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David Wellington - „Der letzte Vampir“

ISBN: 9-783-492-26643-7

 

Klappentext:

Bislang glaubte man, Vampire seien ausgerottet. Doch einer hat überlebt. Und er wartet nur darauf, dass sich ihm jemand in den Weg stellt … An einem gottverlassenen Ort irgendwo in Pennsylvania geraten die Cops Laura und Arkeley mit ihrem Team in einen Hinterhalt. Ein bestialischer Vampir richtet ein Blutbad unter den Ermittlern an. Aber der Überfall ist nur der Anfang. Denn nun beginnt die wahrhaftige Apokalypse. Ein erbarmungsloser Krieg der Untoten gegen die Menschen ist entfesselt. Und je tiefer Laura in die uralten Geheimnisse und kaltblütigen Pläne der Blutsauger hineingezogen wird, umso deutlicher erkennt sie, dass sie in all dem Wahnsinn ihren engsten Verbündeten nicht mehr trauen kann. Der wichtigste Vampir-Roman der Gegenwart – das gnadenlose Actionfeuerwerk des neuen US-Stars David Wellington.

 

Inhalt:

Laura Caxton wird in einen sehr bluten Fall hinein gezogen. Leichen in einem Kofferraum, die nicht wirklich Leichen sind. Vielmehr sind es Untote. Die Brut einer Vampirin, die in einem verlassenen Sanatorium für Tuberkulosepatienten "erforscht" wird.

Bei einem Besuch wirkt die einstmals mächtige und große Vampirin noch schlimmer als eine alte Frau. Gerade mal noch so in der Lage, Nachrichten in einen Laptop zu tippen vegetiert sie in einem nicht zu beschreibenden Zustand vor sich hin. - Das denkt man zumindest. Denn im Geist ist sie noch mehr als fit und kann ihre Brut auf diese Weise gut steuern.

Laura Caxton und ihre Lebenspartnerin stehen schon längst im Bann eines Vampires. Lange bevor sie es selber mit bekommen. Doch als sie es dann mit bekommen, ist es zu spät. Das leben der beiden Frauen ändert sich radikal, durch die Brut.

 

Leseprobe:

… »Klar – irgendwann vielleicht.« Caxton errötete. Erst als sie die Tür aufstieß und die kalte Luft an den Wangen spürte, wurde sie sich bewusst, dass sie die ganze Fahrt über gerötet gewesen waren. Kein Wunder, dass Clara die ganze Zeit über gelächelt hatte. »Danke fürs Fahren«, sagte sie. »Wir … äh, sehen uns.«

»Keine Angst«, erwiderte Clara. »Ich kann warten, bis ich meine süßen kleinen Fangzähne in Ihren Hals schlage.« Sie lachte, als sie losf einmal vergessen, selbst die Trinknäpfe waren trocken – und ging rein. Sie zog sich in der Küche aus und eilte ins Bett, schlüpfte unter die Decken, bevor ihr kalt werden konnte. Deannas Körper unter der Decke war scharf und eckig, aber Caxton führte die Hand über den Bauch ihrer Geliebten und dann weiter nach oben, um ihre Brüste zu umfangen. Deanna rührte sich im Schlaf, und Caxton küsste ihr Ohr.

»Oh, Schatz, heute nicht«, flüsterte Deanna. »Du riechst nach Blut.«

Bei den Wunden an Hand und Schulter ließ sich dagegen wohl nichts sagen.

Caxton ging lange duschen, spielte mit dem Spiralanhänger, den Vesta Polder ihr gegeben hatte, sah zu, wie der Dampf um sie herumwogte, bis sie endlich entspannt in der Duschwanne einnickte. Es kostete sie ihre letzte Energie, sich abzutrocknen und wieder ins Bett zu schlüpfen, und bevor sie noch weiter darüber nachdenken konnte, war sie eingeschlafen.

 

24.

 

Am Morgen spielte sie eine Weile mit den Hunden. Draußen war es kalt, und der Zwinger war gut geheizt, also blieb sie bei ihnen und ließ sie um sich herumtanzen, nach ihren Haaren und ihrem Gesicht schnappen, so wie Greyhounds ihre Zuneigung zeigten. Sie waren wunderschön, ihre Körper so schlank und geschmeidig. Wilbur, der nur drei Beine, dafür aber schönes, braunes Fell hatte, drehte sich ununterbrochen auf ihrem Schoß, als wollte er sich verknoten, bevor er sich endlich niederließ. Sie streichelte ihn hinter den Ohren und sagte ihm, er sei ein guter Hund. Lola, ein italienischer Greyhound, auf die bereits ein gutes Zuhause außerhalb von New York auf dem Land wartete, drückte ständig die lange Nase gegen die Tür, aber immer, wenn Caxton sie aufstieß, tänzelte sie vor dem kalten Windschwall zurück, der hereindrang, schnappte nach der Luft und stellte sich auf die Hinterbeine, um gegen den Wind zu kämpfen.

Als Deanna sie dort fand, von Greyhounds umgeben, fühlte Caxton sich beinahe schon wieder wie ein Mensch. Deanna grinste sie an, als hätte sie sie mit der Hand in der Keksdose erwischt. Sie drückte ihr das PDA in die Hand und verschwand wortlos.

Sie hatte eine Mail von »Hsu_C@lesd.pa.us«, was nur Clara sein konnte. Mit zitternder Hand öffnete sie sie – was, wenn Deanna sie gesehen hatte? Was, wenn Clara angerufen hätte, statt eine Mail zu schicken, und Deanna an den Apparat gegangen wäre? Aber das war bloß Paranoia. Zum einen hatte sie nichts Schlimmes getan. Sie hatte Clara gestoppt, bevor etwas passiert war. Davon abgesehen war Claras Mail nicht im Mindesten peinlich. Es war eine der professionellsten Nachrichten, die sie je gelesen hatte, und sie enthielt nichts außer dem Bericht des Sheriff’s Department über Bitumen Hollow. Es gab nicht einmal einen freundlichen Gruß.

Tatsächlich war sie sogar etwas enttäuscht. Es war ein Problem, dass Clara sie auf diese Weise angemacht hatte, trotzdem … es war schön gewesen. Sie verbannte den Gedanken und studierte den Bericht. Er war emotionslos und klinisch, und sie versuchte, ihn mit der gleichen Einstellung zu lesen, weigerte sich, den Schrecken der Menschen an sich herankommen zu lassen, die in der Nacht zuvor in dem verschlafenen Nest gestorben waren. Der größte Teil des Berichts basierte auf der Aussage des Augenzeugen, des stellvertretenden Leiters der christlichen Buchhandlung, der sie mit dem großen Kreuz geschlagen hatte. Nachdem er sich wieder beruhigt hatte, hatte er sich als recht guter Beobachter entpuppt. Er war Zeuge gewesen, wie die beiden Vampire die Hauptstraße betreten hatten, beide mit langen schwarzen Mänteln bekleidet, mit hochgeschlagenem Kragen, um den Mund zu verhüllen. Falls sie als Menschen durchgehen wollten, hätten sie sich die Mühe sparen können. In Bitumen Hollow kannte jeder jeden – die Vampire (beide über einen Meter achtzig groß) stachen hervor wie abgerissene Daumen. Opfer Nr. 1 war die Teenagerin gewesen, Helena Saunders. Der eine Vampir hatte sie einfach in die Höhe gestemmt, während der andere ihren Mantelärmel aufriss und in den Arm biss. »Als würde man einen Maiskolben abnagen«, hatte der Zeuge gesagt. Danach wurde es hässlich.

Es hatte keinen Versuch gegeben, das Dorf zu verteidigen. Niemand hatte sich gewehrt, obwohl man unter der Theke des Cafés ein geladenes Jagdgewehr gefunden hatte und die Frau, die die Post leitete (Opfer Nr. 4) eine registrierte Faustfeuerwaffe im Auto aufbewahrte. Als die Polizei eintraf, war es viel zu spät gewesen. Das überraschte Caxton nicht besonders. Ein so kleines Dorf hatte keine eigene Polizeidienststelle und war auf den lokalen Sheriff angewiesen.

Caxton überflog große Teile des Berichts bloß. Insgesamt gab es vierzehn Opfer, und sie musste nun wirklich nicht wissen, wie sie im einzelnen gestorben waren. Vierzehn. Die beiden Vampire, die Bitumen Hollow angegriffen hatten, waren noch ziemlich neu. Ihr Blutdurst hätte schnell gestillt sein müssen – eigentlich hätte jedem von ihnen ein Opfer reichen müssen. Und doch hatten sie das ganze Dorf entvölkert. Warum? Sie dachte an Piter Lares, der sich bewusst überfressen und mit Blut vollgesogen hatte, damit er seine Ahnen füttern konnte, Justinia Malvern eingeschlossen. Vielleicht hatten die neuen Angreifer (der Bericht listete sie in lupenreiner Amtssprache als Gewalttäter Nr. 1 und Gewalttäter Nr. 2 auf) sich vollsaugen wollen, um Malvern zu füttern; aber nein, sie brauchten vier Vampire, um sie zu regenerieren. Außerdem war sie noch immer hinter den Mauern von Arabella Furnace in Sicherheit.

Soweit Caxton wusste.

Bei dem Gedanken, dass die Vampire das ehemalige Sanatorium angegriffen haben könnten, fuhr ihr ein eiskalter Schauer den Rücken herunter … Konnte es sein, dass Malvern frei war, jetzt, in diesem Augenblick? Aber nein, sicherlich hätte Arkeley dann schon angerufen.

Es sei denn, sie hatten angegriffen und Arkeley dabei getötet.