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Arno Strobel - „Im Kopf des Mörders – Tiefe Narbe“

ISBN: 9-783-596-29616-3

 

Klappentext:

Extrem packend, extrem verstörend, extrem intensiv: Bestseller-Autor Arno Strobel jetzt in Serie»Im Kopf des Mörders – Tiefe Narbe« ist der Auftakt einer spannenden Thriller-Trilogie um Oberkommissar Max Bischoff in DüsseldorfMax Bischoff, Oberkommissar, Anfang dreißig, ist der Neue bei der Düsseldorfer Mordkommission. Er ist hoch motiviert und schwört auf moderne Ermittlungsmethoden, was nicht immer auf Gegenliebe bei den Kollegen stößt. Sein erster Fall beim KK11 hat es in sich. Auf dem Polizeipräsidium taucht eines Morgens ein Mann auf, der völlig verstört und von oben bis unten mit Blut besudelt ist. Er weiß weder, was in der Nacht zuvor geschehen ist, noch hat er eine Erklärung für das Blut auf seiner Kleidung. Wie sich bald herausstellt, stammt es nicht von ihm selbst, sondern von einer Frau. Einer Frau, die vor über zwei Jahren spurlos verschwand. Die für tot gehalten wird. War sie all die Zeit über noch am Leben und ist erst vor kurzem getötet worden? Und was hat der Mann mit der Sache zu tun? Ist er Täter oder Opfer?Als kurz darauf eine Leiche am Rheinufer gefunden wird, verstricken Max Bischoff und sein Partner Horst Böhmer sich immer tiefer im Dickicht der Ermittlungen, um einen Fall zu lösen, in dem lange nichts zusammenzupassen scheint … Ein echter »Strobel« mit einer gewohnt starken psychologischen Komponente und dem toughen jungen Ermittler Max Bischoff, der sich in einem Fall beweisen muss, der ihn vor die größte Herausforderung seiner bisherigen Karriere stellt.

 

Inhalt:

Auf dem Polizeipräsidium taucht ein Mann auf, der vollkommen mit Blut besudelt ist. Das Blut stammt von einer seit zwei Jahren vermissten Schauspielerin.

Die Polizei stößt später auf eine übel zugerichtete Frauenleiche. Auch eine Schauspielerin.

Spätestens die dritte Frauenleiche macht die Taten zu einer Mordserie.

Doch auch ein Polizeibeamter ist nur ein Mensch. Max verliebt sich in eine junge Schauspielerin. Nach einer gefühlten Ewigkeit kann er sich endlich einmal wieder auf eine Frau einlassen und die verschwindet auch über Nacht vom Erdboden.

Die Ermittlungen werden zu einem Wettlauf gegen die Zeit, bei dem nur die Gerechtigkeit siegen kann.

 

Leseprobe:

… Schäfer blickte zur Decke. »O Gott, was tue ich hier?« Sie zögerte, gab sich dann aber einen Ruck. »Es war bei mir zu Hause. Wir haben uns immer nur bei mir getroffen, weil … Sie wissen schon. Er hat seiner Frau gesagt, er sei zwei Tage auf Geschäftsreise. Weggehen konnten wir nicht, das wäre zu gefährlich gewesen, also habe ich gekocht. Harry hatte beim Essen schon sehr viel Wein getrunken. Danach fing er dann mit Wodka an. Jedenfalls war er irgendwann ziemlich betrunken und wollt … na ja, er wollte Sex. Ich habe ihm gesagt, dass das in seinem Zustand keinen Sinn macht und er besser seinen Rausch ausschlafen solle. Er hat aber nicht aufgehört, nach mir zu grabschen und mir plump zwischen die Beine zu fassen. Ich fand das alles andere als erregend und habe ihm noch mal deutlich gesagt, er solle das lassen.«

Sie verstummte für einen Moment. »Da wurde er böse. Er hat mich beschimpft und sich auf mich geworfen. Er wollte mir das Kleid ausziehen und hat es dabei zerrissen. Ich habe ihn angeschrien, er solle sofort aufhören, aber er machte immer weiter. So lange, bis ich ihm ins Gesicht geschlagen habe. Das hat ihn dann wohl zur Vernunft gebracht. Am nächsten Tag hatte ich überall blaue Flecke.«

»Das nennt man sexuelle Gewalt«, erklärte Böhmer. »Sie hätten ihn anzeigen können.«

»Ja, das habe ich aber nicht. Ich habe ihn am nächsten Morgen nach Hause geschickt und ihm gesagt, er solle sich nie wieder blicken lassen.«

»Wie hat er sich danach verhalten?«, wollte Max wissen.

»Er hat sich bei mir entschuldigt. Ich glaube, er hat sich geschämt. Es hat eine Weile gedauert, aber mittlerweile gehen wir wieder ganz normal miteinander um. Ich möchte ihm nur nicht mehr zu nahe kommen. Ich fühle mich einfach nicht mehr wohl in seiner Nähe.«

Das wunderte Max nicht.

Etwa fünf Minuten später verabschiedeten sie sich von Lara Schäfer und machten sich auf den Weg Richtung Ausgang. Sie hatten die Tür fast erreicht, als sie geöffnet wurde und Patrick Matuschka vor ihnen stand.

»Guten Tag«, begrüßte er sie freundlich, aber sichtlich überrascht, sie zu treffen.

»Was tun Sie denn am Samstag hier?«, erkundigte sich Böhmer. »Steuern Sie Fotos für die Sonntagsausgabe bei?«

Ein Lächeln legte sich auf Matuschkas Gesicht. »Nein, nein, dazu müsste ich nicht in der Redaktion erscheinen. So was läuft heute online. Lanz hat mich herbeordert für ein Briefing. Morgen findet ein Parteitag statt, von dem er Fotos haben möchte.«

»Sagen Sie, haben Sie Petra Zedermann gekannt?«

Das Grinsen verschwand zwar aus Matuschkas Gesicht, aber echte Trauer war nicht zu erkennen.

»Nein. Also nicht persönlich. Ich bin ihr sicher mal begegnet, aber ich kannte sie nicht. Trotzdem finde ich es furchtbar. Ich weiß, es ist naiv, aber … irgendwie denkt man doch immer, so etwas passiert nur woanders. Nie im eigenen Umfeld, oder?«

»Nein«, entgegnete Böhmer. »So denken wir bei der Mordkommission nicht.«

»Ja, stimmt, bei Ihnen …« Man sah dem Fotografen an, dass ihm diese Bemerkung peinlich war.

»Ich habe noch eine Frage zu Ihrer Bilddatenbank«, warf Max ein, um Matuschka zu erlösen. »Sie haben beim letzten Mal nach Miriam Winkel und Harry Passeck gesucht, nicht wahr? Also nach Fotos, auf denen beide abgebildet sind.«

»Ehm … ja, aber das wollten Sie doch so.«

»Ja, ja, das ist richtig. Aber würden Sie uns den Gefallen tun und eine neue Suche nur nach Miriam Winkel starten? Datiert auf die letzten vier Wochen vor ihrem Verschwinden?«

Matuschka nickte. »Ja natürlich, das ist überhaupt kein Problem.«

»Wie lange dauert das ungefähr?«

»Ich habe jetzt etwa eine halbe Stunde hier zu tun, dann mache ich mich auf den Rückweg. Die Suche ist  in zehn Minuten durch. Ich stelle die Fotos auf meinen Webspace und schicke Ihnen … sagen wir spätestens in zwei Stunden … einen Link. Ich brauche nur Ihre Mailadresse.«

»Das ist prima, vielen Dank.« Max sah auffordernd zu Böhmer. Seine neuen Visitenkarten waren noch immer nicht fertig, nachdem man es auf dem ersten Entwurf geschafft hatte, seinen Nachnamen falsch zu schreiben.

Böhmer fingerte in einer Innentasche seines Sakkos herum und zog schließlich eine Visitenkarte heraus, die er Matuschka reichte.

 

»Die war ja ziemlich präsent«, stellte Böhmer knappe zwei Stunden später erstaunt fest, während sich die Seite mit den dia-artigen Vorschaubildern aufbaute, zu der Matuschkas Link sie geführt hatte. Max stand hinter Böhmer und schaute ihm über die Schulter.

Die Thumbnail genannten Minibilder waren zu klein, um Einzelheiten darauf erkennen zu können. Es blieb ihnen also nichts anderes übrig, als sie einzeln anzuklicken, um sie in Originalgröße betrachten zu können.

Auf den ersten Fotos waren die für Promifeste typischen Szenen zu sehen. Menschen in edlen Roben, Anzügen oder Smokings, die in Gruppen zusammenstanden, lachten und gut aussahen, die meisten mit einem Glas in der Hand. Auf allen Fotos war Miriam Winkel abgebildet – mal im Vordergrund, mal irgendwo in der Menge, ab und zu auch allein.

Foto um Foto. Max fiel auf, dass es viele Aufnahmen gab, in denen die Schauspielerin mit Männern zusammenstand, und dass es in auffallend vielen dieser Szenen so aussah, als hätte der Fotograf sie bei einem kleinen Flirt ertappt.

Sie hatten sicher schon über fünfzig Fotos durchgesehen, als Böhmer sagte: »Na, sieh mal einer an.«

Die Aufnahme zeigte Miriam Winkel mit einem gutaussehenden Mann, dem sie verträumt lächelnd tief in die Augen schaute. Eine Szene, die sie mittlerweile öfter gesehen hatten. Was Böhmer aber zu seiner Bemerkung veranlasst hatte, war Winkels Freund Andreas Maier, der, mit einer Bierflasche in der Hand, schräg hinter den beiden stand und sie mit wütendem, fast schon hasserfülltem Blick anstarrte.

»Da scheint aber jemand sauer gewesen zu sein.« Max beugte sich vor, um besser sehen zu können. »Kennst du den Mann, mit dem sie da zusammensteht?«

»Nein, aber sie scheint ihn ganz gut gekannt zu haben. Sie scheint überhaupt gerne geflirtet zu haben. Ob Passeck das gewusst hat?«

Die Frage war Max auch gerade durch den Kopf gegangen. Und noch eine weitere, nämlich, wie die ermordete Petra Zedermann in dieses Puzzle passte. Hatten die beiden Fälle überhaupt etwas miteinander zu tun? …