Überlebenden Menschen zu sein, bis sie von viereckigen Flugkörpern eingesammelt werden.

Die neue, menschliche Zivilisation schmeckt nicht allen Beteiligten. Gerade Hugh hat es schwer, sich mit seiner neuen Rolle als Diener abzufinden.

Doch die Flucht misslingt und die Heimkehr hängt an einem seidenen Faden.

 

Leseprobe:

… Trotzdem arbeiteten sie genau und unermüdlich.

Grace mixte aus dem Gedächtnis eine breiartige Masse. Trockenmilch, heißes Wasser und etwas Kakao. Sie hatten keine Baby-Flaschen, nicht einmal einen Sauger. Ein verwaistes Kleinkind war ein Notfall, den Hugh nicht vorhergesehen hatte. Im Nachhinein schien es ihm allerdings der wahrscheinlichste aller möglichen Notfälle zu sein. Er bemühte sich, nicht über seinen Fehler nachzudenken, und widmete sich ganz der Aufgabe, Karens Tochter am Leben zu erhalten. Eine Pipette aus Plastik musste als Fläschchen dienen. Es ging nicht sehr gut. Das Baby weigerte sich, am harten Plastikmaterial zu lutschen. Sobald man ihr ein bisschen Nahrung eingeträufelt hatte, spuckte sie sie wieder aus. Zweimal gelang es Grace, ihr fast eine Unze einzugeben, aber beide Male erbrach sie sich. Barbara und Hugh hatten noch weniger Glück.

Und dann wurde Hugh von Graces Schreien und Schluchzen geweckt. Das Kind war erstickt.

Während Hugh, Barbara und Grace um das Leben des Kindes kämpften, schaufelten Duke und Joe an einem sonnigen Platz am Hang ein Grab für Karen. Sie gruben tief und sammelten eine Anzahl von Felsblöcken. Keiner sagte etwas, aber sie waren sich einig, dass keine Bären oder Kojoten das Grab aufbrechen dürften.

»Wie sollen wir einen Sarg bauen?«, fragte Joe mit müder Stimme.

Duke seufzte und wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Joe, das können wir nicht.«

»Wir müssen.«

»Es geht nicht, Joe. Karen kann nicht warten.«

»Und wenn wir eines der Betten verarbeiten? Oder die Bücherregale?«

»Joe. Die Mittel, die wir dazu brauchen, befinden sich alle im Haus. Dad würde uns umbringen, wenn wir das Baby aufregen. Nein, Joe, kein Sarg.«

Sie einigten sich auf eine Grabkammer aus Ziegeln, die ihren ganzen Ziegelvorrat aufbrauchte. Sie verkleideten den Lehm mit der Bärenhaut, die sie bisher beim Mittagessen vor der Sonne geschützt hatte.

Am nächsten Morgen empfing das Grab Mutter und Tochter.

Joe und Duke betteten sie hinein. Duke hatte darauf bestanden, dass Hugh sich um Grace und Barbara kümmerte. Er hatte vorausgesehen, dass es schwierig sein würde, die beiden steifen Körper ins Grab zu betten. Auch Joe hatte er nur hinzugezogen, weil er bei der Arbeit einen Helfer brauchte. Er ließ durchblicken, dass seine Mutter überhaupt nicht zum Grab heraufkommen sollte.

Hugh schüttelte den Kopf. »Ich dachte schon daran. Aber sie lässt sich nicht abhalten.«

Auch Duke konnte sie nicht umstimmen. Aber als er Joe nach unten schickte, um die anderen zu holen, lag Karen mit ihrer Tochter manierlich im Grabtuch, und von den vorangegangenen Schwierigkeiten war keine Spur mehr zu sehen. Sie hatten den Kasten aus Ziegeln teilweise umbauen müssen, und am schlimmsten war der Moment gewesen, als die winzige Leiche bei dem Versuch, beide zusammen hinabzulassen, aus dem Tuch gerutscht war. Karens Gesicht war sogar friedlich, und die Tochter war in ihren Arm geschmiegt, als schliefe sie. »Tut mir leid, Schwesterherz«, flüsterte Duke, über den Rand der Ziegelmauer gebeugt. »Leb wohl.« Er bedeckte ihr Gesicht. Eine kleine Prozession kam den Hang herauf. Hugh half seiner Frau, während Joe Barbara stützte. Die Flagge hinter dem Bunker wehte auf halbmast.

Sie stellten sich vor dem Grab auf, Hugh vorn, neben ihm seine Frau und Duke. Joe und Barbara platzierten sich am Fußende der Kammer.

Hugh holte ein schwarzes Büchlein aus der Tasche und öffnete es an einer eingemerkten Stelle.

»Ich bin die Auferstehung und das Leben …«

»Denn wir haben nichts in die Welt gebracht; darum offenbar ist, wir werden auch nichts hinausbringen. Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen …«

Grace schluchzte, und ihre Knie gaben nach. Hugh drückte das Büchlein Duke in die Hand und stützte seine Frau. »Mach du weiter, Junge.«

»Bring sie nach unten, Dad«, riet Duke.

»Nein, nein«, sagte Grace mit stockender Stimme. »Ich muss bleiben.«

»Lies weiter, Duke. Ich habe die Abschnitte markiert.«

»… man häuft Schätze auf und weiß nicht, wer sie einheimst. Denn ich bin dein Pilger und dein Bürger wie alle meine Väter. Lass ab von mir, dass ich mich erquicke, ehe ich denn hinfahre und nicht mehr hier sei. Mensch, der du aus der Frau geboren wirst, dir bleibt nur eine kurze Lebenszeit in großer Not. Gott dem Allmächtigen empfehlen wir die Seele unserer Schwester – unserer Schwestern – Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub …«

Duke hielt inne und warf ein paar winzige Erdbröckchen in das Grab. Dann heftete er den Blick auf das Buch, schloss es und sagte plötzlich: »Lasst uns beten.«

Sie brachten Grace hinunter und legten sie ins Bett. Joe und Duke kehrten zurück, um das Grab zu verschließen. Als Hugh sah, dass seine Frau am Einschlafen war, blies er die Kerzen aus. Sie öffnete die Augen. »Hubert …«

»Ja, Grace?«

»Ich habe es dir gesagt. Ich habe dich gewarnt. Aber du hast ja nicht auf mich gehört.«

»Was meinst du, Grace?«

»Ich habe dir gesagt, dass sie einen Arzt braucht. Aber du in deinem Stolz wolltest keinen holen. Du hast deine Tochter auf dem Altar deines Stolzes geopfert. Mein Baby. Du hast sie auf dem Gewissen.«

»Grace, hier gibt es keine Ärzte. Das weißt du genau.«

»Wenn du auch nur ein halber Mann wärst, würdest du jetzt keine Ausreden suchen.«

»Bitte, Grace! Kann ich dir irgendwie helfen? Eine Pille? Oder eine Beruhigungsspritze?«

»Nein«, sagte sie schrill. »Damit hast du mich schon einmal hinters Licht geführt, als ich einen Arzt holen wollte. Nie wieder kannst du mich mit Medikamenten beeinflussen. Und wehe, du rührst mich ab heute noch einmal an. Mörder!«

»Gut, Grace.« Er drehte sich um und ging hinaus.

Barbara saß auf der Schwelle. Sie hatte sich die Hände vor das Gesicht geschlagen. »Barbara, die Flagge muss wieder aufgezogen werden. Soll ich es tun?«

»So bald schon, Hugh?«

»Ja. Das Leben geht weiter.« …