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Joy Fielding - „Tanz, Püppchen tanz“

ISBN: 9-783-442-46536-1

 

Klappentext:

Die packende Geschichte einer jungen Frau, die bedingungslos vertraut – und unversehens zum Spielzeug des Teufels wird.

Die Anwältin Amanda Travis ist glücklich, in ihrer neuen Heimat Florida endlich mit ihrer Vergangenheit abzuschließen. Denn in ihrer Heimatstadt Toronto hat sie ihre Mutter Gwen zurückgelassen, unter der sie zeitlebens gelitten hat. Doch eines Tages erhält Amanda einen schockierenden Anruf: Gwen hat in der Lobby eines Luxushotels einen Mann erschossen und verweigert jede Aussage. Als Amanda sich ihrer Mutter annimmt, berührt diese Ereignisse, die Amanda bislang verdrängt hatte – und vor denen sie nun nicht länger fliehen kann …

 

Inhalt:

Amanda glaubt sich in der Hölle, als Pflichtverteidigerin dieses Schmierlappens. Doch der Anruf ihres Exmannes kann das noch toppen. - Ihre Mutter hat einen scheinbar fremden Mann erschossen.

Nur widerwillig fliegt Amanda in die Heimat. Mit ihrer Mutter hat sie abgeschlossen und als Anwältin kann sie dort eh nichts machen...

Als Anwältin nicht, aber als Tochter lernt sie eine veränderte Mutter kennen, taucht nach und nach in ein verborgenes Geheimnis ein und löst eine vollkommen ungeahnte Erinnerungskette aus.

 

Leseprobe:

... In dem Cafe´ eines nahe gelegenen Hotels sitzen sie sich gegenüber und schlürfen heiße Broccoliecremesuppe. „Diese Staatsanwältin scheint mir aber eine echte Hexe auf Rädern zu sein“, sagt Amanda und lacht laut, weil sich eine entfernte Erinnerung in den Vordergrund drängt wie ein Fußgänger, der zwischen zwei geparkten Wagen auf die Straße springt.

„Was ist so komisch?“

Amanda schüttelt den Kopf, als wollte sie den Erinnerung abwerfen, doch sie stemmt sich trotzig dagegen und weigert sich zu verschwinden. „Als ich ein kleines Mädchen war“, beginnt sie zögernd, „hat meine Mutter eine Nachgarin mal als eine echte „Hexe auf Rädern“ bezeichnet. Von da an hatte ich schreckliche Angst vor der Frau. Ich habe riesige Umwege in Kauf genommen, um nicht an ihrem Haus vorbeizumüssen, selbst wenn ich um den ganzen Block laufen musst. Ich meine, sie war nicht nur eine Hexe, sondern auch noch auf Rädern.“ Amanda lacht über ihre eigene kindliche Naivität.

Ben grinst. „Nancy ist eigentlich gar nicht so übel.“

„Nicht?“

„Sie macht bloß ihren Job. Du kennst doch Staatsanwälte.“

Nicht so gut wie du, denkt Amanda und versucht, sich seine Freundin Jennifer vorzustellen. „Sie lieben nichts mehr als eine weitere Verurteilung in ihrer Prozessbilanz“, fährt er fort.

„Eher selbstgerecht als gerecht“, sinniert Amanda. „Ist deine Mandantin schuldig?“

„Schuldig der Jugend und der Dummheit. Es wäre zum Nutzen aller, wenn man sie fünfzig Sozialstunden ableisten ließe, anstatt sie mit einer Vorstrafe zu belasten.“

„Das kommt aber offenbar nicht in Frage.“

„Nur weil die obwaltenden Mächte noch dümmer sind als sie.“

„Glaubst du, du hast eine Chance?“

Ben beißt lachend in ein warmes Brötchen. „Es wird ein sauberer Elfmeter. Ich krieg sie wegen eines Verfahrensfehlers dran. Sobald ich mein Plädoyer eröffne, verlässt sie den Saal als freie Bürgerin.“

„Ah, die Gerechtigkeit.“

„Das kommt davon, wenn die Leute zu gierig werden.“

Wird Jennifer gierig, fragt Amanda sich. „Du siehst in deiner Robe übrigens ziemlich gut aus“, sagt sie.

„Du gestern auch.“ Sein Lächeln, der sanfte Schwung seiner Lippen, vertreibt den letzten Rest von Spannung zwischen ihnen. „Tut mir Leid, dass ich gestern Nacht so bei dir reingeplatzt bin. Sah wohl so aus, als wollte ich irgendwelche Besitzansprüche geltend machen.“

„Nur ein bisschen. Außerdem sollt eich mich wahrscheinlich bei dir entschuldigen.“

„Ich dachte, du wärst nicht gekommen, um dich zu entschuldigen.“

„Bin ich auch nicht“, sagt Amanda. „Ich sagte nur, wahrscheinlich sollte ich es tun.“

Er lacht. „Du hast mich vermutlich bloß auf dem falschen Fuß erwischt. Ich wusste nicht, dass du noch Bekannte in der Stadt hasst.“

„Hab ich auch nicht.“

„Er ist also noch jemand, den du gestern Abend getroffen hast?“

„Genau genommen habe ich ihn im Flugzeug getroffen.“

Ben schluckt dieses neueste Häppchen in Information zusammen mit dem Rest seines Brötchens. „Ein bisschen alt für dich, findest du nicht?“

„Ich mag ältere Männer.“

„Das war mir nicht bewusst.“

„Mein zweiter Ehemann war ein älterer Mann.“

„Und wie war er?“

Nun ist es an Amanda zu lachen. „Ich weiß nicht. Ich habe ihn eigentlich nie besonders gut kennen gelernt.“

„Wieso nicht?“

Amanda verdreht die Augen. Darauf hat sie sich eigentlich nicht einlassen wollen. „Ich glaube, dass ich es im Grunde nicht wollte. Ich meine, er war – ist – ein sehr attraktiver Man. Wohlhabend. Kultiviert. Sogar nett. Das hat mir damals vermutlich gereicht.“

„Und wann war es dann nicht mehr genug?“

„Als er anfing, über Babys zu reden.“

„Du magst keine Babys?“

„Zum Teufel noch mal, nein. Ich wollte sein Baby sein. Warum heiratet eine Frau sonst einen fünfundzwanzig Jahre älteren Mann?“ Sie macht eine Pause, sieht sich in dem überfüllten Cafe´ um und fragt sich, ob noch eine der anderen Frauen dabei ist, mit ihrem ersten oder zweiten Ex-Mann zu reden. „Am Anfang war alles prima. Er hat mein Jurastudium finanziert und mir alles gekauft, was mein kleines Herz begehrte, ist mit mir gereist, wohin ich wollte. Hat mich nie schlecht behandelt oder unter Druck gesetzt. Hat mich stolz herumgezeigt, und das hat mir gefallen. Doch dann fing er plötzlich davon an, dass wir nach meinem Examen vielleicht darüber nachdenken sollten, eine Familie zu gründen, ich ich dachte: „Hallo? Moment mal! Wer hat irgendwas von Familie gesagt? Ich weiß nichts übers Kinderkriegen, habe ich immer wieder gescherzt. Aber wie sich herausstellte, meinte er es todernst. Er wollte Kinder. Ich nicht. Ich glaube, er hat irgendwas davon gesagt, es sei an der Zeit, die „Themeen“ aufzuarbeiten, die ich mit meiner Mutter habe, denn solange ich das nicht täte, würde ich in einer Art andauernden Pubertät stecken bleiben, worauf ich ihm ein ungeheuer erwachsenes „Fuck you, Charlie Brown“ an den Kopf geworfen habe... Ach, was soll`s. Es spielt eigentlich keine Rolle, was wir beide zu diesem Zeitpunkt gesagt haben. Die Ehe war zu Ende.“

„Trotzdem hast du seinen Namen behalten“, bemerkt Ben.

„Wessen Namen sollte ich sonst annehmen?“ Amanda runzelt die Stirn. „Als Amanda Price war ich nie besonders glücklich gewesen. Und ich konnte mich ja schlecht Amanda Myers nennen, oder?“ Sie isst den letzten Löffel Suppe und macht dem Kellner einZeichen, dass sie Kaffee nachgeschenkt haben möchte. „Außerdem war Sean ein guter Mann. Es war nicht seine Schuld, dass ich unaufgearbeitete „Themen“ hatte.“ Sie führt die wieder volle Tasse an die Lippen und pustet über den aufsteigenden Dampf. „Und was ist mit dir und Miss Jennifer? Siehst du in der Zukunft ein Kinderbettchen?“

Ben zuckt die Achsel. „Möglich ist alles, nehme ich an.“

Falsche Antwort, denkt Amanda, piekst mit dem Messer ein Stückchen Butter auf und streicht es auf ein Milchbrötchen, das ssie aus dem Brotkorb fischt. „Seid ihr je vor Gericht aufeinander getroffen?“

„Ein paar Mal ist es schon vorgekommen.“

„Wer hat gewonnen?“

„Die Bilanz ist, glaube ich, ausgeglichen.“ ….