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Susanne Gerdom - „Grün die Erwartung“

Bernsteinzauber 1

ISBN: 9-783-641-19400-0

 

Klappentext:

Juli ist von der ersten Sekunde an von Ronan fasziniert. Ihre Ferien auf einer Insel mitten im Meer werden ihr durch Schwimmausflüge mit dem attraktiven Jungen deutlich versüßt. Doch als die beiden sich näher kommen, merkt Julie, dass etwas nicht stimmt. Wieso stößt er sie immer wieder von sich, nur um dann zu ihr zurückzukehren? Als Juli schließlich herausfindet, was Ronan wirklich ist, ist es fast zu spät. Muss er ins Meer zu seinem Volk zurückkehren, oder finden sie gemeinsam einen Weg, die Zukunft an Land zu verbringen? Wird die Liebe siegen? Eine fantastische Liebesgeschichte in sechs Teilen.

 

Inhalt:

Endlich Ferien!!! - Juli steht familiär vor der Entscheidung, ob sie die Druckerei der Eltern übernehmen soll, oder ob sie studiert. Sie ist in der Zwickmühle und will im Urlaub an der Nordsee darüber nachdenken. Gemeinsam mit zwei Freunden macht sie sich auf die Reise.

Juli ist frisch getrennt. Sie wirft den Ring ihres Exfreundes ins Wasser, als sie auf der Fähre sind, aber von der Liebe bleibt sie nicht verschont. Denn auf der Fähre ist ein geheimnisvoller Junge, von dem sie sich von Anfang an angezogen fühlt.

Akke, die Tante ihres Freundes, warnt sie vor diesem Jungen. Sie sieht gleich, dass sich zwischen den beiden etwas anzubahnen scheint. - Doch Juli lernt ihn trotzdem kennen und zarte Bande der Liebe spinnen sich zusammen.

 

Leseprobe:

„Es war kühl, ich bekam eine kleine Gänsehaut, als meine Zehen sich in den feuchten, kalten Sand bohrten. Die Nordsee rollte graublau über den Strand und zog sich wieder zurück, hinterließ einen dunkler gefärbten, glitzernden Saum. Ich atmete tief durch, zog mich aus und deponierte meine Sachen auf einem Stein. Dann rannte ich zum Wasser, unterdrückte einen Aufschrei, als meine Füße eintauchten, und ging langsam weiter, bis ich bis zu den Oberschenkeln im Wasser stand. Es war K A L T!

Ich ignorierte die Gänsehaut und ließ mich nach vorne fallen. Nach ein paar Schwimmzügen begann ich warm zu werden und genoss das Bad.

Ich war nie sonderlich sportbegeistert gewesen. Mannschaftssportarten, noch dazu mit Bällen – bleibt mir weg damit.

Aber Schwimmen war etwas ganz anderes. Das war eine Art der Bewegung, die ich liebte. Wenn es darum ging, mich schnell und elegant durchs Wasser zu bewegen, konnte mir kaum jemand das Wasser reichen … no pun intended.

Die Sonne glitzerte so stark auf dem Wasser, dass ich geblendet wurde, als ich den Kopf über die Wellen hob. Ich schnaufte wie ein Walross und schüttelte mir die nassen Haare aus dem Gesicht, dann trat ich Wasser, orientierte mich kurz und entschied, langsam zum Land zurückzuschwimmen, das beinahe erschreckend weit hinter mir lag. Ich wusste, dass es auf dieser Seite der Insel eine gefährliche Strömung gab, die unvorsichtige Schwimmer hinauszog, aber die lag etwa hundert Meter weiter nach Westen. Hier war ich sicher.

Ich schwamm eine Strecke langsam, dann wurde mir wieder kalt und ich begann zu kraulen. Dabei sieht man nicht viel von seiner Umgebung, und ich erschrak beinahe zu Tode, als etwas in einem Affenzahn an mir vorbeiglitt. Ich schluckte Wasser und kam aus dem Rhythmus. Ein Stück vor mir glitt das Etwas dunkel und stromlinienförmig durchs Wasser. Was war das, eine Robbe? Die kamen doch wohl kaum so nah an einen Schwimmer heran, dass sie ihn fast berührten.

Die Erscheinung wendete und kam zurück. Ich trat Wasser und kniff misstrauisch die Augen zusammen. Gut, es gab zwar Haie in der Nordsee, aber das waren harmlose Hunds- und Katzenhaie, keine Killer. Und sie bewegten sich in der Regel auch nicht in Strandnähe.

Das Wesen tauchte, glitt wie ein Schatten heran, bis es beinahe unter mir war, und schoss dann empor. Ich zog unwillkürlich die Beine an und ging unter.

Beim Auftauchen hörte ich das Lachen. Es klang dunkel und melodisch und äußerst amüsiert.

Ich schimpfte wie ein Rohrspatz, als ich wieder zu Atem kam, und hörte erst damit auf, als mein Gehirn mir erklärte, was meine Augen erblickten. Wieder klappte mein Mund auf und ich musste erneut einen Schluck Salzwasser inhalieren. Ich hustete und spuckte und fluchte in einem.

»Alles okay?«, fragte der junge Gott und machte Anstalten, mir auf den Rücken zu klopfen.

»Du hast mich erschreckt«, warf ich ihm vor und entzog mich der Berührung, die mich wahrscheinlich augenblicklich paralysiert hätte. Ich traute meinen Systemen keinen Schritt weit über den Weg, was diesen Jungen betraf.

»Tut mir leid«, sagte er, aber das amüsierte Glitzern in seinen Augen bewies, dass es ihm kein Stück leid tat. Er schien im Wasser zu stehen, ich konnte keine Bewegung sehen, mit der er sich oben hielt. Ich hatte überhaupt noch nie jemanden gesehen, der so geschmeidig und schnell im Wasser unterwegs war – außer er trug Flossen oder hatte einen Außenbordmotor.

»Schwimmen wir ein Stück?«, schlug er vor, und ich hatte »Ja« gesagt, ehe mein Gehirn mich daran hindern konnte.

Ich war eigentlich schon müde, aber neben dem Meeresgott zu schwimmen, brachte mein Blut derart in Wallung, dass ich neue Energie bekam.

Ich sah ihn aus dem Augenwinkel an, wie er durch die Wellen schnitt. Er nahm sein Tempo sichtlich zurück, um mich nicht abzuhängen, aber auch so waren seine Bewegungen so kraftvoll, sein Stil so elegant, dass ich neidisch wurde.

Er tauchte, und ich folgte ihm ein Stück, bis mir die Luft ausging. Im Auftauchen sah ich ihm nach und freute mich an der optischen Täuschung, die Wasser und Licht mir vorgaukelten: Er sah größer aus, schlanker, sein um den Kopf flutendes Haar hatte einen blaugrünen Schimmer und sein Körper schien mit Myriaden glitzernder Luftperlen bestickt zu sein, die wie winzige Schuppen wirkten.

Ich riss mich von dem zauberhaften Anblick los und tauchte auf. Nach Luft schnappend trat ich auf der Stelle, schüttelte Wasser und Haare aus den Augen und wartete eine halbe Ewigkeit darauf, dass auch er wieder an die Oberfläche kam. Meine Herren, er musste über die Lungenkapazität eines Apnoetauchers verfügen!

Als ich mich zu fragen begann, ob ich Hilfe holen sollte, rauschte es neben mir laut und sein Oberkörper brach durch die Wellen. Er schüttelte sich und lachte wie ein Kind.

Ich konnte nicht anders, ich lachte mit ihm. Diese pure Freude am Wasser, am Schwimmen – das konnte ich so gut verstehen!

Wir schwammen langsam zum Land zurück. Er stieg vor mir aus dem Wasser, was mir reichlich Gelegenheit lieferte, das Spiel seiner Muskeln zu bewundern. Und immer noch war seine goldbraun getönte Haut mit diesen Wasserperlen bedeckt, deren Schimmer nun nach und nach in der Sonne verging.

Seine Kleider lagen dicht neben meinen im Sand.

Ich trocknete mich gründlich ab und warf ihm immer wieder einen Seitenblick zu. Er stand einfach nur da, Wasser tropfte aus seinen Haaren, er bohrte seine langen, geraden Zehen in den Sand und hatte sein Gesicht mit geschlossenen Augen der Sonne zugewandt. Eine Gottheit, dem Meer entstiegen, um eine Jungfrau zu verführen.“