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P.C. Cast und Kristin Cast - „Bestimmt“

House of Night Band 9

ISBN: 9-783-596-19307-3

 

Klappentext:

Zoey ist wieder zurück im House of Night in Tulsa, gemeinsam mit ihrem Krieger Stark, der sie beschützt. Doch nun wird ein Treffen mit der nach Rache dürstenden Hohepriesterin Neferet unausweichlich. Neferet ist noch immer mit den Mächten der Finsternis im Bunde, ihre Macht größer denn je. Ist Zoey wirklich sicher in diesem Haus? Und weiß sie, wer ihre wahren Freunde sind? Auch für Rephaim, der Stevie Rae nicht mehr aus den Augen lässt, entscheidet sich jetzt alles: Durch eine Gabe der Göttin Nyx hat er menschliche Gestalt angenommen und kann auf diese Weise endlich mit ihr zusammen sein.Doch wird er den Weg des Guten auch weiterhin gehen? Kann die Liebe siegen, wenn sie von den Mächten der Finsternis auf den Prüfstand gestellt wird?

 

Inhalt:

Zoeys Ahnung wird zur Gewissheit. Ihre Mutter wurde umgebracht. Aber für die Polizei sieht es wie ein bizarrer Mord aus, den sie sich nicht erklären kann. Zoey kann mit Hilfe ihrer Freunde und einer Priesterin von Skye die Wahrheit heraus finden.

Neferet treibt weiterhin ihr doppeltes Spiel. Zoey zieht mit ihrem Kreis in den alten Bahnhof. Rephaim darf mit Erlaubnis der Göttin die Schule besuchen. Grund genug für Neferet, auch die abtrünnigen roten Vampire wieder ins House of Night zu holen. Sie will das Chaos.

In Zoey ihrem Kreis gibt es Ärger. Die Zwillinge entzweien sich. Bedeutet das das Aus für die ganze Gruppe?

 

Leseprobe:

»Ja, okay. Ich hole nur Stark, und –«

»Nur du. Ich weiß, es ist vermutlich dumm, aber ich möchte Vater nicht demütigen. Ihm in Starks Beisein zu sagen, was ich ihm sagen muss, wäre eine große Kränkung für ihn.«

»Rephaim, ich kann nicht allein mit dir kommen. Hast du schon vergessen, dass dein Dad versucht hat, mich umzubringen?«

»Neferet hat seinen Körper gefangen gehalten und ihn gezwungen, dir in die Anderwelt zu folgen. Es war nicht sein eigener Wille. Er wollte dir nie etwas antun. Zoey, mein Vater hat mir selbst gesagt, dass er weder dich noch eine andere Hohepriesterin der Göttin je töten würde.«

Ungläubig schüttelte ich den Kopf. »Denk mal ein bisschen nach. Kalona würde nicht zögern, egal wen zu töten, der seinen Plänen im Weg stünde.«

»Seit er aus der Erde entkommen ist, hast du ihn bei einigen Gelegenheiten gut kennengelernt. Kannst du mit Sicherheit sagen, dass du nie auch nur einen Hauch des einstigen Kriegers der Nyx in ihm gespürt hast?«

Ich zögerte. Ich wollte nicht daran denken, wie dumm ich mich benommen hatte, bevor Heath getötet worden war. Dann hob ich das Kinn. »Kalona hat Heath getötet, weil ich so blöd war, ihm zu sehr zu trauen.«

»Heath war keine Hohepriesterin der Nyx. Und du hast meine Frage nicht beantwortet. Sprich ehrlich. Du hast etwas davon gespürt, was er einst war, nicht?«

Ungefähr zum hundertmillionsten Mal wünschte ich mir, ich wäre eine bessere Lügnerin. Ich seufzte. »Ja, schon, okay. Ich dachte, ich hätte gesehen, wer er hätte sein können. Ich dachte, ich hätte den Krieger der Nyx gesehen«, gab ich ehrlich zu und fuhr fort: »Aber ich hab mich geirrt.«

»Das glaube ich nicht – wenigstens nicht ganz. Ich glaube, dass der Krieger trotz allem in ihm steckt. Immerhin hat er mir die Freiheit gewährt, meinen eigenen Weg zu wählen.«

»Aber er gibt dich ja nicht wirklich frei – er ist hier und ruft nach dir.«

»Vielleicht ruft er ja nach mir, weil er mich vermisst!«, schrie Rephaim und wischte sich noch einmal über das angespannte, schweißnasse Gesicht. Ruhiger fügte er hinzu: »Bitte, Zoey. Ich gebe dir meinen Eid, dass ich nicht zulassen werde, dass Vater dir etwas antut, genau wie ich niemals zulassen würde, dass er Stevie Rae etwas antäte. Bitte komm mit mir, damit du bezeugen kannst, dass ich mich von ihm abgewandt habe und niemand im House of Night meine Loyalität in Frage stellen kann.« Und dann sagte er das, was dazu führte, dass ich mich zur Königin von Idiotistan krönte. »Er hat mich noch nicht in menschlicher Gestalt gesehen. Vielleicht wird dieser Beweis von Nyx’ Gnade den Krieger in ihm wieder erwecken. Würde es Nyx nicht freuen, wenn du ihrem Krieger noch eine Chance gäbest?«

Ich sah ihn an und sah genau das, was Stevie Rae dazu gebracht haben musste, sich in ihn zu verlieben – einen echt süßen Jungen, der sich wünschte, dass sein Dad ihn liebte. »Mist noch mal«, sagte ich. »Na gut. Ich komm mit dir, vorausgesetzt, wir bleiben auf dem Campus. Und nur um dich zu warnen: Wenn ich mich erschrecke oder Angst kriege oder traurig bin, spürt Stark das und kommt mit seinem Bogen angerannt, mit dem er nichts verfehlen kann, worauf er schießt. Und eins sag ich dir: Er wird schießen. Ich werd ihn nicht daran hindern können.«

Rephaim packte mich am Arm und schleifte mich praktisch in Richtung Ostmauer. »Ich werde dich nicht in Gefahr bringen. Es wird nicht nötig sein, dass du so etwas fühlst.«

Mir lag eine Bemerkung über fliegende Schweine auf der Zunge, aber ich sparte mir den Atem und setzte mich in Trab, weil er es verdammt eilig hatte.

Es war so klar, wohin wir unterwegs waren. Es war nur logisch. »Der blöde Baum bei der blöden Mauer«, keuchte ich. »Mir gefällt das überhaupt nicht.«

»Der Ort ist leicht zugänglich, aber niemand verirrt sich je dorthin«, erwiderte Rephaim. »Deshalb ist er dort.«

»Das macht es aber nicht besser.«

Wir rannten über die Wiese. Ich blickte zurück. Von hier aus sah man die Gaslaternen vor den Stallungen, die sich in unsere Richtung erstreckten, und ich war drauf und dran, die Krone von Idiotistan abzulehnen und stattdessen Stark ein fettes mentales SOS zu schicken, da verlangsamte Rephaim abrupt und blieb gleich darauf stehen.

Ich lenkte meine Aufmerksamkeit wieder nach vorn. Vor dem zerborstenen Baum stand Kalona – mit dem Rücken zu uns. Später, als ich Zeit dazu hatte, wurde mir klar, dass er eigentlich zumindest in die Richtung hätte schauen müssen, aus der Rephaim kam, aber in diesem Moment blendete seine Präsenz alles andere aus – was ihm natürlich klar war. Groß und muskulös und wie üblich mit nacktem Oberkörper stand er da. Seine zusammengefalteten schwarzen Schwingen sahen aus wie etwas, was ein Gott aus Splittern des Nachthimmels erschaffen hatte.

Ich hatte ganz vergessen, wie herrlich und majestätisch und wunderschön er war. Dann biss ich die Zähne zusammen und schüttelte mich innerlich. Nein. Wie gefährlich er war, hatte ich nicht vergessen.

»Ich bin hier, Vater«, sagte Rephaim mit einer so dünnen, kindlichen Stimme, dass ich meine Hand über seine legte, mit der er noch meinen Arm gepackt hielt.

Kalona drehte sich um. Seine Bernsteinaugen weiteten sich. Einen Augenblick lang verlor sein Gesicht jeden Ausdruck, dann trat bodenloses Staunen auf seine Züge. »Rephaim? Bist das wahrlich du, mein Sohn?«

Ich spürte den Schauder, der Rephaim durchlief, und packte seine Hand fester.

»Ja, Vater.« Während er sprach, wurde seine Stimme sicherer. »Ich bin es, dein Sohn Rephaim.«

Ich weiß, wie oft der Unsterbliche Dinge vorgetäuscht hat. Ich weiß, er war mit der Finsternis verbündet und hat gemordet, gelogen und betrogen. Aber ich glaube, mein ganzes Leben lang werde ich nie Kalonas Gesichtsausdruck vergessen, als er Rephaim in dieser Nacht erblickte. Einen Moment lang lächelte er, und sein ganzes Wesen war von so unbedingter, reiner Freude erfüllt, dass meine Hand von Rephaim abglitt. Verblüfft stand ich da, starrte diesen glücklichen Kalona an und erkannte in seinen Zügen dieselbe Liebe wie die, mit der er Nyx in der Anderwelt angesehen hatte.

»Nyx hat mir vergeben«, sagte Rephaim.

Die Worte ließen Kalonas Freude schlagartig erlöschen. »Und daraufhin hat sie dir die Gestalt eines Menschenjungen verliehen?«, fragte er ausdruckslos.

Ich spürte Rephaim zögern und erkannte, dass er gleich genau das tun würde, was ich schon viel zu oft getan hatte: nämlich mit der ganzen Wahrheit auf einmal herausplatzen. Also kam ich ihm zuvor und lieferte schnell die Kurzversion der halben Antwort. »Oh ja, er ist jetzt ein Mensch und gehört zu uns.«

Kalonas bernsteinfarbener Blick richtete sich auf mich. »Gut siehst du aus, Zoey. Ich dachte, mein Sohn wäre der Gefährte der Roten. Teilt sie ihn mit dir?«

»Aber nein! So geht’s hier doch nicht zu! Er und ich sind Freunde, sonst nichts.« Und ich schob die Erinnerung an Kalonas Rührung bei Rephaims Anblick beiseite.Das ist der wahre Kalona, rief ich mir ins Gedächtnis. »Außerdem musst du dich nicht so assig benehmen. Du hast ihn zu dir gerufen, nicht anders herum.«

»Ja, ich habe ihn gerufen. Meinen Sohn, keine Jungvampyr-Hohepriesterin.«

»Ich bat sie, mit mir zu kommen«, warf Rephaim ein.

»Zoey und nicht die Rote? Warum? Wird die Rote deiner bereits müde?«

»Nein, und ihr Name ist Stevie Rae, nicht die Rote. Ich bin ihr Gefährte, und das werde ich auch bleiben.« Ich freute mich, dass die Mein-Daddy-der-Held-Ehrerbietung aus Rephaims Stimme geschwunden war. »Ich bin deinem Ruf gefolgt, um dir, genau wie schon Nisroc, zu sagen: Ich folge an Stevie Raes Seite dem Weg der Göttin. Das ist mein Wunsch. Das wird immer mein Wunsch bleiben.«

»Immer ist eine lange Zeit.«

»Ja, ich weiß. Ich habe einen großen Teil davon als dein Diener verbracht.«

»Du hast sie als mein Sohn verbracht!«

»Nein, Vater. Nicht in vollem Maße. Ich beginne zu verstehen, dass es einen entscheidenden Unterschied zwischen Finsternis und Licht gibt, und das ist die Fähigkeit zu lieben. In der Zeit, da ich dir zu Diensten war, herrschte zwischen uns Pflicht, Furcht und Unterwerfung, aber herzlich wenig Liebe.«

Ich dachte, Kalona würde explodieren, aber da sackten seine Schultern nach vorn, und er wandte die Augen ab, als könnte er Rephaims steten Blick nicht länger ertragen. »Vielleicht waren die Umstände nicht geeignet, einen guten Vater aus mir zu machen«, sagte er langsam. »Du warst die Frucht aus Wut, Verzweiflung und Begierde. Ich vermute, ich habe dies zur Grundlage unserer Beziehung gemacht.«

Ich konnte Rephaims Hoffnung spüren – sie strahlte förmlich durch seine Haut und seinen Tonfall auf mich über. »Aber das muss nicht für immer die Grundlage unserer Beziehung bleiben«, sagte er ebenso langsam. Völlig überrascht bemerkte ich, wie unglaublich ähnlich die beiden klangen. Ich warf einen verstohlenen Blick auf Rephaim und erkannte die Form seiner Augen, seines Mundes, seines Kiefers wieder. Mir war unbegreiflich, wie zum Henker ich es je hatte übersehen können. Kein Wunder, dass Rephaim so wahnsinnig gut aussah – er sah aus wie sein Dad!

»Du wünschst dir einen Neubeginn für unsere Beziehung, genau wie für dein eigenes Leben«, sagte Kalona.

Er hatte es nicht als Frage formuliert, aber Rephaim antwortete ihm dennoch. »Ja, Vater.«