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Bernhard Cornwell – Der weiße Reiter“

Uhtred Saga 2

ISBN: 9-783-499-24283-0

 

Klappentext:

Und ich sah ein weißes Pferd, und des Reiters Name hieß Tod

Ende des 9. Jahrhunderts haben die dänischen Eroberer alle fünf englischen Königreiche unterjocht. Das gesamte Land der Angelsachsen ist in der Gewalt der Invasoren – mit Ausnahme eines kleinen Sumpfgebietes. Hier hält sich König Alfred von Wessex mit wenigen Getreuen versteckt. Uhtred, Krieger in Alfreds Diensten, kennt die Übermacht des dänischen Heeres genau. Dennoch will Alfred eine letzte, entscheidende Schlacht führen. Der fromme König setzt dabei auf Gottes Hilfe, Uhtred hingegen vertraut lieber seinem kampferprobten Schwert. Über eines aber sind sich die beiden ungleichen Verbündeten vollkommen einig: Eine Niederlage wäre der Untergang Englands.

Die Uhtred-Romane, Band 2

 

Inhalt:

Uhtred hat sein Ziel im Leben gefunden und tritt mit jeder Faser seine Körpers dafür ein. Dafür begeht auch er die selben Fehler, die er sonst immer nicht gerade für gut befunden hat. Er benutzt Menschen. Er verbündet sich kurzzeitig mit Feinden, nur um sie dann nach Abschluss des Unternehmens zu betrügen.

Er spielt seine Freunde gegeneinander aus, dass er den Vorteil davon hat. - Uhtred entwickelt sich zu einen sehr unsympathischen Menschen.

 

Leseprobe:

… Ich sprang zwei Schritte zurück, nach links, und er stürmte auf mich zu und wollte mich mit der Wucht seines Schildes niederrennen, doch ich war schon nach rechts ausgewichen und wehrte sein Schwert mit meiner Klinge ab. Als hätte die Glocke des Jüngsten Gerichts geschlagen, so laut klirrte es, als beide Eisen aufeinanderprallten. Und wieder stach ich zu, zielte diesmal auf seine Hüfte, traf aber ins Leere, weil er schon zurückgesprungen war. Mein Arm zitterte unter der Nachwirkung des heftigen Aufpralls der Schwerter. Ich bewegte mich schnell, er musste sich erneut umdrehen, ich täuschte einen Stoß vor und sprang schon nach links, als er sich mir zuwendete. Der Boden war sumpfig. Ich fürchtete auszurutschen, wusste aber, dass Geschwindigkeit mein einziger Vorteil war. Ich musste ihn in Bewegung halten, ihn zu vergeblichen Schlägen herausfordern und selber jede Gelegenheit nutzen, mit der Spitze meines Schwertes zuzustechen. Lass ihn bluten, dachte ich, ermüde ihn. Doch er durchschaute meinen Plan und versuchte, mich mit kurz geführten Hieben zu entmutigen. Immer wieder rauschte |sein schweres Schwert durch die Luft. Er wollte, dass ich abwehrte, und hoffte darauf, meinen Schlangenhauch zerschlagen zu können, wenn sich die Klingen träfen. Genau das fürchtete ich, denn auch das beste Schwert kann brechen.

Er zwang mich zurück und versuchte, mich in Richtung der Zuschauer auf der Anhöhe zu drängen, um mir direkt vor ihnen den Garaus machen zu können. Ich gab ihm nach, wich dann aber, als ich mit dem linken Fuß ins Rutschen geriet, nach rechts aus und fiel auf das rechte Knie. Die Menge japste, und eine Frau stieß einen Schrei aus, denn Steapas riesiges Schwert fuhr wie eine Axt in Richtung meines Nackens herab. Doch ich war nicht ausgerutscht, sondern hatte nur so getan. Auf den rechten Fuß gestützt, sprang ich zur Seite, wich so seinem Hieb aus und kam an seine rechte Seite, während er den Schild herumriss und mit dessen eisernem Rand meine Schulter streifte, und mir fuhr durch den Sinn, dass ich einen blauen Fleck bekommen würde, doch ich hatte mir auch einen Herzschlag Zeit verschafft und nutzte die Gelegenheit, ließ meine Klinge vorschnellen, durchbohrte sein Kettenhemd und traf mit der Spitze auf die Rippen seines Rückens. Brüllend fuhr er herum und riss sich so von meiner Waffe frei, doch ich zog mich schon wieder zurück.

Nach zehn Schritten hielt ich an. Auch er war stehen geblieben und beobachtete mich. Sein flächiges Gesicht verriet leichtes Erstaunen. Angst war immer noch nicht zu erkennen, nur Erstaunen. Er setzte den linken Fuß nach vorn, um mich zum Angriff herauszufordern. Doch ich war von Harald gewarnt und wusste um den eisenbewehrten Stiefel. Er hoffte, dass ich ihn angreifen würde, und er würde sich auf das Eisen an seinem Stiefel verlassen, während er auf mich einhacken und mich verbluten lassen|199|wollte. Ich lächelte ihn an und warf Schlangenhauch von meiner rechten in die linke Hand und gab ihm damit ein neues Rätsel auf. War ich vielleicht einer der wenigen Männer, die ihr Schwert mit beiden Händen gleichermaßen gut zu führen vermochten? Er zog den Fuß zurück. «Warum nennt man dich Steapa Snotor?», rief ich ihm zu. «Schlau bist du nicht. Im Gegenteil, du bist so dumm wie ein faules Ei.»

Ich versuchte, ihn in Wut zu versetzen, und hoffte, dass er dann unvorsichtig wurde. Doch meine Beleidigung prallte von ihm ab. Statt im Zorn auf mich zuzustürmen, näherte er sich langsam und mit Bedacht, den Blick auf das Schwert in meiner Linken gerichtet und von Stimmen aus der Menge angefeuert, mich zu töten. Da rannte ich unvermittelt auf ihn zu und wich dann nach rechts aus, und weil er dachte, dass ich diesen Schritt nur vortäuschte, um ihn im letzten Moment von der anderen Seite anzugreifen, holte er mit dem Schwert aus und bot mir so den linken Arm, auf den ich mit meinem Schlangenhauch einhieb. Ich spürte, dass die Klinge an den Ösen des Kettenhemdes entlangkratzte, doch es hielt dem Aufprall stand. Im Zurückspringen wechselte ich die Waffenhand und wagte einen neuerlichen Ausfall, musste aber sogleich einem wuchtigen Gegenschlag ausweichen, der mich nur um Haaresbreite verfehlte.

Es war wie bei einer Bullenhatz. Er, der Bulle, musste versuchen, mich in eine Lage zu bringen, in der er mich mit seiner überlegenen Kraft und Masse zu Fall bringen konnte. Ich war der Hund, und meine Aufgabe war es, ihn zu reizen und immer wieder zuzubeißen, bis er schließlich müde wurde. Er hatte damit gerechnet, dass ich ihm mit Kettenhemd und Schild entgegentreten würde und dass wir einige kurze Angriffe durchführen würden, bevor |200|meine Kräfte erlahmten und er mich mit seinen kräftigen Schlägen zu Boden zwingen konnte, um mich dann mit seinem großen Schwert in Stücke zu hauen. Doch bis jetzt hatte mich seine Klinge noch nicht berührt. Allerdings war es auch mir nicht gelungen, ihn zu schwächen. Die beiden Stiche hatten wohl geblutet, ihn aber kaum verletzt. Er drängte nun wieder vor, um mich am Flussufer in die Enge zu treiben. Auf dem Damm schrie eine Frau, und ich glaubte, dass sie meinen Gegner anzustacheln versuchte. Der Schrei wurde lauter, während ich immer weiter zurückwich. Schließlich warf er sich mir entgegen, worauf ich nach rechts auswich und die Seiten mit ihm tauschte, damit er sich umdrehte. Doch da hielt er plötzlich inne, starrte an mir vorbei und senkte Schild und Schwert. Und ich hätte nur noch zustoßen müssen. Ich hätte ihn töten können. Ich hätte ihm mein

Schwert in die Brust, in den Hals oder den Bauch rammen können, tat aber nichts davon. In Kampfesdingen war Steapa alles andere als ein Narr. Ich glaubte, dass er mich zu täuschen versuchte, und schlug die Einladung zum Angriff aus. Wenn ich zustieße, dachte ich, würde er mich zwischen seinem Schild und seinem Schwert zerquetschen. Er wollte, dass ich ihn für wehrlos hielt und mich in die Reichweite seiner Waffen bewegte, doch stattdessen tat ich es ihm gleich und bot ihm mit ausgebreiteten Armen an, mich anzugreifen, so wie er mir anbot, ihn anzugreifen.

Doch er beachtete mich nicht. Er starrte einfach nur über meine Schulter. Die Schreie der Frau waren inzwischen schrill geworden, Rufe von Männern wurden laut. Ich hörte Leofric meinen Namen brüllen und sah, dass die Zuschauer nicht mehr auf uns achteten, sondern in Panik davonliefen. …