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Chris Priestley - „Dead Eyes – Der Fluch der Maske“

ISBN: 9-783-845-80375-3

 

Klappentext:

Im neuen Roman des Meisters düsterer Szenarien, Chris Priestley, ist Thrill von der ersten Seite an garantiert.

Alex, Sohn eines englischen Schriftstellers, reist mit seinem Vater nach Amsterdam und beginnt mit der hübschen Studentin Angelién die Stadt zu entdecken.

Auf einem Fohmarkt stößt er auf eine alte Maske, die er erwirbt und wenig später - allein in seinem Hotelzimmer- aufsetzt.

Plötzlich verändert sich die Welt um ihn, denn er beginnt seine Umgebung mit den Augen der früheren Maskenträgerin wahrzunehmen.

Während Alex mehr und mehr über dieses Mädchen mit der Maske erfährt, begibt er sich gleichzeitig auf einen schmalen Pfad zwischen Gefahr und Faszination.

 

Inhalt:

Alex macht mit seinem Vater eine Reise nach Amsterdam. Der Vater hat in seinem Verlag etwas zu klären. Außerdem hoffen Vater und Sohn, etwas Zeit miteinander verbringen zu können.

Doch der Verlag nimmt den Vater sehr in Beschlag, dass Alex mit Angeline um die Häuser zieht. So lernt er zwar Amsterdam kennen, aber auch ihren Freund Dirk, der sich als Ekelpaket entpuppt.

Doch eine alte japanische Maske ist es, die ihn in seinen Bann zieht. Alex kauft sie auf einem Trödelmarkt und von Anfang an ist etwas unheimlich an dem Ding. - Als Alex sie jedoch aufsetzt, sieht er durch andere Augen. Das Amsterdam zu den so genannten Goldenen Zeiten.

Aber der Bann der Maske ist gefährlich...

 

Leseprobe:

„Dann bemerkte Alex den Stock in seiner Hand und musste mehrmals blinzeln. Er konnte nicht glauben, was er sah. Er hielt die Lupe über den Knauf des Spazierstocks, doch egal, wie oft er ihn betrachtete, er war sich absolut sicher, es war der gleiche Knauf, der an dem Schlüssel seines Vaters hing.

Alex nahm die Karte von Hanna zur Hand. Der Schwindel, der ihn übermannt hatte, als er vor ihrem Gemälde stand, kam mit einem Mal zurück, als er ihre Kleidung betrachtete.

Alex hatte das Gefühl, noch mehr Details wahrzunehmen, als könnte er fast in das Gemälde klettern und sich ansehen, was er wollte.

Und dort auf Hannas Kleid unter dem Spitzenkragen war ganz deutlich eine Brosche mit einer kleinen Kamee erkennbar. Alex nahm seinen Schlüssel in die Hand – daran baumelten die Reste eben dieser Brosche. Und mit Blick zurück auf das Bild, erkannte er im Halbdunkel hinter Hanna dieselbe Uhr, die auch in seinem Zimmer tickte.

Wie konnte das sein? Es schien fast, als wären das Zimmer und das Hotel wie ein Magnet, der all diese Dinge an ihren Ursprungsort zurückbrachte.

Irgendwie war die Frau des Hotelmanagers wie ein unbewusster Bote gewesen, und jetzt war das, was sie dazu getrieben hatte, all diese Dinge zu kaufen, auf Alex übergegangen.

Alex sah auf die Maske vor sich auf dem Bett. Er wusste jetzt mit Sicherheit: Dies war nicht irgendeine Kopie der Maske auf dem Gemälde; es war dieselbe Maske.

»Fertig?«, sagte sein Vater, der durch die Verbindungstür ins Zimmer trat.

Alex zuckte zusammen und sammelte schnell die Postkarten ein, wobei eine auf den Boden fiel.

»Kannst du nicht anklopfen?«, fragte Alex und hob die Karte auf.

»Wieso?«, sagte sein Vater. »Irgendwas zu verbergen?«

»Nein«, sagte Alex. »Darum geht es nicht.«

»Schon gut«, sagte sein Vater. »Reg dich nicht auf. Das nächste Mal klopf ich an, okay?«

Alex schnaubte und legte die Postkarten auf die Kommode. Sein Vater beugte sich darüber und sah sie sich an.

»Was hast du da?«, fragte er und nahm eine in die Hand.

»Nur ein paar Postkarten«, sagte Alex. »Angelien und ich waren heute im Rijksmuseum.«

»Wirklich?«, sagte sein Vater und hob die Augenbrauen. »Wusste gar nicht, dass dich so was interessiert.«

Alex’ Gedanken kämpften noch immer mit der Vorstellung, dass alle Dinge aus dem Zimmer wieder dorthin zurückkehrten.

»Ich interessiere mich für viele Dinge, von denen du nichts weißt«, sagte Alex. »Muss ja nicht immer der Zweite Weltkrieg sein. Durch Angelien wird außerdem auch vieles interessant.«

»Oh«, sagte sein Vater und nickte bedeutsam.

»Und was soll das jetzt wieder heißen?«, blaffte Alex.

»Nichts«, sagte sein Vater. »Ist auch alles in Ordnung?«

»Ja«, sagte Alex. »Tut mir leid.«

»Schon gut. Komm. Lass uns gehen. Ich bin am Verhungern.«

Das Restaurant befand sich in einer schmalen Seitenstraße der Prinsengracht. Der Innenraum war recht eng und höhlenartig. Es gab nur wenige Tische, aber alle waren besetzt, meist von ernst wirkenden Pärchen. Auf den Tischen brannten Teelichter. Ganz hinten im Raum konnte er Saskia winken sehen. Angelien drehte sich um und lächelte.

»Hallo ihr beiden«, sagte Saskia. »Kommt, setzt euch doch. Sie haben uns zuerst vorne einen Tisch an der Tür gegeben, aber da hat es so gezogen, also hab ich uns hierher setzen lassen.«

»Einen Meter weiter«, sagte Alex’ Vater, »und wir hätten in der Küche selber kochen dürfen.«

»Unsinn«, sagte Saskia. »Ich sitze im Restaurant gerne in der Nähe der Küche. Da kann man die ganzen Gewürze riechen und hören, wie das Essen zubereitet wird.«

Sie sagte dies mit Blick auf Alex, und Alex lächelte verlegen, da er nicht wusste, was er ihr antworten sollte.

»Und? Wie war der Tag?«, fragte Saskia. »Ich hab gehört, Angelien und du wart im Rijksmuseum. Interessierst du dich für Kunst?«

Alex warf seinem Vater einen Blick zu.

»Ja, schon«, antwortete er. »Mir gefallen Bilder. Die hätten aber ruhig ein wenig farbiger sein können.«

Saskia musste lachen.

Alex’ Gedanken trieben zurück zu den Postkarten. Er musste dringend mit Angelien reden.

»Ja, die sind tatsächlich manchmal etwas düster«, sagte Saskia.

»Wenn du aber Farben magst, solltest du wirklich mit Angelien ins Van Gogh Museum gehen. Magst du van Gogh?«

»So sagt man hier zu van Gogh«, sagte Alex’ Vater, der den verwunderten Gesichtsausdruck seines Sohnes sah. »›VanHoch‹– wie in Hochzeit.«

»So sagt man nicht hier, so heißt er«, bemerkte Saskia empört. »So schwer ist es auch wieder nicht, seinen Namen richtig auszusprechen.«

»Wein?«, fragte die Kellnerin, die an ihren Tisch gekommen war.

»Oh – ich nehm, was du hast, Saskia«, sagte Alex’ Vater.

»Dann noch einen Sangiovese«, sagte Saskia. »Was ist mit dir, Alex. Cola? Oder vielleicht einen Orangensaft?«

»Nein danke«, sagte Alex. »Nur Wasser bitte. Ich bin echt durstig.«

Die Kellnerin reichte ihnen die Karte und zeigte auf einer großen Tafel das Tagesmenü. Alex sah sich die Karte an und suchte nach Worten, die er verstand.

»Jeremy hat mir erzählt, du hättest dir auf dem Antikmarkt eine Maske gekauft?«, fuhr Saskia fort, als sie bestellt hatten.

»Ja«, sagte Alex und warf Angelien einen Blick zu.

Sein Vater seufzte und schüttelte den Kopf.

»Was hast du dir nur dabei gedacht, ihn dieses Ding kaufen zu lassen, Angelien?«, sagte er, ohne von der Karte aufzusehen. »Nur wieder herausgeworfenes Geld.«

»Ganz ehrlich«, antwortete Angelien. »Ich bin zwar kein Experte, aber ich glaube, Alex hat da vielleicht gar kein so schlechtes Geschäft gemacht. Ich glaube, die Maske könnte sogar eine sehr alte japanische Noh-Maske sein. Dann wäre sie viel mehr wert als zwanzig Euro.«

Alex’ Vater lächelte und schüttelte den Kopf.“