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Stefanie Gleising - „Meine wundersame Heilung“

ISBN: 9-783-451-60016-6

 

Klappentext:

»Tatsächlich habe ich ein Wunder erlebt. Mit einer Lebenserwartung von wenigen Wochen kam ich im September 2014 zum Sterben ins Hospiz. Jeden Tag kamen Menschen, um sich von mir zu verabschieden. Doch anstatt zu sterben – ging es mir jeden Tag besser. Nach etwa sechs Wochen konnte ich aufrecht gehend, mit vollständig zurückerhaltener Sprachfähigkeit, das Hospiz wieder verlassen. Da ich seit Anfang April 2014 keine schulmedizinische Behandlung, wie Chemotherapie oder Bestrahlung, bekommen hatte, kann man wohl mit Recht von einem Wunder sprechen.« So schildert Stefanie Gleising das Wunder ihrer Heilung nach einem vierjährigen Kampf gegen den Brustkrebs, in dem sie alle schul- und alternativmediziischen Therapieoptionen ausgeschöpft hat. Alles schien vergeblich, sie und ihre Familie machten sich auf das Schreckliche gefasst: Sie würde sterben. Doch es kam anders ...

 

Inhalt:

Stefanie Gleising bekommt die Diagnose "Brustkrebs". Am Anfang reagiert sie wie jeder Mensch in dieser Situation. Sie hat Angst und giert nach Information.

Diese Informationen sorgen dann für einen eher ungewöhnlichen Weg. Frau Gleising verweigert die übliche Chemo und wählt statt dessen den alternativen Weg. Auf diesem Weg lässt sie Unmengen an Geld bei selbst ernannten Gurus. Aber auch bei Ärzten, die Krebs ganzheitlich behandeln.

Die so genannte Spontanheilung tritt dann aber erst im Hospiz auf. Wie es dazu kam, weiß bis heute kein Mensch. Aber bei ihr hat es geklappt. - Was eine glückliche Fügung.

 

Leseprobe:

… Früh am nächsten Morgen bringt mich Volker nüchtern ins Krankenhaus. Ich weiß, dass der Eingriff bei mir ein Risiko ist, doch ich vertraue darauf, dass die Anästhesistin das Team gut informiert hat. Im OP-Saal herrscht gute Laune. Es wird gewitzelt und erzählt, was am Wochenende passiert ist. Mein Eingriff ist offensichtlich eine Lapalie. Ich bekomme eine sedierende Infusion, das heißt, eigentlich werde ich schlafen, doch es kann sein, dass ich zwischendurch wach werde. Es ist also keine richtig tiefe Narkose. Gott sei Dank.

Trotz der Infusion kann ich mich noch wachhalten, bis die Chirurgin kommt, die den Eingriff vornehmen wird. Wir nehmen noch Kontakt auf, dann falle ich in tiefen angenehmen Schlaf. Plötzlich höre ich Stimmen im Hintergrund: »So, jetzt müssen wir nur noch den Port mit Heparin spülen, dann sind wir fertig.« Ich bin noch völlig im Tran, schaffe es trotzdem, meinen Kopf leicht nach links zu drehen, von dort kommen die Stimmen, und bringe mit heiserer Stimme hervor: »Nein, kein Heparin!« Sofort rollt mein Kopf wieder zur rechten Seite, die wunderschöne Traumwelt wartet.

»Warum kein Heparin?«, fragt eine der Stimmen.

Ich versuche wieder den Kraftakt mit der Kopfdrehung nach links: »Ich habe ein HIT-Syndrom. Rufen Sie auf Station an, dort liegt Arixtra für mich bereit.« Und sofort bin ich wieder weg.

 


 

Als ich wieder aufwache, liege ich bereits auf der Station und Volker ist da. Ich erzähle ihm den Vorfall, und er wird richtig wütend. Sein Vertrauen in die Ärzte ist inzwischen vollständig aufgebraucht. Das Schlafmittel wirkt noch so stark, dass ich mich gar nicht richtig darüber aufregen kann. Aber Volker hat recht: Wenn es irgendwie geht, sollte man alles kontrollieren. Ich habe mal wieder Glück gehabt. Aber auch meine Bereitschaft zum Drama hat merklich nachgelassen. Ob Thrombose, ob Embolie, ob Diagnose Krebs, ob fast tödliches Medikament – das alles kann mich nicht mehr wirklich schocken  …
 


 

Alle vier Wochen gehe ich nun in die onkologische Tagesklinik und lasse mir per Infusion Bondronat, ein relativ neues, aber angeblich gut erprobtes Bisphosphonat, geben. Dort sitze ich im Behandlungsraum mit all den anderen Brustkrebspatientinnen, die ihre prophylaktische Chemotherapie nach einer Brustoperation bekommen.

Der Raum wirkt neu gestaltet und ist hell. Farbenfrohe und kuschelige Decken liegen für jede Patientin bereit. Ich bin sehr dankbar für das Ambiente, es hebt sich sehr positiv von der normalen Krankenhausatmosphäre ab. Zudem sorgen überaus nette und authentische Schwestern für eine herzliche Stimmung. Es ist gar nicht so schlimm, hier zu sein. Ich interpretiere das als einen Ort, an dem ich Ruhe und Kraft bekomme. So liege ich hier lächelnd und gut gelaunt und lausche den Mitpatientinnen.

»Die letzte Chemo war so furchtbar, ich hing nur über der Kloschüssel.«
 

»Schau mal, wie entzündet meine Hände sind!«
 

»Gott sei Dank ist das bald vorbei.«
 

»Ich bekomme einen Fressflash nach dem anderen, ich habe schon fünf Kilogramm zugenommen.«
 

Die Hände meiner Leidensgenossinnen ruhen manchmal in Schalen mit Eiswürfeln, damit die Nervenenden nicht von der aggressiven Chemotherapie verletzt werden. Selten höre ich sie klagen, sie sind vereint in der Überzeugung, dass diese Tortour ihnen die Heilung bringt. Schließlich kommt die Frage an mich: »Und wie weit sind Sie, wie viel Chemo haben Sie noch?«
 

Was soll ich antworten? Ich versuche die Wahrheit so einfach wie möglich auszusprechen: »Ich bekomme ein Mittel für die Knochen, weil der Krebs bei mir schon in die Knochen metastasiert ist.« Und um sie zu beruhigen, schiebe ich nach: »Ich habe keine Chemotherapie nach der Operation gemacht.«
 

»Oh, keine Chemotherapie? Das würde ich mich nicht trauen«, lautet die Antwort.

Soll ich sie in dem Glauben lassen, dass ich ein armes Opfer bin, das die falsche Entscheidung getroffen hat? Nein, ich finde, dass meine Wahrheit auf den Tisch muss. Es gibt so viele Wege – wer weiß schon, was richtig und was falsch ist?

»Ich bin einen anderen Weg gegangen«, sage ich, »weil für mich der Weg mit der Chemotherapie mit mehr Angst beladen war. Meine innere Stimme hat mich davor gewarnt. Ja, ich habe jetzt Metastasen, aber ich weiß nicht, wo ich wäre, wenn ich die Chemotherapie gemacht hätte.« Ich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg gehen muss, und das ist dann der richtige. Denn die Konsequenzen tragen, das müssen wir am Ende ja auch selbst. Ich kann in diesem Zusammenhang auch mit den Kategorien richtig und falsch nichts mehr anfangen. Mein Kriterium ist zunehmend: Fühlt es sich stimmig an, oder entscheide ich gerade gegen mich?

Ich gewöhne mich zunehmend an diese Situation, es macht mir Freude zu spüren, dass ich offensichtlich völlig aus der Bewertung ausgestiegen bin. Das ist mein Weg, und im Moment bekomme ich Bondronat, das mir hoffentlich hilft. Das ist meine Wahrheit.

Ebenso entscheide ich mich nun für das Antihormon Tamoxiphen, ein Medikament, das meine körpereigenen Östrogene neutralisieren soll. Ich stehe immer noch nicht voll dahinter, aber ich versuche es. Meine Schmerzen sind mittlerweile kaum noch zu ertragen. Nach wie vor weigere ich mich, stärkere Schmerzmittel zu nehmen, ich möchte meinen Körper nicht noch mehr belasten. Außerdem habe ich gehört, dass sich der Umgang mit den Schmerzen lernen lässt. Das ist definitiv so, das habe ich schon jetzt zur Genüge an meinem eigenen Körper erfahren dürfen. Aber manchmal tut es einfach nur höllisch weh.

Aus mehreren Gründen stehe ich dem Tamoxifen so kritisch gegenüber:
 


 

1. Der Chefarzt meinte einmal, mit meinen Hormonen sei alles in Ordnung. Das Problem sei nur, dass sich der Krebs davon ernährt. Aber er ernährt sich von so vielem. Auch Kohlenhydrate sind für ihn wichtig, weshalb Johannes Coy die kohlenhydratarme Therapie entwickelt hat (Johannes Coy: »Die neue Anti-Krebs-Ernährung: Wie Sie das Krebs-Gen stoppen«). Aber auch hier liegen keine Beweise für die Wirksamkeit vor. Die Tumorzellen passen sich ständig veränderten Bedingungen an, sie lernen sogar, Zytostatika zu verdauen, die eigentlich zu ihrem Tod bestimmt sind. Ich möchte verhindern, dass ich den Krebs noch aggressiver mache. Wie bei der Ernährung kann man auch die Östrogene nicht ganz aus dem Körper beseitigen. In einem weiblichen Körper sind trotz Tamoxifen immer noch genügend Östrogene vorhanden, die den Tumorzellen zur Nahrung dienen. …