ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Michael Wolff – "Feuer und Zorn im weißen Haus von Donald Trump"

ISBN: 9-783-498-09465-2

 

Klappentext:

Der Kandidat und seine führenden Berater glaubten, sie könnten die Vorteile eine beinahe errungen Präsidentschaft genießen, ohne ihr Benehmen oder ihre Weltsicht auch nur ein bisschen zu ändern: Wir brauchen nichts anderes sein als das, was wir sind, denn natürlich werden wir nicht gewinnen."

 

Der Journalist Michael Wolff beschreibt aus nächster Nähe die ersten turbulenten Monate im weißen Haus unter Donald Trump: im Mittelpunkt ein Präsident, den seine Mitarbeiter wie ein kleines Kind behandeln und der umgeben ist von Inkompetenz, Intrigen und Verrat. Wolffs amerikanischer Bestseller ist fesselnde Zeitgeschichtle – und liest sich wein ein Königsdrama von Shakespeare.

 

Inhalt:

Wie der Titel schon sagt, geht es um keinen Geringeren als Mr. Präsident Donald Trump. Der Autor berichtet ziemlich detailreich aus den ersten einhundert Tagen im Amt.

Oftmals liest man komplette Wortwechsel, der Leser erhält Einblicke in die Strukturen vom weißen Haus und wie Donald Trump reagiert, wenn gerade keine "Wähler" das sehen können.

Eine Story, wie sie das Leben schreibt, wenn zu Geld auch noch Macht kommt.

 

Leseprobe:

... Kaum weniger als der Wahlsieg selbst war die Ablösung, ja Demütigung von Ryan Symbol für das, was Bannon zu erreichen suchte; zugleich gipfelte darin die geistige Verschmelzung von Bannonismus und Trumpismus. Von Anfang an war der Breitbart-Feldzug gegen Paul Ryan zentraler Bestandteil des Feldzuges für Donald Trump. Dass die Website sich für Trump ins Zeug legte und dass Bannon sich vierzehn Monate nach Beginn des Wahlkampfes persönlich darin engagierte, lag auch daran, dass Trump jede politische Vernunft in den Wind schlug und bereit war, einen Angriff gegen Ryan und die Granden der Republikanischen Partei anzuführen. Trotzdem unterschied sich die Art, wie Breitbart Ryan sah, von der Art, wie Trump ihn sah.

Für Breitbart waren die Rebellion und der wandle im Repräsentantenhaus, die den früheren Sprecher John Boehner aus dem Amt getrieben hatten und erkennbar darauf abzielten, das Repräsentantenhaus zum Zentrum des neuen radikalen unterbrochen worden. Ryan war mit Romneys Kandidat für die Vizepräsidentschaft gewesen, jemand, der konservatives fiskalisches Strebertum – er war Vorsitzender nicht nur des Finanz- und Steuerausschusses, sondern auch des Haushaltsausschusses gewesen – mit einer altmodischen Vorstellung vom rechtschaffenen Republikanertum verband. Die offiziell letzte, größte Hoffnung der Republikanischen Partei. (Typischerweise hatten Bannon dafür gesorgt, dass folgendes Bonmot zum offiziellen trumpistischen Schlagwort wurde: «Ryan ist in einer Petrischale der Heritage Foundation herangezüchtet worden.» Das Kind eines konservativen Thinktanks.) Wenn die Republikakanische Partei durch die Rebellion der Tea-Party-Bewegung weiter nach rechts gerückt war, so gehörte Ryan zum stabilisierenden Ballast, der einen weiteren Rechtsruck erschwerte. Er stand für die erwachsene Zuverlässigkeit eines älteren Bruders im Gegensatz zur hibbeligen Tea Party – und eines stoischen, fast schon märtyrerhaften Widerstand gegen die Trump-Bewegung.

Während das Establishment der Republikanischen Partei Ryan zu einem solchen Ausbund an Reife und Klugheit stilisiert hatte, denunzierte der Tea-Party-Bannon-Breitbart-Flügel mit einer Diffamierungskampagne Ryan als strategisch unfähig und der großen Sache nur halbherzig ergeben. Ryan, so die Rechten um Bannon, war der Inbegriff der wandelnden Bügelfalte, ein wieherndes Gelächter hervorrufender Witz, eine peinliche Gestalt.

Trumps Abneigung gegen Ryan war deutlich weniger inhaltlich begründet. Zu Ryans politischen Fähigkeiten hatte er keine Meinung, und Ryans inhaltlichen Positionen hatte er keine größere Beachtung geschenkt. Er nahm das Ganze persönlich. Ryan hatte ihn gekränkt – und das immer wieder. Ryan hatte im Wahlkampf unentwegt gegen ihn gewettet. Ryan war geradezu zum Sinnbild der Abscheu und der Fassungslosigkeit geworden, die das Establishment der Republikanischen Partei gegenüber Trump empfand. Und was das Ganze noch schlimmer machte, Ryan hatte durch die Ablehnung Trumps sogar an moralischer Statur gewonnen (und wie üblich empfand Trump den Gewinn eine anderen auf seine Kosten als doppelte Kränkung). Im Frühjahr 2016 war Ryan die einzige, die letzte Alternative zum Präsidentschaftskandidaten Trump. Man brauchte es nur auszusprechen, glaubten viele Republikaner, und der Parteitag würde mit fliegenden Fahnen zu Ryan überlaufen. Aber Ryans vermeintlich schlaueres Kalkül bestand darin, Trump die Nominierung gewinnen zu lassen und sich der Partei dann, nach Trumps historischer Niederlage und der damit verbundenen Ausschaltung des Tea-Party-Trump-Breitbart-Flügels, als die naheliegende Führungsfigur zu präsentieren.

Stattdessen vernichtete die Wahl Paul Ryan, jedenfalls in Steve Bannons Augen. Trump hatte die Republikanische Partei nicht nur gerettet, sondern ihr auch eine gewaltige Mehrheit verschafft. Bannons Traum war komplett wahr geworden. Die Tea-Party-Bewegung, mit Trump als markantem Gesicht und ebensolcher Stimme, war an die Macht gelangt – hatte so etwas wie die totale Macht. Sie hatte die Republikanische Partei in Besitz genommen. Paul Ryan in aller Öffentlichkeit zu demontieren, war der naheliegende und erforderliche Schritt.

Aber in der Kluft zwischen Bannons inhaltlich begründeter Verachtung für Ryan und Trumps persönlichem Groll konnte vieles untergehen. Während Ryan in Bannons Augen nicht gewillt und nicht fähig war, die neue Bannon-Trump-Agenda umzusetzen, sah Trump den gezüchtigten Ryan mit eine Mal als zufriedenstellend demütig, unterwürfig und nützlich. Bannon wollte das Republikaner-Establischment loswerden; Trump war vollkommen zufrieden damit, dass es sich ihm nun zu beugen schien.

«Er ist ein ziemlich schlauer Kerl», sagte Trump nach seinem ersten Gespräch als gewählter Präsident mit Ryan, «ein sehr seriöser Mann. Von allen geachtet.»

Ryan, der laut einem ranghohen Trump-Berater «einen nur schwer erträglichen, geradezu filmreifen Rad von Schmeichelei und Speichelleckerei» an den Tag legte, konnte seine Hinrichtung aufschieben. Während Bannon sich für Meadows starkmachte – der erheblich weniger nachgiebig war als Ryan -, eierte Trump herum und entschied schließlich, dass er nicht nur nicht auf Ryans Rausschmiss bestehen, sondern das Ryan sein Mann, sein Partner sein werde. Dass Trump nun Ryans Agenda eifrig unterstützte, zeigt beispielhaft, wie merkwürdig und unvorhersehbar sich die persönliche Chemie auf Trump auswirkte  wie leicht kann es sein, den Schlaumeier über den Tisch zu ziehen.

«Dass der Präsident ihm Carte blanche geben würde, damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet», meinte Katie Walsh, «das miserable Verhältnis zwischen dem Präsidenten und Paul während des Wahlkampfes hat sich hinterher zu einer Romanze entwickelt, wo der Präsident alles mitmachte, was Paul wollte.»

Es überraschte Bannon nicht unbedingt, dass Trump seine Meinung plötzlich geändert hatte; Bannon wusste, wie leicht es war, einen Quatschkopf zu bequatschen. Und noch eines war ihm klar: Die Wiederannäherung an Ryan hatte damit zu tun, dass Trump offenbar erkannt hatte, wo er stand. Es war nicht bloß so, dass Ryan bereit gewesen war, sich Trump zu beugen, sondern Trump war auch bereit, sich seinen eigenen Ängsten zu beugen, die damit zu tun hatten, wie wenig er eigentlich darüber wusste, was es hieß, Präsident zu sein. Wenn man sich darauf verlassen konnte, dass Ryan mit dem Kongress fertig wurde, dachte der Präsident, dann hatte man schon mal eine Sorge weniger. ....