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Bernhard Cornwell - „Schwertgesang“

Uhtred Saga 4

ISBN: 9-783-499-24802-3

 

Klappentext:

Ich war ein Kriegsherr in all seiner Pracht, und ich war gekommen, um zu töten.

Im Jahre 885 herrscht ein brüchiger Friede in England. Den größten Teil des Landes halten die Dänen besetzt, nur Wessex im Süden ist noch frei. Dessen König Alfred beauftragt Uhtred den Kämpfer, die große Stadt Lundene zurückzuerobern. Wer sie hält, kontrolliert die Themse, Englands Lebensader. Aber herrschen soll nicht Uhtred, sondern sein unfähiger Vetter Æthelred. Uhtred fühlt sich an seinen Eid gebunden, er nimmt die Stadt für Æthelred ein. Der aber begeht prompt eine furchtbare Dummheit, und seine schwangere Frau gerät in die Hände der Nordmänner. Nur einer wagt sich ins feindliche Lager: Uhtred. Dort wartet indessen eine Überraschung auf ihn.

Die Uhtred-Romane, Band 4

 

Inhalt:

Band 4 der Uhtred Saga wird etwas ruhiger. Man merkt, dass der Krieger nicht mehr der Jüngste ist und sich so langsam aber sicher die Hörner abgestoßen hat. Er scheint zufrieden mit seiner aktuellen Frau, hegt aber noch immer den Wunsch, Bebbanburg von seinem Onkel zurück zu erobern.

Uhtred zieht für andere Herren in verschiedene Schlachten, ist aber nach wie vor auf seinen eigenen Vorteil bedacht.

Dieser Band hat mir auf jeden Fall mal mehr Spaß gemacht, als die voran gegangenen.

 

Leseprobe:

… Ein Speer stocherte nach meinen Knocheln. Eine zweite Axt fuhr auf meinen Schild nieder. Auf die ganze Breite unserer kurzen Reihe gingen zahllose Schlage nieder, die Schilde splitterten, und der Tod lauerte auf uns. Ich hatte keine Axt, die ich schwingen konnte, denn mir hat diese Waffe nie sonderlich gelegen, obwohl ich wusste, wie todlich sie sein konnte. Ich hielt Wespenstachel in der Hand, hoffte, dass Sigefrid ganz bis an mich herankommen wurde, sodass ich meine Klinge an seinem Schild vorbei in seinen fetten Wanst rammen konnte, doch er hielt sich eine Axtlange entfernt, und mein Schild war gebrochen und ich wusste, dass mir einer der nachsten Hiebe den Unterarm zerschmettern und in eine nutzlose Masse aus Blut und Knochenstucken verwandeln wurde. Ich wagte einen Schritt nach vorn. Ich bewegte mich schnell, sodass Sigefrids nachster Hieb nicht traf, obwohl der Axtstiel an meine linke Schulter prallte. Er musste seinen Schild senken, um mit der Axt ausholen zu konnen, und ich sties mit Wespenstachel nach ihm, und die Klinge fuhr auf seine rechte Schulter nieder, doch sein gutes Kettenhemd hielt. Er tat einen Schritt zuruck. Ich wollte ihm Wespenstachel durchs Gesicht ziehen, doch da rammte er seinen Schild gegen meinen und drangte mich zuruck, und im Augenblick darauf lies er schon wieder seine Axt auf meinen Schild herabfahren.

Er verzog sein Gesicht zu einer Maske aus verfaulten Zahnen, zornblitzenden Augen und struppigem Bart. Ich will dich lebend, sagte er. Er holte mit der Axt seitlich aus, und mir gelang es, meinen Schild so zu drehen, dass die Klinge nur gegen den Schildbuckel krachte. ≪Lebend≫, wiederholte er, und du stirbst einen Tod, den ein Mann verdient, der seinen Eid gebrochen hat.

Ich habe Euch keinen Eid geleistet≫, knurrte ich. Aber du wirst sterben, als hattest du es getan, sagte er, ≪mit Handen und Fusen an ein Kreuz genagelt. Und deine Schreie werden erst enden, wenn ich sie nicht mehr horen will.≫ Erneut verzerrte sich sein Gesicht, als er mit der Axt zum letzten Hieb ausholte, mit dem er meinen Schild endgultig zersplittern lassen wollte. ≪Und ich ziehe dir die Haut ab, Uhtred, du Betruger, sagte er, und dann gerbe ich sie und beziehe meinen Schild damit. Und ich pisse in deine tote Kehle und tanze auf deinen Knochen.≫ Er schwang die Axt, und der Himmel fiel herab.

Ein langes Stuck Mauerwerk war von der Wehrmauer gewalzt worden und sturzte krachend in Sigefrids Reihen. Uberall waren Staub und Schreie und verletzte Manner. Sechs Krieger waren getroffen, sie lagen auf dem Boden oder tasteten nach gebrochenen Gliedmasen. Sie waren alle hinter Sigefrid, und er wandte sich nach der neuen Ver-wirrung um, und genau in diesem Moment sprang Osferth, Alfreds Bastardsohn, von dem Tor herab.

Er hatte sich die Beine brechen mussen, doch irgendwie uberstand er den unheimlichen Sprung unverletzt. Er kam zwischen Steintrummern und zerschmetterten Korpern auf, die zu Sigefrids zweiter Linie gehort hatten, und er schrie wie ein Madchen, als er sein Schwert gegen den Kopf des riesigen Norwegers schwang. Die Klinge donnerte gegen Sigefrids Helm. Sie zerschlug das Metall nicht, doch der Hieb musste Sigefrid fur einen Moment betaubt haben. Ich hatte meinen Schildwall geoffnet, indem ich zwei Schritte vorwarts tat, und ich rammte meinen gebrochenen Schild gegen den benommenen Mann und stach mit Wes-penstachel nach seinem linken Schenkel. Dieses Mal brach die Klinge durch die Glieder seiner Kettenrustung und ich drehte sie, durchschnitt Muskeln. Sigefrid schwankte, und in diesem Moment stach Osferth, aus dessen Gesicht reines Grauen sprach, dem Norweger sein Schwert ins Kreuz. Ich glaube nicht, dass Osferth klar war, was er tat. Er hatte sich vor Angst in die Hose gepisst, er war wie betaubt, er war vollkommen durcheinander, der Feind hatte sich neu aufgestellt und wollte ihn toten, und Osferth stach einfach mit der Kraft der Verzweiflung zu, und sein Schwert bohrte sich in Sigefrids Umhang aus Barenfell, in Sigefrids Kettenrustung und schlieslich in Sigefrid selbst.

Der gewaltige Mann schrie vor Schmerz. Finan war an meiner Seite, tanzte, wie er in der Schlacht immer tanzte, tauschte den Mann neben Sigefrid mit einem geraden Stos seines Schwertes, um dann blitzschnell seitwarts auszuholen und dem Mann die Klinge durchs Gesicht zu ziehen. Dann rief er Osferth zu, er solle zu uns kommen.

Doch Alfreds Sohn war wie erstarrt vor Entsetzen. Er hatte keinen Augenblick mehr zu leben gehabt, wenn ich nicht die Uberreste meines Schildes vom Arm geschuttelt und Osferth an dem schreienden Sigefrid vorbei und zu mir gezogen hatte. Ich schob ihn hinter mich in die zweite Reihe und wartete, ohne einen Schild zum Schutz, auf den nachsten Angriff. Mein Gott, ich danke dir, dir, Herr Gott, sei Dank≫, sagte Osferth. Er klang jammerlich. Sigefrid lag wimmernd auf den Knien. Zwei Manner zogen ihn weg, und ich sah Erik erschrocken auf seinen ver-wundeten Bruder starren. ≪Komm und stirb!≫, rief ich ihm zu. Doch Erik beantwortete meine Herausforderung nur mit einem traurigen Blick. Er nickte mir zu, als erkenne er an, dass mich der Brauch zwang, ihn zu bedrohen, dass diese Drohung seinen Respekt fur mich jedoch nicht schmalerte. Kommt!, reizte ich ihn, ≪kommt und lernt Schlangenhauch kennen! Ich komme, wenn ich bereit bin, Herr Uhtred≫, rief Erik zuruck. Seine Hoflichkeit allein bedeutete schon einen Tadel meines wilden Gebrulls. Er beugte sich zu seinem verletzten Bruder hinab. Sigefrids Verletzung hatte den Feind dazu gebracht, mit dem nachsten Angriff auf uns zu zogern. So konnte ich mich umdrehen und sah, dass Steapa den Angriff abgeschlagen hatte, der von der Stadt aus gegen uns gefuhrt worden war.

Was geht auf den Wehrturmen vor?≫, fragte ich Osferth. …