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P.C. Cast und Kristin Cast - „Entfesselt“

House of Night Band 11

ISBN: 9-783-596-19885-6

 

Klappentext:

House of Night nähert sich seinem dramatischen Finale: der elfte und vorletzte Band der erfolgreichsten Vampyr-Serie aller Zeiten. DAS BÖSE LEBT! UND ES IST SO GEFÄHRLICH WIE NIE ZUVOR! Seit ihrem tiefen Fall ist Neferet vollkommen verändert. Getrieben von einem nie gekannten Durst nach Rache, setzt sie alles auf eine Karte: Sie will die Macht über das House of Night, sie will die Macht über die Menschen, sie will die Macht über das Böse! Jetzt wird nicht mehr verhandelt – jetzt herrscht Krieg! Können Zoey und ihre Freunde noch etwas gegen sie ausrichten?

 

Inhalt:

Neferet tötet am Tag der offenen Tür den Bürgermeister von Tulsa. Sie saugt ihn leer und verkriecht sich dann in einem Fuchsbau. Dort zieht ihr Leben quasi noch einmal an ihr vorbei.

Der Kreis von Zoey ist gezwungen, weiter im House of Night zu bleiben. Sie richten sich den Keller her. Nur Steve Rae bleibt auf ihrem Zimmer und wird von Dallas überfallen und fast umgebracht.

Zoey selber ist nicht mehr die Alte. Sie ist oft aufbrausend und hat sich nicht mehr im Griff. - Etwas geht in Tulsa vor, doch das Ende ist komplett offen.

 

Leseprobe:

… »Ich bin die erste Hohepriesterin der roten Vampyre«, sagte Stevie Rae. »Das ist auch nich normal. Wir gehören einfach zusammen.«

»Ich verstehe nicht, dass Sie plötzlich ein Problem damit haben, dass wir im Bahnhof wohnen«, sagte ich. »Bisher war das doch in Ordnung für Sie.«

»Ja, aber das war, bevor Neferet so weit getrieben wurde, deine Großmutter zu entführen und eine Jungvampyrin und einen Menschen zu töten und damit die Behörden auf euer House of Night aufmerksam zu machen«, sagte dasselbe Ratsmitglied.

Ich konnte kaum fassen, was ich hörte. »Das war doch nicht unsere Schuld!«

»Niemand beschuldigt euch«, lenkte Duantia schnell ein. »Wir versuchen nur, den vielen tragischen Ereignissen der letzten Zeit auf den Grund zu gehen.« Plötzlich richtete sie den Blick auf jemanden hinter uns. »Kalona, Ihr seid der einzige Unsterbliche hier. Wie ist Eure Meinung?«

Die Frage überraschte sichtlich uns alle. Thanatos rückte auf ihrem Stuhl zur Seite, und Aphrodite und ich ließen Kalona zwischen uns treten.

Er verneigte sich mit der Faust über dem Herzen, dann sagte er: »Ich sehe kein Problem darin, Zoey und ihre Freunde einschließlich meines Sohnes Rephaim im Bahnhof wohnen zu lassen. Sie werden von starken, verlässlichen Kriegern bewacht, und in den Tunneln sind sie sicher. Was die Morde angeht, besteht für mich kein Zweifel, dass das Wesen Neferet Gestalt angenommen und beide Tode verschuldet hat. Und es geht einfach über die Kräfte der Menschen, sie für ihre Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen.«

»Kalona, wegen des Eides, den Ihr Thanatos schwort, haben wir Euch in unsere Gemeinschaft aufgenommen, aber wir sind alle gespannt, wie Ihr eine bestimmte Frage beantworten werdet«, sagte Duantia.

Kalonas Schwingen raschelten, und seine Muskeln spannten sich an, aber seine Stimme verriet keine Regung. »Ich werde jede Frage beantworten, die Ihr mir zu stellen wünscht, Hohepriesterin.«

»Ihr habt zwar nie in vollem Wortlaut von Euch behauptet, der fleischgewordene Erebos zu sein, doch Neferet hat Euch uns so vorgestellt. Sie behauptete, Ihr habet ihr das durch geschickte Lügen eingeredet.«

»Jedoch habe ich mich niemals selbst als Erebos bezeichnet. Und hier stehe ich als eidgebundener Krieger eines Mitglieds Eures Rates, während Neferet Kinder und Menschen ermordet und ungeschoren davonkommt.«

»Ja, in der Tat ist dies eine interessante Wendung. Unsere Frage ist, wer seid Ihr?«

Alle, selbst Thanatos, blickten Kalona an. Würde er ihnen jetzt eröffnen, dass er Erebos’ Bruder war? Himmel nochmal!

»Ich war vieles – Gott, Geliebter, Zerstörer und Retter. Jetzt bin ich der eidgebundene Krieger des Todes. Und passenderweise ein Unsterblicher.«

Ich überlegte, ob ich einfach laut sagen sollte, dass er Erebos’ Bruder war, aber war er das wirklich? Ich war schon zu spät gekommen, was mich pflichtvergessen wirken ließ, und ihnen war vermutlich klar, dass ich stinksauer auf sie war. Es würde gar nicht gut kommen, wenn ich so was behauptete und Kalona überhaupt nichts dazu sagen würde. Oder noch schlimmer, es schlankweg abstreiten würde. Also hielt ich ausnahmsweise mal den Mund.

»Kalona, ich habe zu Nyx gebetet und sie angefleht, mir zu sagen, ob Ihr eine Gefahr für Thanatos oder das House of Night darstellt«, sagte Duantia.

»Und was hat die Göttin geantwortet?«, wollte er wissen.

»Nyx hat sich in Schweigen gehüllt.«

»Nun, das ist auch eine Antwort«, sagte Thanatos. Ich fand, sie klang gereizt. Sie und Duantia starrten sich ein paar Sekunden lang schweigend an, was damit endete, dass Duantia den Blick abwandte und ihren Hohen Rat ansah. »Priesterinnen, hat etwas von dem, was ihr heute hier gehört habt, eure Meinung darüber geändert, was Thanatos’ Bitte angeht, bei der Polizei von Tulsa zu intervenieren?«

Auf unheimliche Art wie aus einem Mund sagten alle fünf: »Nein.«

Duantia wandte sich wieder uns zu. »Dann ist das letzte Wort gesprochen. Was in Tulsa geschieht, hat bereits Unfrieden zwischen Menschen und Vampyren ebenso wie innerhalb des House of Night selbst gestiftet. Ein Teil von euch hat sich von der Gemeinschaft separiert, und aus den letzten Ereignissen wird deutlich, dass dieser Bruch der Vampyrgemeinschaft nicht guttut. Wir haben Neferet verstoßen. Sie liegt nicht mehr in unserer Verantwortung. Es ist nicht an uns, ihre Verbrechen zu ahnden.«

»Aber Neferet ist doch der Grund für all diese Probleme. Sie ist schuld an dem ganzen Mist – das müssen sowohl die Menschen als auch Sie einsehen.« Ich erstickte fast, weil ich mich im Zaum hielt, nicht zu brüllen.

»Sie ist unsterblich«, sagte Duantia. »Wie Kalona sagte, kann sie nicht durch die Menschen zur Rechenschaft gezogen werden.«

»Ihr erwartet von uns, dass wir sie zur Rechenschaft ziehen«, sagte Kalona.

»Exakt. Deshalb werden wir nicht bei den menschlichen Behörden intervenieren. Wir werden auch nicht länger dulden, dass sich eine Gruppe von Jungvampyren und Vampyren vom House of Night abspaltet.«

»Sgiach ist eine Vampyrhohepriesterin und hat sich schon vor Jahrhunderten von Ihnen abgespalten, das dulden Sie doch auch«, versuchte ich zu argumentieren.

»Sgiach schürt keine Unruhe zwischen Menschen und Vampyren. Sgiach kommt nicht zu uns und bittet uns um Hilfe.«

»Wissen Sie was? Ich kann total verstehen, warum sie sich auf einer magisch geschützten Insel verschanzt und nichts mit Ihnen zu tun haben will.«

»Vielleicht ist es an der Zeit, dass auch Tulsa zur Insel wird.« Thanatos klang grimmig und machterfüllt. »Ich trete mit sofortiger Wirkung von meinem Amt im Hohen Rat zurück.«

Duantia stand auf. Die anderen Ratsmitglieder sahen teils total erschüttert, teils maßlos beleidigt aus. »Thanatos, du kannst doch nicht mitsamt deinem House of Night mit dem Hohen Rat brechen!«

»Ich beabsichtige, mich an die Umstände anzupassen und neue Wege zu suchen. Ich beabsichtige, weiterhin Hohepriesterin des House of Night von Tulsa zu bleiben und diese beiden außergewöhnlichen Hohepriesterinnen und diese Prophetin in ihrem Wunsch zu unterstützen, eine eigene Zuflucht zu gründen. Und nicht zuletzt beabsichtige ich, Neferet zur Strecke zu bringen, ohne den menschlichen Behörden Zugang zu unserem House of Night zu gewähren.«

»Aber das ist nicht –« …