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Bernhard Cornwell - „Das letzte Königreich“

Uhtred Saga 1

ISBN: 9-783-499-24222-9

 

Klappentext:

Mit den Drachenbooten kommt der Tod. Nordengland im Jahre 866: Mit zehn Jahren erlebt der Fürstensohn Uhtred den Einfall der Wikinger. Sein ungestümer Mut in der Schlacht beeindruckt den Anführer der Dänen so sehr, dass er Uhtred verschont und als Ziehkind aufnimmt. Mit den Jahren wird der Junge fast einer von ihnen. Nach Raub- und Eroberungszügen voller Blut und Gewalt droht auch Wessex, das letzte der fünf angelsächsischen Königreiche, an die Eroberer zu fallen. Doch da wechselt Uhtred wieder die Seiten ... «Vielleicht der größte Autor historischer Abenteuergeschichten, den die Gegenwart kennt.» (Washington Post)

 

Inhalt:

Osbert ist 10 Jahre alt, als er zum ersten Mal den Dänen begegnet, die England erobern wollen. Für ihn ist das aber nicht weiter interessant, weil sein älterer Bruder das Erbe des Vaters antreten wird.

Doch eines Tages wird der Bruder ermordet und sein Kopf seiner Familie gebracht. Nun wird aus Osbert Uhtred und zukünftiger Altermann.

Doch die Dänen überfallen auch seine Burg, töten seine Familie und nehmen ihn mit. Er erfährt jedoch eine gute Behandlung und wird nach dänischer Art erzogen.

Doch er kann sein geraubtes Erbe nicht vergessen. Er will rechtmäßiger Erbe von Bebanburg werden. - Was sein Onkel, der überlebt hat, allerdings auch für sich und die seinen will.

 

Leseprobe:

… Er war eindeutig tot, lag da mit offenem Mund, die weiße Haut blutüberströmt. Sein Gott hatte ihn schmählich im Stich gelassen. Heute wird diese Geschichte natürlich anders erzählt. Die Kinder lernen, dass sich der heilige Edmund den Dänen mutig widersetzt, ihre Bekehrung verlangt und dafür seinen eigenen Tod in Kauf genommen habe, weshalb er nun als Märtyrer und Heiliger im Himmel frohlocke. In Wahrheit aber war er ein Narr, der sich selbst um Kopf und Kragen geredet hat.

Die Priester und Mönche klagten so untröstlich, dass Ivar auch sie töten ließ. Daraufhin ernannte er Graf Godrim, einen seiner Gefolgsleute, zum Herrscher über Ostanglien und erteilte seinem Bruder Halfdan den Auftrag, jeden Widerstand im Keim zu ersticken. Ihm und Godrim wurde ein Drittel des Heeres unterstellt, mit dem sie Ostanglien befrieden sollten, während der Rest von uns nach Northumbrien zurückkehrte, um die Revolte niederzuschlagen. Ostanglien gab es nicht mehr.

Und Wessex war das letzte Königreich Englands.

Wir stachen mit der Windviper in See, segelten die Küste entlang, ruderten, zunächst über den Humber und dann über die Ouse flussaufwärts, bis der Ringwall von Eoferwic in Sicht kam. Zusammen mit den Schiffen von Ivar und Ubba bildeten wir eine stattliche Flotte, zu der auch die erbeuteten englischen Boote gehörten, die als Stevenschmuck grüne Eichenzweige zum Zeichen unseres Sieges trugen. Vor Eoferwic zogen wir die Schiffe an Land und luden unsere Schätze aus. Die Dänen legen großen Wert auf Beute. Die Männer folgen ihren Anführern, weil sie mit Silber dafür belohnt werden, und nun, da die Dänen von den vier englischen Königreichen drei erobert hatten, gab es ein riesiges Vermögen zu verteilen. Einige der Männer, allerdings nur wenige, entschieden sich, mit ihrem Geld nach Dänemark zurückzukehren. Die überwiegende Mehrzahl blieb, denn das größte Königreich war noch nicht bezwungen, und die Männer rechneten damit, dass sie so reich wie Götter sein würden, wenn Wessex fiele.

Ivar und Ubba waren auf Kampf eingestellt und hatten ihre Schiffe mit Schilden gewappnet, doch war in der Stadt selbst nichts von Rebellion zu spüren, und König Egbert, der von Gnaden der Dänen über das Land regierte, bestritt, dass es überhaupt einen Aufstand gegeben habe. Erzbischof Wulfhere pflichtete ihm bei. «Es kommt allerdings immer wieder vor, dass Banditen ihr Unwesen treiben», erklärte er hochtrabend. «Vielleicht habt Ihr davon gehört.»

«Vielleicht seid Ihr aber auch taub», blaffte Ivar, der guten Grund zum Argwohn hatte, denn kaum hatte sich herumgesprochen, dass das dänische Heer zurückgekehrt war, trafen Boten von Aldermann Riesig aus Dunholm ein. Die Festung Dunholm lag auf einem hohen Felsvorsprung, der fast in seinem gesamten Umfang von dem Fluss Wiire umspült wurde. Wie die Bebbanburg war sie dank dieser natürlichen Gegebenheiten nahezu uneinnehmbar. Riesig, der Herr dieser Burg, hatte nie sein Schwert gegen die Dänen erhoben und, als Eoferwic angegriffen und mein Vater getötet worden war, behauptet, krank gewesen zu sein. Doch jetzt schickte er Boten, die Ivar mitteilten, dass mehrere Dänen im Kloster von Gyruum getötet worden seien. In diesem berühmten Kloster arbeitete ein Mann an einer Chronik der englischen Kirche, die Beocca immer gepriesen und mir als Lektüre ans Herz gelegt hatte, wenn ich denn anständig zu lesen lernte. Das habe ich noch vor mir. Doch in Gyruum bin ich gewesen und habe gesehen, wo dieses Buch geschrieben wurde, denn Ragnar war aufgefordert worden, mit seinen Männern herauszufinden, was sich tatsächlich ereignet hatte.

Allem Anschein nach waren sechs Dänen, allesamt Männer ohne Herren, nach Gyruum gezogen, wo sie den Klosterschatz zu sehen verlangten. Als die Mönche behaupteten, bettelarm zu sein, machten die sechs von ihren Schwertern Gebrauch. Die Mönche aber setzten sich zur Wehr, und weil sie in der Überzahl waren und von Männern aus dem Ort unterstützt wurden, gelang es ihnen, die Dänen zu töten. An Pfählen aufgespießt, verwesten ihre Leichname zur Abschreckung aller Plünderer. Dafür hatte Ragnar noch Verständnis, doch ermutigt von ihrem Erfolg, waren die Mönche am Ufer der Tine flussaufwärts gezogen und hatten eine dänische Siedlung überfallen, in der nur einige wenige Menschen lebten, die zu alt und krank waren, um mit dem Heer nach Süden zu ziehen. Dass bei diesem Überfall mindestens zwanzig Frauen und Kinder geschändet und getötet worden waren, entschuldigten die Mönche mit der Erklärung eines heiligen Krieges. Aus Furcht vor der Rache der Dänen hatte Aldermann Icicsig daraufhin eigene Truppen ausgesandt, um den kriegerischen Haufen aufzulösen, dem sich immer mehr Männer anschlossen. Ihm waren etliche Aufständische in die Hände gefallen, darunter auch ein Dutzend Mönche, die jetzt in seiner Festung über dem Fluss gefangen saßen.

All dies hörten wir von Ricsigs Boten, später auch von den Siedlern, die das Morden überlebt hatten. Ein Mädchen im Alter von Ragnars Tochter berichtete, von mehreren Mönchen zuerst vergewaltigt und dann gegen ihren Willen getauft worden zu sein. Sie sagte, dass auch Nonnen dabei gewesen seien, Frauen, die die Vergewaltiger angefeuert und sich danach am Töten beteiligt hätten. «Schlangenbrut», sagte Ragnar. So wütend, wie ich ihn jetzt erlebte, hatte er nicht einmal damals auf Svens Belästigung seiner Tochter reagiert. Wir gruben einige der toten Dänen aus und stellten fest, dass sie alle gefoltert worden waren. …