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Wolfang und Heike Hohlbein - „Runenschild“

Die Legende von Camelot 3

ISBN: 9-783-570-40006-7

 

Klappentext:

Morgaine, die Schwarze Fee, will König Artus vom Thron stürzen. Dabei sollen ihr die Dunkelelben von Mordred helfen. Während ganz Britannien in einem Strudel von Gewalt zu versinken droht, sind Lancelot und Gwinneth auf der Flucht vor Artus. Sie versuchen sich zur Küstenfestung Tintagel durchzuschlagen, aber dort erwartet sie der unheilvolle Angriff finsterer Mächte.

 

lassische High-Fantasy at its best: ein grandioses Abenteuer rund um Elben, Ritter und dunkle Mächte.

 

Inhalt:

Dulac alias Lancelot und Gwineth sind auf der Flucht vor Arthus. Dabei geraten sie in einen eisigen Sturm, vor dem sie in einer Wirtschaft Schutz suchen. Bei einem Brand des Wirtshauses kann Dulac dem Pferd eines anderen Gastes, das Leben retten. Dabei erleidet er schlimme Verbrennungen. Diese heilen aber unnatürlich schnell. Dulac und Gwineth müssen aufpassen, dass ihr Geheimnis gewahrt bleibt.

Auf der Burg von Gwinth`s verstorbenem Mann lassen sie sich häuslich nieder. Dort stoßen sie aufs Merlins geheime Höhle und auf das Geheimnis ihrer Herkunft.

Doch auch Artus gibt nicht auf und so kommt es zur entscheidenden Schlacht.

 

Leseprobe:

… Dulac warf einen gehetzten Blick zu der Tür, durch die der Wirt hereingekommen war. Er glaubte Schatten dahinter zu erkennen, aber wie durch ein Wunder tauchten dort noch keine Angreifer auf, und wie durch ein zweites, noch viel größeres Wunder gelang es den irischen Söldnern immer noch, dem Ansturm der Pikten standzuhalten. Hastig lehnte er den Runenschild gegen die Wand, drückte Gwinneth das Ritterschwert in beide Hände und war mit einem Satz bei dem Stuhl auf der anderen Seite des Kamins. Fast verzweifelt riss er Teile der Rüstung an sich, wider besseres Wissen, denn die ihm verbleibende Zeit würde niemals ausreichen, um den kompletten Panzer anzulegen …

… und im nächsten Augenblick trug er die Rüstung.

Für einen winzigen Moment erstarrte Dulac. Seit jenem schicksalhaften Tag vor zwei Jahren, als er die Rüstung in einem kleinen See gefunden hatte, hatte er sich niemals gefragt, woher er eigentlich die Fertigkeit besaß, den eisernen Waffenrock anzulegen – etwas, das nicht annähernd so einfach war, wie man glauben mochte. Und es war immer schnellgegangen. Das hier aber war wie Zauberei!

Und mehr noch: Nicht wie, eindeutig durch Zauberei trug er nicht nur die silberne Rüstung, sondern auch das vertraute Gewicht des Runenschildes hing an seinem linken Arm, und als er auf seine rechte Hand herabsah, war sie nicht mehr leer, nun hielt sie ein Schwert. Aber es aber nicht die beidseitig geschliffene Waffe, die er Gwinneth gegeben hatte.

Es war das Runenschwert. Der dunkle Bruder Excaliburs. Und es war mächtig und verlockend wie eh und je. Dulac spürte die Kraft, die ihn plötzlich durchströmte. Die unwiderstehliche Entschlossenheit, den Feind zu stellen und zu schlagen, und die summende Gier, unter der der silberfarbene Stahl in seiner Hand vibrierte und ihn mit aller Macht dazu bringen wollte, unter die Pikten zu fahren und den Blutdurst des Schwertes zu stillen. Er wusste, dass er es gekonnt hätte. Sowohl die Rüstung als auch das Schwert machten ihn weder unbesiegbar noch unverletzlich, aber sie verliehen ihm die Kraft, die Erfahrung und das Wissen all derer, die sie vor ihm getragen hatten.

Und die dieses Schwert letztendlich vernichtet hatte.

»Lancelot! Nein!«, keuchte Gwinneth.

Langsam, wie gegen eine unsichtbare aber fast unzerreißbare Kette ankämpfend, drehte sich Lancelot um und sah sie an. Gwinneths Gesicht war totenbleich. Die Angst in ihren Augen loderte heller. Sie wusste, was geschehen würde, wenn er dieses Schwert auch nur noch ein einziges Mal benutzte. »Nein«, flehte sie noch einmal.

Lancelot wandte sich wieder dem Kampfgeschehen zu. Sean und die anderen Iren hielten immer noch stand, aber ihre Kräfte erlahmten jetzt zusehends. Sie alle bluteten aus zahlreichen, mehr oder minder tiefen Wunden, und Seans ohnehin verletzter Onkel hatte sich gegen einen Tisch gelehnt, um überhaupt noch stehen zu können, und führte sein Schwert mit beiden Händen. Seine Hiebe waren kraftvoll, aber langsam.

Ihm blieben noch Augenblicke, sich zu entscheiden.

Lancelot machte einen Schritt und hob das Schwert und tief in seinen Gedanken konnte er spüren, wie der dunkle Geist der Klinge triumphierend aufschrie. Es wäre so leicht. Er musste diesem Drang nur nachgeben und er würde Gwinneth retten, sich retten und auch Sean und seine Brüder. Aber zugleich ahnte er, welchen Preis er dafür würde zahlen müssen. So wie ihn die silberne Rüstung langsam und schleichend von Dulac, dem Küchenjungen, zu Lancelot du Lac, dem unbesiegbarsten aller Ritter gemacht hatte, so würde ihn dieses Schwert vom Menschen zu etwas anderem machen, wenn er die Klinge auch nur noch ein einziges Mal in Blut tauchte. Er wusste nicht woher, aber er spürte ganz instinktiv, dass das Schicksal, das ihn erwartete, schlimmer sein würde als der Tod.

Stöhnend, zitternd, machte Dulac einen weiteren Schritt. Das Schwert hob sich ohne sein Zutun, schien wie die gespaltene Zunge einer Schlange in Richtung seiner Feinde zu zucken. Es war nicht nur leicht, er musste es tun. Gleich ob Sean und die anderen nur auf eine königliche Belohnung aus gewesen waren – sie hatten ihnen das Leben gerettet, und er konnte es ihnen nicht danken, indem er tatenlos zusah, wie sie erschlagen wurden.

Lancelot schloss die Augen, ergriff das Schwert mit beiden Händen – und schleuderte es in hohem Bogen von sich. Im nächsten Augenblick war er neben Gwinneth, riss ihr das Ritterschwert aus der Hand und stürzte vor.

Plötzlich hatte er das Gefühl, wieder frei atmen zu können. Er hatte immer noch Angst, er sah immer noch Seans und der anderen schmerzverzerrte Gesichter, hörte ihre Schreie und sah ihr Blut, und der Anblick erfüllte ihn immer noch mit rasendem Zorn, aber der absolute, fast sinnlose Wille, zu vernichten und zu zerstören, mit dem ihn das Runenschwert erfüllt hatte, war erloschen. Er war jetzt wieder Ritter Lancelot, aber er war auch nur noch Ritter Lancelot, nicht mehr dieses fremde, bösartige Ding, vor dem er selbst Angst hatte. …