ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Rainer Werkwerth - „Camp 21 – Grenzenlos gefangen“

ISBN: 9-783-401-60177-9

 

Klappentext:

Mike und Kayla sind in Camp 21 gelandet. Sie kennen sich kaum und mögen sich noch weniger. Durch elektronische Armbänder aneinander gefesselt, ist es ihnen unmöglich, sich aus dem Weg zu gehen. Entfernen sie sich zu weit voneinander, empfangen sie über die Fessel quälende Schmerzimpulse. Während Kayla versucht mit der Situation zurechtzukommen, ahnt Mike, dass im Camp etwas nicht stimmt. Nach einem tödlichen Vorfall gelingt den beiden die Flucht. Doch dies ist erst der Anfang einer atemberaubenden Jagd, denn die Fesseln, die geheimen Experimente und die Liebe zueinander bilden für Mike und Kayla ein gefährliches Netz, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.

 

Inhalt:

Mike und Ricky machen eine Spritztour mit dem Mustang ihres Vaters. Dabei werden sie von der Polizei gestoppt. Am Ende sollen beide in ein Erziehungscamp, wo aber nur Mike bleibt. Ricky wehrt sich und man fährt bei ihm härtere Bandagen auf.

Kayla will einem Freund helfen. Die Eltern heißen das gar nicht gut und stecken auch sie in das Camp.

Mike versucht etwas über seinen Bruder heraus zu finden. So erfährt er von Camp 21. Er muss da hin, koste es, was es wolle. Leider zieht er mit der Aktion auch Kayla und einen weiteren Jungen mit rein.

Doch Camp 21 ist nicht nur zur Erziehung gedacht, sondern auch ein Experiment. In Kayla ihrem Fall ein lebensgefährliches.

Kayla und Mike können mit Hilfe des Arztes fliehen, doch außer Gefahr sind sie nicht. Wir ihnen überhaupt jemand glauben?

 

Leseprobe:

… »Steve?« John schüttelte leicht den Kopf. »Nein, er spricht den ganzen Tag von Mädchen und wie viele er schon hatte, aber so recht glauben will ihm das keiner. Alle halten ihn für ein Großmaul. Allerdings ist er ein kräftiges Großmaul, daher sagt keiner etwas zu ihm.«

»Warum macht er das?«

»Vielleicht will er dich beeindrucken, gleich mal klarstellen, wer hier der Boss ist.«

»Und ist er das?«

»Hier gibt es keinen Anführer. Ich bin der Saalälteste, was Steve gewaltig stinkt. Den Titel hätte er gern, aber daraus ist natürlich nichts geworden, weil er ständig Probleme macht. Am Anfang hat er mich permanent provoziert, aber als ich mich nicht darauf eingelassen habe, hat er irgendwann aufgegeben. Nimm dich trotzdem vor ihm in Acht, bei Steve weiß man nie. Es gibt Gerüchte, dass er hier im Camp jemanden zusammengeschlagen hat, aber das war vor meiner Zeit, ich hab also keine Ahnung, ob da was dran ist. Mach dich jetzt fertig. Gleich geht’s zum Frühstück, danach beginnt der Unterricht und fürs Zuspätkommen gibt es Strafen.«

»Was hat das Mädchen vorhin gemeint, als sie sagte: ›Wenn Ricky Glück hat‹?«

»Ach, die quatscht doch nur.«

»So klang das aber nicht.«

»Egal, lass uns jetzt nicht darüber reden.«

Als Mike nachhaken wollte, wandte sich John ab und ging zu einer Gruppe Jungs hinüber.

Als Kayla ausstieg, fühlte sie sich steif und ihr Nacken schmerzte. Neben dem Auto blieb sie stehen, streckte ihre Arme und ließ den Kopf rollen, erst dann blickte sie sich um.

Vor ihr lag ein weitläufiges Gelände mit flachen Gebäuden, hinter dem sich dunkler Wald erstreckte. Manche der Häuser waren größer als andere und Kayla vermutete, dass sich darin die Schlafsäle befanden.

Auf dem Weg hierher hatten ihr die beiden Betreuer erklärt, wie es im Camp ablief, sie selbst hatte kaum gesprochen. Die Regeln waren einfach: Tu, was man dir sagt, dann, wenn man es dir sagt, und mach keinen Ärger.

Kayla sorgte sich um Tom. Wie ging es ihm? War er noch auf der Intensivstation oder hatte man ihn bereits verlegt?

Wenn ich doch nur bei ihm sein könnte. Oder wenigstens mit ihm telefonieren dürfte.

Aber das würde nicht geschehen. Sie war von allen Informationen abgeschnitten und würde an diesem Ort die nächsten Wochen verbringen. Wenn sie hier rauskam, konnte Tom sonst wo sein. Oder tot.

Heißer Zorn wallte in ihr auf. Sie fluchte stumm und schimpfte über ihre Eltern, die ihr das antaten. Was sollte sie jetzt tun? Waskonnte sie tun?

Ich will nicht in diesem Scheißcamp bleiben, aber wie komme ich hier weg?

Kayla presste die Lippen aufeinander, bis sie wehtaten. Sie war so wütend, aber da war auch die Angst vor dem, was sie erwartete.

»Wir müssen dich anmelden. Der Direktor will dich begrüßen«, sagte die weibliche Betreuerin, die sich als Ms Kean vorgestellt hatte.

Der Name des Mannes neben ihr war Robertson. Er war ein schweigsamer Typ, hager mit verkniffenem Gesicht, der nur wenig sprach, und wenn er es tat, dann mit kratziger Stimme, als habe er zu viel geraucht in seinem Leben.

Kayla nickte und folgte den beiden zu einem Haus, das aussah wie der Empfang einer Ferienanlage. Es war im Blockhüttenstil erbaut mit groben Balken, einem Hirschgeweih über der Tür und Drehständern mit bunten Prospekten davor, die mit Sicherheit das Camp in den höchsten Tönen lobten.

Sie betraten einen Vorraum, der einer Hotellobby ähnelte. Eine Frau in mittleren Jahren saß hinter dem Tresen an einem Computer und blickte auf, als Kayla und die Betreuer hereinkamen.

»Hi, Sam. Hi, Lucy«, begrüßte sie Kaylas Begleiter. »Ihr könnt gleich rein.« Sie nickte in Richtung einer Holztür, die Kayla bisher nicht aufgefallen war.

Das Zimmer des Direktors wirkte sauber, aufgeräumt und machte einen warmen Eindruck. Der Schreibtisch, hinter dem ein Mann um die fünfzig mit schütterem Haar saß, war aus Naturholz, ebenso wie sämtliche Stühle im Raum. An den Wänden hingen Fotos von Angelausflügen und Fangerfolgen. Auf ihnen allen war der Mann zu sehen, stets hatte er ein Lächeln im Gesicht, so wie auch jetzt. Im Gegensatz zu den Fotos wirkte es allerdings professionell und einstudiert. Als Kayla vor ihm stehen blieb, stand er auf und reichte ihr die Hand.

»Ich bin Direktor Wilson. Du musst Kayla sein.« Er hob einen schmalen Ordner so hoch, dass Kayla ihren Namen darauf lesen konnte. »Wir erwarten dich bereits. Nimm Platz.«

Er deutete auf den Stuhl, der vor dem Schreibtisch stand. Die beiden Betreuer verließen den Raum.

Wilson setzte sich und schlug den Ordner auf. Kayla war sich sicher, dass er den Inhalt bereits kannte, aber so lief das Spiel nun mal.

»Deine Eltern schicken dich für sechs Monate zu uns. Sie hoffen, dass du deine Einstellung ihnen gegenüber änderst und den Umgang mit Personen einstellst, die nicht gut für dich sind.« Er blickte sie eindringlich an. »Nimmst du Drogen?«

»Nein, ich …«

Er hob gebieterisch die Hand. »Bitte keine Erklärungen. Du kannst mit den Therapeuten darüber sprechen. Beantworte einfach meine Fragen. In Ordnung?«

Nichts war in Ordnung, dennoch nickte Kayla.

»Ms Kean und Mr Robertson haben dir erklärt, wie es hier läuft?«

»Ja.«

»Füg dich ein, nimm fleißig am Unterricht teil und sprich ausgiebig mit den Betreuern. Sechs Monate vergehen wie im Flug.«

Wenn er jetzt noch sagt, sieh das Ganze als Chance, dann kotze ich auf seinen Schreibtisch.

»Das ist eine Chance für dich, alles zu überdenken und wieder zu einer respektvollen Beziehung zu deinen Eltern zu finden. Sie lieben dich und wünschen dein Bestes.«

Kayla musste sich zusammenreißen, um die Augen nicht zu verdrehen. Als Wilson sich erhob, stand sie ebenfalls auf.

»Ms Kean wird dich zu den Unterkünften führen, dort kannst du dich einrichten. Nach dem Mittagessen steht eine Gruppensitzung auf dem Plan. Du kannst gehen.« …