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Bernhard Cornwell - „Die Herren des Nordens“

Uhtred Saga 3

ISBN: 9-783-499-40791-6

 

Klappentext:

Mein Schwert kann mir die ganze Welt erobern

Uhtred, der Krieger, hat in der Schlacht von Ethandun das letzte englische Königreich gerettet. Nun kehrt er zurück in seine vom Krieg erschütterte Heimat. Tritt ein in den Dienst König Guthreds von Northumbrien, den er selbst aus dänischer Gefangenschaft befreit hat. Doch sein neuer Herr verrät ihn. An die Ruder eines Sklavenschiffs gekettet, beginnt für Uhtred eine Reise ins Ungewisse. Wird er je wieder englischen Boden betreten?

Die Uhtred-Romane, Band 3

 

Inhalt:

Uhtred hält es nicht bei seiner Familie. Er ist nicht als Lanbesitzer geboren, sondern als Krieger. Und so zieht er wieder in die Schlacht.

Während es für ihn recht gut läuft,   müssen seine Frau und sein Kind fliehen. Er denkt zwar hin und wieder an sie, aber hat keine Ahnung, was aus ihnen geworden ist.

Als er wieder einmal auf seine Frau trifft, ist ihr Hass auf ihn noch einmal gestiegen. Ihr gemeinsamer Sohn ist verstorben und sie macht ihm zum Vorwurf, dass sie ihm egal gewesen wären. Die Ehe ist gescheitert und sie will in ein Kloster.

Uhtred wird unterdessen versklavt, kann nur unter großer Anstrengung überleben und sinnt auf Rache.

Aber auch er ist ein Mann und so manche Frau lässt sein Herz höher schlagen.

 

Leseprobe:

… Sverri küsste sein Hammeramulett. Er hatte ein Vermögen verloren, aber er war reich und konnte es verschmerzen. Doch er wollte auch reich bleiben, und er wusste, dass er von dem roten Schiff verfolgt wurde und dass es vor der Küste bleiben würde, bis es uns gefunden hatte, und deshalb ließ er, als es dämmrig wurde, das Segel einholen und befahl uns an die Ruder.

Wir hatten uns nach Norden gewandt. Das rote Schiff war immer noch hinter uns, doch es lag weit zurück, und manchmal verbargen uns die Regenschauer, und wenn es ein größerer Regenschauer war, ließ Sverri das Segel einholen und steuerte denTrader gegen den Wind nach Westen, |und seine Männer peitschten auf uns ein. Zwei von seinen Leuten legten sich sogar selbst in die Ruder, damit wir über den immer dunkler werdenden Horizont entkommen konnten, bevor das rote Schiff bemerkte, dass wir den Kurs gewechselt hatten. Es war eine grausame Anstrengung. Die schweren Böen drückten gegen das Schiff, und steil tauchten wir in die Wellentäler hinein, und jeder Ruderschlag brannte in den Muskeln, bis ich glaubte, vor Erschöpfung die Besinnung zu verlieren. Erst die vollkommene Dunkelheit erlöste uns. Sverri konnte die hohen Wellen, die von Westen heranwogten, nicht mehr sehen, und so ließ er uns die Ruder einholen und die Ruderlöcher verschließen. Und dann lagen wir wie Tote in unserem Schiff, das von der nächtlichen See auf Wellenberge getragen und in tiefe strudelnde Täler hinabgeworfen wurde.

In der Morgendämmerung waren wir allein auf dem weiten Meer. Wind und Regen trieben von Süden heran, und das bedeutete, dass wir nicht rudern mussten, sondern das Segel aufziehen und uns vom Wind über die grauen Wassermassen tragen lassen konnten. Ich blickte mich nach dem roten Schiff um, doch es war nirgends zu sehen. Da waren nur die Wellen und die Wolken und die Regenschauer, die über unser Erwachen zogen, und die wilden Vögel, die wie kleine, weiße Tuchfetzen in dem scharfen Wind taumelten, und der Trader schoss in diesem Wind so schnell dahin, dass die Wellen an unseren Bordwänden entlangrauschten, und Sverri stand am Steuer und pries sein Entkommen Und so kehrten wir nach Britannien zurück. Sverri hatte nicht

vorgehabt, hierher zu fahren, und er hatte auch keine Ladung zu verkaufen, und obwohl er an Bord Münzen versteckt hatte, mit denen er Waren kaufen konnte, mussten sie auch dafür ausreichen, uns am Leben zu erhalten. Er war dem roten Schiff entgangen, aber er wusste, dass es ihm bei seiner Rückkehr an der jütländischen Küste auflauern würde, und bestimmt dachte er über einen anderen Ort nach, an dem er sicher überwintern konnte. Das bedeutete, dass er einen neuen Herrn finden musste, der ihm Schutz bot, während er den Trader ans Ufer holte, um ihn zu reinigen, zu flicken und zu kalfatern, und dafür würde dieser Herr Silber fordern. Wir Ruderleute reimten uns aus aufgeschnappten Gesprächsbrocken zusammen, dass Sverri eine letzte Ladung aufnehmen, damit nach Dänemark fahren und sie dort verkaufen wollte. Dann wollte er nach einem sicheren Hafen suchen, von dem aus er sich über Land auf den Weg nach Hause machen konnte, um das Silber zur Bezahlung der Handelsreise des kommenden Jahres zu holen. Wir lagen vor der britannischen Küste. Ich erkannte nicht, wo genau wir uns befanden, aber ich wusste, dass es nicht Ostanglien war, denn vor uns lagen Felsgestein und schroffe Hügel. «Hier gibt’s nichts zu kaufen», murrte Sverri.

«Vielleicht Felle?», überlegte Hakka.

«Und welchen Preis bringen die um diese Jahreszeit ein?», fragte Sverri wütend. «Wir kriegen nur, was sie im Frühjahr nicht losgeworden sind. Nichts als wertloses Zeug, an dem überall die Schafsköttel kleben. Da lade ich noch lieber Kohle.»

An einem Abend suchten wir uns einen Platz in einer Flussmündung, und bewaffnete Reiter erschienen am Ufer, |242|um uns in Augenschein zu nehmen, doch sie ließen die kleinen Fischerboote, die auf dem Strand lagen, unbenutzt liegen, und deuteten damit an, dass sie uns in Ruhe lassen würden, wenn wir sie ebenfalls in Ruhe ließen. Kurz bevor es dunkel wurde, kam ein weiteres Handelsschiff in die Mündung und ankerte ganz in unserer Nähe. Der dänische Schiffsführer bestieg ein kleines Boot und ruderte damit zu uns herüber, und dann hockten Sverri und er in dem Raum unter der Steuerplattform und tauschten Neuigkeiten aus. Wir konnten nichts davon hören. Wir sahen die beiden Männer nur Bier trinken und sich unterhalten. Der Fremde ging, bevor die Nacht sein Schiff vollkommen verschluckt hatte, und Sverri schien diese Unterhaltung erfreut zu haben, denn am nächsten Morgen rief er seinen Dank in Richtung des anderen Schiffes und befahl uns, den Anker zu lichten und uns an die Ruder zu setzen. Es war ein windstiller Tag, glatt lag das Meer vor uns, und wir ruderten an der Küste entlang nordwärts. Ich starrte aufs Land, sah Rauch von den Kochfeuern der Siedlungen aufsteigen und dachte daran, dass dort die Freiheit lag. Ich träumte von der Freiheit, doch inzwischen glaubte ich nicht mehr daran, dass ich sie jemals wiederfinden würde. Ich dachte, ich würde an diesem Ruder sterben, wie so viele andere, die unter Sverris Peitsche gestorben waren. Von den elf Ruderern, die an Bord gewesen waren, als man mich zu Sverri gebracht hatte, lebten nur noch vier. Finan war einer von ihnen. Wir hatten jetzt vierzehn Ruderleute, denn Sverri hatte die Toten ersetzt und, seit ihn das rote Schiff bedrohte, noch mehr Sklaven für seine Ruder gekauft. Manche Schiffsführer ließen lieber freie Männer für sich rudern, aber diese Männer erwarteten einen Anteil des Gewinns, und Sverri war ein Geizhals.

Am späten Vormittag erreichten wir die Einmündung |eines Flusses, und ich sah auf einer Landzunge an seinem südlichen Ufer einen hohen Holzstapel, der angezündet werden sollte, falls Plünderer kamen, um die Leute hinter der Küste zu warnen. Und ich hatte diesen Holzstapel schon früher einmal gesehen. Er war wie hundert andere seiner Art, und dennoch erkannte ich ihn wieder, und deshalb wusste ich, dass er bei den Ruinen der römischen Festung lag, wo meine Versklavung ihren Anfang genommen hatte. Wir waren an die Mündung des Tine zurückgekommen.

«Sklaven!», verkündete uns Sverri. «Das kaufen wir hier. Sklaven, genau wie ihr Bastarde es seid. Außer, dass es Frauen und Kinder sind. Schotten. Versteht hier jemand ihre Dreckssprache?» Niemand von uns antwortete. Es musste auch keiner von uns Schottisch verstehen, denn die Sprache von Sverris Peitsche war auch so verständlich genug.

Sklaven nahm er nicht gerne als Ladung auf, denn sie erforderten ständige Überwachung und Verpflegung, doch der andere Händler hatte ihm von Frauen und Kindern erzählt, die vor kurzem erst in einer dieser endlosen Grenzzwistigkeiten zwischen Northumbrien und Schottland gefangen worden waren, und diese Sklaven versprachen sehr gute Gewinne einzubringen. Falls von den Frauen und Kindern welche hübsch waren, würden sie auf den jütländischen Sklavenmärkten hohe Preise erzielen, und Sverri musste gute Geschäfte machen, und deshalb ruderten wir mit der Flut den Tine hinauf. Es ging auf Gyruum zu, und Sverri wartete, bis die Wasserlinie fast den Saum aus Tang und Treibgut erreicht hatte, der den Höchststand der Flut anzeigte, bis er den Traderaufs Ufer laufen ließ. Das tat er nicht oft, doch er wollte, dass wir den Rumpf abkratzten, bevor wir uns auf den Weg nach Dänemark machten. Außerdem war es bei einem |244|auf Grund gesetzten Schiff leichter, menschliche Fracht einzuladen. Also brachten wir denTrader ans Ufer, und ich sah, dass die Sklavenpferche wieder aufgebaut worden waren und auf dem zerstörten Kloster ein neues Strohdach lag. Alles war wie zuvor.

Sverri ließ uns Sklavenkragen umlegen, die aneinandergekettet wurden, sodass wir nicht entkommen konnten, und dann, während er die Salzmarsch durchquerte, schabten wir mit Steinen den freiliegenden Schiffskörper ab. Finan sang bei der Arbeit in seiner irischen Sprache, aber manchmal lächelte er mich auch schief an. «Zieh die Abdichtung zwischen den Bohlen raus, Osbert», sagte er.

«Damit wir sinken?» …