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Will Adams - „Das Gottesgrab“

ISBN: 9-783-499-24585-5

 

Klappentext:

Seit Jahren verfolgt der junge Archäologe Daniel Knox nur ein Ziel: er will die sagenumwobene letzte Ruhestätte Alexanders des Großen finden. Da wird mitten in Alexandria eine rätselhafte Gruft freigelegt. Handelt es sich bei den zweiunddreißig toten Kriegern um die Elitetruppe des Welteroberers? Weisen sie den Weg zu seinem Grab und damit zum prächtigsten Schatz der antiken Welt?

 

Gemeinsam mit der französischen Skryptologin Gaille begibt sich Knox auf eine gefährliche Spurensuche. Denn der Fundort lockt nicht nur skrupellose Wissenschaftler und geldgierige Plünderer: Das Grab birgt auch ein Geheimnis, das einen Völkerkrieg auslösen könnte, wenn es in die falschen Hände geriete. Uns o wird Knox schon bald von alten und neuen Widersachern gejagt, die nicht nur nach dem Schatz, sondern auch nach seinem Leben trachten...

 

Inhalt:

Michael Knox ist bei einem reichen Emporkömmling angestellt. Begeht allerdings einen richtig schweren Fehler, als er seinen Chef zusammen schlägt.

Auf der Fluch kommt er an Wissen, was er besser nicht hat. Er wird entdeckt und muss schon wieder fliehen.

Doch auch zwei Archäologinnen werden in die Suche nach Alexander dem Großen hinein gezogen

Und dann ist da ein Vater, der sein todkrankes Kind einfach nur retten will. Er begibt sich in Fahrwasser, welchem er nicht wirklich gewachsen ist. Aber für seine Tochter....

 

Leseprobe:

… Als er den Feldweg und die verfallenen Gebäude zweihundert Meter weiter vor sich sah, war es schon dunkel geworden. So wie seine Füße brannten, hätten es auch gut zweihundert Kilometer sein können. Plötzlich verspürte er ein heftiges Verlangen nach einer großen Schüssel Kushari von seiner Tante mit einer Extraportion gerösteten Zwiebeln, dazu große Stücke Aysh Baladi, um sich dann ins Bett zu legen. Niemals würde er den Jeep dort hinten finden. Genug! Er drehte um und humpelte unter Schmerzen den Weg zurück. Er war kaum zwanzig Schritte weit gekommen, als auf der Landstraße ein mit Schülerinnen besetzter Minibus vorbei ratterte. Eine fiel ihm besonders auf. Sie lächelte schüchtern, hatte schöne Haut, große braune Augen und üppige rote Lippen. Während er ihr nachstarrte, vergaß er das Kushari, sein Bett und die schmerzenden Füße. Davon träumte er schon lange: eine schöne, schüchterne junge Frau, die er sein Eigen nennen konnte. Aber Karim wusste auch ganz genau, dass dieser Traum nur wahr werden würde, wenn er anständiges Geld verdiente.

Stöhnend drehte er sich wieder um und schleppte sich den Weg entlang zu dem alten Bauernhof.

 

II

Mohammed hatte Mühe zu gehen, als er der Krankenschwester folgte. Er musste sich richtig darauf konzentrieren, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Sie führte ihn in ein großes Büro, in dem Professor Rafai einen weißen Aktenschrank durchforstet. Mohammed hatte ihn häufig bei den Visiten gesehen, eine Privataudienz war ihm jedoch noch nie gewährt worden. Warum das nun der Fall war, wusste Mohammed nicht. Manchen Menschen erfreuten sich dran, gute Nachrichten zu übermitteln, andere hielten es für ihre Pflicht, schlechte Nachrichten persönlich weiterzugeben. Rafai wand sich mit einem ausdruckslosen professionellen Lächeln an Mohammed. „Setzen Sie sich“, sagte er und deutete auf einen kleinen, runden Tisch. Erzog einen braunen Aktenordner hervor und setzte sich zu ihm. „Ich hoffe, Sie mussten nicht lange warten.“

Mohammed schluckte. War Rafai wirklich so ein Ignorant? Plötzlich wollte Mohammed nur noch hinausgehen und weiter warten. Wenn die Hoffnung alles war, was man noch hatte, wollte man sich daran festklammern. Rafai schlug die Akte auf und schielte durch seine Leserille auf die eingehefteten Blätter. Er runzelte die Stirn, als hätte er gerade etwas gelesen, was ihm vorher noch nicht aufgefallen war. „Ihnen ist klar, was eine Knochenmarktransplantation bedeutet hätte?“ fragte er, ohne aufzuschauen. „Sie wissen, was Ihre Tochter hätte durchmachen müssen?“

Unglück ist ein taubes Gefühl. Mohammed wurde kalt und schlecht, gleichzeitig wurde er völlig ruhig. Traurig fragte er sich, wie er es seiner Frau beibringen sollte oder ob Layla verstehen würde, was die Nachricht bedeutete.

Rafai fuhr unbarmherzig fort. „Man nennt dieses Verfahren Knochenmarktransplantation, aber der Begriff ist irreführend. Die gewöhnliche Chemotherapie wirkt nur auf die Krebszellen und verhindert ihre Zellteilung, in diesem Verfahren vergiftet man aber vorsätzlich den gesamten Organismus, um alle Zellen, die sich schnell teilen, zu vernichten, nicht nur die Krebszellen. Das schließt auch das Knochenmark mit ein. Die Transplantation ist nicht die Behandlung. Die Transplantation ist notwendig, weil der Patient nach der Vernichtung der Körperzellen ohne das Knochenmark sterben würde. Es ist eine traumatische und äußerst schmerzhafte Erfahrung, die keine Garantie auf Erfolg hat. Trotz eines passenden Spenders kann der Körper das Transplantat abstoßen. Und selbst wenn er das neue Knochenmark annimmt, ist die Rekonvaleszenz langwierig. Es folgen ständige Untersuchungen. Die Behandlung beschränkt sich nicht auf wenige Tage. Ein Leben lang bleiben Narben. Und dann muss man auch die Nebenwirkungen bedenken; Unfruchtbarkeit, grauer Star, andere Krebsarten, Komplikationen, die Leber, Nieren, Lunge oder das Herz betreffen können, um nur einige zu nennen...“

In diesem Moment wurde Mohammed etwas klar. Rafai hatte ihn nicht persönlich zu sich gebeten, weil er ihm eine schlechte Nachricht übermitteln musste, er hatte es allein deshalb getan, weil er es genoss, seine Macht zu demonstrieren. Mohammed beugte sich vor und rückte Rafais Akte auf den Tisch. „Sagen Sie, was Sie sagen müssen“, verlangte er. „Sagen Sie es geradeheraus. Schauen Sie mir in die Augen.“

Rafai seufzte. „Sie müssen verstehen, dass wir nicht jedem Patienten eine Knochenmarktransplantation geben können, der sie braucht. Wir teilen unsere Mittel auf der Grundlage medizinischer Befunde zu, und zwar an die Patienten, die höchstwahrscheinlich davon profitieren. Die Leukämie Ihrer Tochter ist leider schon so weit fortgeschritten...“

„Weil Sie die Tests nicht rechtzeitig gemacht haben!“, entgegnete Mohammed erregt. „Weil sie die Sie die Tests nicht gemacht haben!“

„Sie müssen verstehen, jeder hier liebt Ihre...“

Mohammed stand auf. „Wann haben Sie das entschieden? Haben Sie das schon entschieden, bevor wir die Tests haben machen lassen? So ist es, nicht wahr? Warum haben Sie und das nicht gleich gesagt? Warum haben Sie uns das alles durchmachen lassen?“ …

„Sie irren sich“, sagte Rafai. „Die endgültige Entscheidung haben wir erst...“

„Kann ich noch etwas tun?“, flehte Mohammed. „Noch irgendwas? Ich bitte Sie. Sie können s nicht machen.“

„Tut mir leid.“ Er lächelte ausdruckslos. Das Gespräch war beendet.

Bisher hatte Mohammed nie verstanden, wie jemand mit Selbstmord drohen konnte, was man gemeinhin als Hilfeschrei betrachtet. Aber in diesem Moment wurde ihm klar, dass es tatsächlich Situationen im Leben gab, die so schwierig waren, dass man vor ihnen zurückschreckt und zu einer Verzweiflungstat getrieben wurde. Er konnte Nur und Layla diese Nachricht nicht überbringen. Es überstieg seine Kräfte. Und deshalb packte er Rafai am Kragen seines Jacketts und knallte ihn gegen die Wand des Büros.