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Wolfgang und Heike Hohlbin - „Gralszauber“

Die Legende von Camelot 1

ISBN:9-783-800-02661-6

 

Klappentext:

Als der Küchenjunge Dulac in einem See eine alte Rüstung und ein Schwert findet, ändert sich sein Lebenschlagartig. Das Abbild des Grals auf dem Schild verwandelt den Jungen in einen tapferen Helden. Als Silberner Ritter Lancelot zieht er an der Seite König Artus und seiner Tafelritter in den Kampf gegen den finsteren Mordred.

 

Inhalt:

Dulac lebt in einem Gasthaus. Der Wirt hat ihn als Baby aufgenommen, als er am Ufer eines Sees gefunden wurde. Er arbeitet auf Camelot als Küchenjunge und träumt den Traum, eines Tages selber ein großer Ritter zu sein.

Eines Tage findet Dulac, ausgerechnet in einem See, eine silberne Rüstung. Als er sie anlegt, scheint er ein anderer Mensch zu sein. Er reitet auf einem Einhorn, was einstweilen sehr blutrünstig zu sein scheint.

Doch Camelot stehen schwere Zeiten bevor. Artus gewährt einem Paar Unterschlupf, was ihm Angriffe einer feindlichen Armee einbringt.

Dulac kämpft seinen eigenen Kampf. Von der Rüstung geht eine seltsame Macht aus, von der er sich nicht komplett einnehmen lassen will.

 

Leseprobe:

… »Der Junge sagt, Ihr wäret schwer krank!«, fügte Galahad hinzu. Hinter den beiden wurden weitere, polternde Schritte laut. Scheinbar hatte Evan das halbe Schloss alarmiert.

Dagda hustete trocken, ehe er antwortete. »Der Junge hat vielleicht ein wenig übertrieben«, sagte er.

Artus schoss einen ärgerlichen Blick in Dulacs Richtung ab und Dagda fuhr mit einer besänftigenden Geste fort: »Das dürft Ihr ihm nicht verübeln. Ich habe Fieber und habe wohl im Schlaf gesprochen. Er war in Sorge um mich.«

»Es war richtig, dass du uns alarmiert hast«, sagte Galahad, bevor Artus noch das Wort ergreifen konnte. Mit wenigen raschen Schritten war er bei Dagda, legte ihm die Hand auf die Stirn und schien einen Moment lang in sich hineinzulauschen.

»Ein wenig Fieber? Ihr glüht, Dagda. Ihr seid schwer krank!«

»Unsinn«, widersprach Dagda hustend. Er versuchte Galahads Hand zur Seite zu schieben, aber seine Kraft reichte nicht.

»Vielleicht sollten wir nach einem Arzt schicken«, schlug Evan vor. Er war hinter Galahad hereingekommen und sah aus wie jemand, der sich weit, weit weg wünschte.

»Dagda ist der Arzt hier auf Camelot«, sagte Artus. Er dachte einen Moment nach. »Galahad, bringt ihn in den Thronsaal. Dort ist es zumindest wärmer als hier. Und du, Junge –«, er drehte sich zu Dulac herum, »– machst Feuer unter dem Herd und kochst eine heiße Suppe für Dagda. Nimm nur die allerbesten Zutaten. Dagda muss wieder zu Kräften kommen.«

»Ich … ich kann nicht kochen, Herr«, antwortete Dulac.

»Dann wird es Zeit, dass du es lernst«, sagte Artus. Mit einem schrägen Seitenblick auf Dagda fügte er hinzu: »Schlimmer als seine Kochkünste können die deinen wohl kaum sein.«

»Das habe ich gehört«, sagte Dagda.

Das Licht der Sonne, das durch die hohen Fenster in den Thronsaal fiel, enthüllte einen für diese Stunde ungewohnten Anblick. Im Kamin brannte ein prasselndes Feuer, obwohl es bereits warm war, und nahezu alle Ritter hatten an der Tafel Platz genommen, sodass Dulac und Evan, der kurzerhand dienstverpflichtet worden war, kaum damit nachkamen, die Becher mit Wein und Bier zu füllen. Daran, etwa ein Frühstück aufzutragen, war gar nicht zu denken. Dabei hielten sich längst nicht alle Ritter der Tafel auf Camelot auf. Es geschah so gut wie nie, dass alle sechsundfünfzig Tafelritter gleichzeitig in der Burg weilten.

Heute waren es immerhin an die vierzig Gäste, die an Artus’ Tafel Platz genommen hatten, ihn selbst, Uther und Gwinneth mitgerechnet. Dagda saß auf einem Stuhl direkt am Kamin. Trotz der brütenden Hitze, die die Flammen verströmten, hatte er sich zusätzlich in eine Decke gehüllt und zitterte am ganzen Leib. Er sah aus wie das sprichwörtliche Häufchen Elend.

Evan fuhr sich mit dem Handrücken über die Stirn um den Schweiß fortzuwischen und stieß hörbar die Luft zwischen den Zähnen aus.

»Puuuuh«, machte er und verdrehte die Augen. »Ich hatte ja keine Ahnung, dass du so schwer arbeiten musst.«

»Ich auch nicht«, antwortete Dulac.

Evan sah ihn irritiert an, verkniff sich aber eine Antwort und ergriff stattdessen den Bierkrug, als einer der Tafelritter in seine Richtung sah und die Hand hob. Dulac und er hatten sich in einen Winkel des weitläufigen Saales zurückgezogen, damit es nicht so aussah, als ob sie die Ritter bei ihrem Gespräch belauschten. Natürlich verstanden sie trotzdem jedes Wort, denn Artus und seine Ritter sprachen nicht nur laut genug, der Thronsaal hatte auch eine ausgezeichnete Akustik. Aber so waren eben die komplizierten Regeln der Etikette.

Dulac hatte jedoch noch einen anderen Grund, sich möglichst unauffällig zu verhalten. Dieser Grund hieß Gwinneth, saß auf dem Stuhl direkt neben Uther und Artus und trug ein schlichtes Kleid in königlichem Blau, und obwohl ihr Gesicht verschleiert war, glaubte Dulac ihre Blicke manchmal wie die Berührung einer unsichtbaren Hand zu spüren. Sein Herz klopfte, wenn er nur in ihre Richtung sah, und als er ihr vorhin eingeschenkt hatte, hatten seine Hände so sehr gezittert, dass er den Wein um ein Haar verschüttet hätte. Er scheute davor zurück, auch nur in ihre Nähe zu kommen. Artus musste schon blind sein um nicht zu bemerken, dass Gwinneth für ihn mehr war als nur ein weiterer adeliger Gast auf Camelot.

Nachdem Evan eingeschenkt hatte, musste er – zum ungefähr fünfundzwanzigsten Mal – die Geschichte erzählen, wie er auf den Silbernen Ritter gestoßen war. Aller Aufmerksamkeit hing auch diesmal an seinen Lippen, nur Gwinneth nutzte die Gelegenheit, in Dulacs Richtung zu sehen.

Dulac hätte sich gewünscht, dass sie es nicht getan hätte. Warum quälte sie ihn so? Seit er sie das erste Mal gesehen hatte, war sie beinahe alles, woran er noch denken konnte, aber ihm war auch klar, dass sie auf ewig unerreichbar für ihn bleiben musste. Beinahe wünschte er sich, sie niemals getroffen zu haben.

Dagda zog die Hand unter der Decke hervor und winkte in seine Richtung und Dulac schulterte rasch seinen Krug und eilte zu ihm – wobei er einen vollkommen übertriebenen Bogen um die Tafel schlug.

»Gib mir einen Schluck Wasser«, bat Dagda.

»Dann muss ich –«, begann Dulac, doch Dagda unterbrach ihn sofort mit einer müden, aber dennoch befehlenden Geste.

»Wein wird es auch tun«, sagte er.

Dulac schenkte ihm ein, aber Dagda trank nur einen winzigen Schluck, gerade genug, um seine Lippen zu befeuchten. Als Dulac sich umwenden wollte, deutete er mit den Augen ein Kopfschütteln an. »Bleib.«

Dulac setzte den Krug wieder ab und wich auf die andere Seite des Stuhles zurück. Die Hitze, die das Kaminfeuer ausstrahlte, war nahezu unerträglich. Dennoch konnte er hören, wie Dagda mit den Zähnen klapperte. …