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Susanne Gerdom - „Gelb die Eifersucht“

Bernsteinzauber 3

ISBN: 9-783-641-19401-7

 

Klappentext:

Juli ist von der ersten Sekunde an von Ronan fasziniert. Ihre Ferien auf einer Insel mitten im Meer werden ihr durch Schwimmausflüge mit dem attraktiven Jungen deutlich versüßt. Doch als die beiden sich näher kommen, merkt Julie, dass etwas nicht stimmt. Wieso stößt er sie immer wieder von sich, nur um dann zu ihr zurückzukehren? Als Juli schließlich herausfindet, was Ronan wirklich ist, ist es fast zu spät. Muss er ins Meer zu seinem Volk zurückkehren, oder finden sie gemeinsam einen Weg, die Zukunft an Land zu verbringen? Wird die Liebe siegen? Eine fantastische Liebesgeschichte in sechs Teilen.

 

Inhalt:

Totales Drama! Juli versteht die Welt nicht mehr. In einem Moment ist Ronan der beste Partner den man sich nur wünschen kann und dann ist er eklig zu Juli und zieht mit einer atemberaubend schönen Frau auf dem Inselfest umher. Und dann die Beleidigungen. Juli bricht es das Herz.

Ihre Freunde versuchen sie aufzumuntern und den Urlaub trotzdem schön zu gestalten und Juli muss sich mal wieder Vorwürfe von Akke anhören, die von Anfang an gesagt hat, dass dieser Junge nichts für sie ist.

Soll es also nur ein kurzer und schmerzhafter Urlaubsflirt gewesen sein?

 

Leseprobe:

„Einige Minuten lang stand ich einfach nur so da, sah zu Ronans Hütte hinunter und malte mir aus, wie er mir die Tür öffnen, mich anlächeln, die Hand ausstrecken und mich ins Haus ziehen würde. Er würde mich langsam, zärtlich entkleiden, dabei mit seinen Fingerspitzen über meine glühende Haut streicheln, mich zum Zerfließen bringen, mich an sich pressen und erst wieder aus seinen Armen entlassen, wenn der Mond hoch am Himmel stand.

Meine Tagträume zerplatzten jäh, als sich unvermittelt die Tür öffnete. Ronan erschien und zog den Kopf ein, um unter dem niedrigen Türsturz hindurchzupassen. Er drehte sich um, sah zurück ins Innere der Hütte und sagte etwas. Ich hörte seine Stimme, dann sein Lachen, und erstarrte. Ronan war nicht allein? Die Enttäuschung packte mich mit eisernen Klauen und zerfetzte all meine Hoffnungen und Wünsche für diesen Tag. Er war nicht allein, er hatte keine Zeit für mich.

Ronan verließ die Hütte und wartete vor der Tür. Ich dachte daran, ihm zuzurufen, er möge auf mich warten, um eine schnelle Verabredung mit ihm zu treffen. Meinetwegen für den Abend oder zumindest für den nächsten Morgen. Das würde mir helfen, meine Enttäuschung zu überwinden. Aber mein Ruf blieb mir im Hals stecken, als eine Frau hinter Ronan aus der Tür trat. Sie lächelte ihn an, streckte die Hand aus, und er ergriff sie.

Es war, als träfe mich ein Blitz und ließe alle Leitungen durchschmoren. Ich stand steif und starr da und konnte nur zusehen. Dort neben Ronan stand die schönste Frau, der ich in meinem Leben je begegnet war. Sie war dunkelhaarig und goldhäutig, groß und schlank, war aber nicht heruntergehungert schlank wie ein Model, sondern sie hatte eher den durchtrainierten Körper einer Tänzerin. Ihre Haltung war aufrecht und graziös, sie hatte schlanke, ausdrucksstarke Hände und eine kurvige Figur, wegen der Männer bestimmt zum wilden Tier wurden. Diese Kurven konnte ich in allen Einzelheiten bewundern, denn sie trug nur ein dünnes, weit ausgeschnittenes Kleidchen, das gerade ihren Po bedeckte und einiges von ihrem wirklich sensationellen Dekolleté sehen ließ.

Mir wurde heiß und kalt. Was hatte Ronan mit dieser beinahe nackten Strandschönheit in seiner Hütte getrieben? Warum sah er so verdammt zufrieden aus? War sie der Grund für unsere geplatzte Verabredung? War sie der Grund, warum Akke mich so eindringlich gewarnt hatte? Trieb Ronan ein doppeltes Spiel mit mir?

Kalte und heiße Schauder überliefen mich. Ich fror und dann wieder brach mir der Schweiß aus. All das Gerede von wegen Seelengefährtin – das war nur ein Trick gewesen, um mich herumzukriegen. Ich sah die beiden wie durch ein Fernglas. Die Frau lächelte mit ihren Rosenblütenlippen und er beugte sich zu ihr, legte ihr die Hand um die Taille, zog sie an sich, als wollte er sie küssen. Er sagte ihr etwas ins Ohr und sie ließ ein perlendes Lachen hören und gab ihm einen festen Klaps. Die beiden standen sich sichtlich nahe. Zu nahe für eine flüchtige Bekanntschaft. Jede Geste, jeder Blick sprach von langer, tiefer, inniger Vertrautheit.

Ich sank zerschmettert in den Sand, konnte aber den Blick nicht abwenden. Da, sie nahm Ronans Hand! Er überließ sie ihr, lächelte mit einer Wärme und Zärtlichkeit auf sie hinab, die mir das Herz im Leib zerspringen ließ. So hatte er mich angesehen, genau so!

Die beiden sprachen leise miteinander, der Wind wehte den Klang ihrer Stimmen zu mir hin. Ich konnte nichts von der Unterhaltung verstehen, aber ich sah die Gesten, die Blicke, die zufällig wirkenden, zärtlichen Berührungen. Mir war schlecht, mir war wirklich kotzübel, ich fürchtete, mich jeden Moment übergeben zu müssen.

Hand in Hand gingen die beiden den Weg zum Ufer hinunter. Ich sah ihnen nach, dann stand ich auf und trabte wie von unsichtbaren Fäden gezogen hinter ihnen her. Ich wollte es nicht. Ich wollte nicht, dass ich noch mehr davon sehen musste. Die beiden turtelten miteinander wie Verliebte. Ronan hatte seinen Arm um ihre Schultern gelegt, sie ihren um seine Hüfte. Ihr Gang war geschmeidig und wiegend, aufreizend sexy. Diese Frau war einfach atemberaubend, neben ihr fühlte ich mich wie das hässliche Entchen, nur ohne jede Aussicht darauf, einmal ein Schwan zu werden.

Während ich ihnen folgte, dachte ich: Blöde Kuh, warum gehst du ihnen nach? Willst du das wirklich? Reicht es nicht, was du bisher gesehen hast? Was, wenn sie dich entdecken? Das wäre so oberpeinlich, dass ich genauso gut sterben könnte.

Ich blieb in Deckung und achtete darauf, keinen Lärm zu machen. Sie gingen geradewegs zum Wasser hinunter, achteten dabei nicht im Geringsten auf ihre Umgebung. Ich beobachtete, wie sie ihre Köpfe zusammensteckten, es sah so vertraut und intim aus, dass mir vor Schmerz ganz weh wurde.

Ohne sich umzusehen, ohne zu zögern oder zu stocken, spazierten sie Arm in Arm ins Wasser, wateten hinein, ließen sich in die Umarmung der Wellen fallen und tauchten synchron ab. Es wirkte wie ein einstudiertes Ballett – in einem Moment standen sie noch Seite an Seite, im nächsten sah ich ihre Kehrseiten und dann nichts mehr außer zwei identischen Schaumkrönchen im Wasser. Eine kleine, ängstliche Stimme in mir fragte sich, warum die beiden nicht wieder auftauchten. Aber ich wusste ja, dass Ronan sich wie ein Fisch im Wasser bewegte. Wahrscheinlich waren sie auf der anderen Seite der Buhne wieder aufgetaucht, sodass ich sie aus den Augen verloren hatte.

Ich wartete noch eine Weile, zitternd zwischen Enttäuschung, Kummer und einer winzigen Hoffnung, dass Ronan jeden Moment wieder auftauchen und mich anlachen würde, mir erklären, dass alles ein großer Irrtum und natürlich ich seine Seelengefährtin sei, die er mehr liebte als alles andere auf der Welt.

Aber natürlich geschah nichts davon. Die beiden waren fort, vom Wasser verschluckt, und ich stand da und dachte fröstelnd darüber nach, dass er kein einziges Mal zu mir gesagt hatte, dass er mich liebe.“