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Susanne Germdom - „Blau die Tiefe“

(Bernsteinzauber 4)

ISBN: 9-783-641-19403-1

 

Klappentext:

Juli ist von der ersten Sekunde an von Ronan fasziniert. Ihre Ferien auf einer Insel mitten im Meer werden ihr durch Schwimmausflüge mit dem attraktiven Jungen deutlich versüßt. Doch als die beiden sich näher kommen, merkt Julie, dass etwas nicht stimmt. Wieso stößt er sie immer wieder von sich, nur um dann zu ihr zurückzukehren? Als Juli schließlich herausfindet, was Ronan wirklich ist, ist es fast zu spät. Muss er ins Meer zu seinem Volk zurückkehren, oder finden sie gemeinsam einen Weg, die Zukunft an Land zu verbringen? Wird die Liebe siegen? Eine fantastische Liebesgeschichte in sechs Teilen.

 

Inhalt:

Juli ist allein im Wasser, als Ronan wieder Kontakt zu ihr aufnimmt. Sie versucht wirklich, ihn wieder los zu werden, aber das Wasser ist nun einmal sein Element und Juli hat keine Chance. Ronan will reden.

Ohne dass sie weiß wie, wacht Juli in einer Unterwasserhöhle wieder auf. Sie friert und bekommt Panik, doch Ronan ist bei ihr, kann sie beruhigen und erzählt ihr, was das Problem an ihrer Beziehung ist. Ja, er sieht sie als seine Seelenverwandte, aber er möchte sie eben auch nicht töten. Doch genau das kann passieren, wenn sie sich nicht vor seiner Schwester in Acht nehmen.

Juli und Ronan versöhnen sich. Ronan macht Juli einen Bernstein zum Geschenk, der ihr Fähigkeiten verleiht, von denen sie im Leben nicht geträumt hat und doch müssen sie ihre Beziehung geheim halten.

Die Vollmondphase kommt. Eine gefährliche Zeit, glaubt man Ronan.

 

Leseprobe:

„»Nur zwei Tage, die wir uns voneinander fernhalten müssen«, sagte er eindringlich. »Das kriegen wir hin. Und ich habe etwas, das dich beschützen wird.« Er nestelte an seinem Nacken herum. Jetzt erst betrachtete ich bewusst das Schmuckstück, das er an einem Silberkettchen um den Hals trug. Es war mir früher schon aufgefallen, aber ich hatte es nicht weiter beachtet, weil es nichts Besonderes war, einfach nur ein Bernsteintropfen an einer Kette. Ronan löste die Kette und legte sie mir behutsam um. Dann berührte er den Bernsteintropfen, der warm und weich wie ein lebendes Wesen auf meiner Brust ruhte. »Er schützt dich«, sagte Ronan ernst. »Solange du ihn trägst, kann dir nichts aus dem Meer Schaden zufügen. Wenn du mich liebst, dann nimm ihn nicht ab, nicht einmal zum Schlafen und ganz besonders nicht zum Schwimmen.«

Unsere Blicke verschränkten sich ineinander. Ich legte meine Fingerspitzen auf den Bernstein, der leicht zu pulsieren schien. »Du meinst das alles ernst«, murmelte ich, gründlich erschüttert.

Ronan legte seine Stirn an meine. Ich konnte in seinen Augen die endlosen Tiefen des Meeres erkennen. In dieser Sekunde glaubte ich ihm. Ich hätte mein Leben in seine Hand gelegt und darauf vertraut, dass er es beschützte.

Ronan schien das in meinen Augen gelesen zu haben, denn er senkte mit einem deutlichen Ausdruck der Erleichterung die Lider und nahm mein Gesicht zwischen seine Hände, um mich zu küssen.

Irgendwann schrak ich hoch, als wäre ich abrupt aus einem Traum gerissen worden. Ich umklammerte Ronans Arm und sagte: »Sie werden längst nach mir suchen! Sie müssen doch denken, ich wäre ertrunken!« Angst stieg in anschwellenden Wogen in mir auf. Boy und Leo. Ich hatte ihnen zugewinkt und war ins Wasser gegangen und dann war ich verschwunden. Sie mussten außer sich sein vor Sorge und Angst.

Ronan lächelte unerklärlicherweise. Er legte noch einmal zart seine Finger auf meine Lippen, dann stand er in einer einzigen geschmeidig fließenden Bewegung auf und reichte mir die Hand. »Wir müssen zurück, du hast recht«, sagte er bedauernd. »Ich bliebe am liebsten mit dir hier, aber das geht nicht.« Er zog mich auf die Beine.

Ich sah mich um. »Wo … wo geht es überhaupt hinaus?« Die Wände besaßen keine erkennbare Öffnung.

Ronan legte seinen Arm um meine Hüfte und sah mich eindringlich an. »Soll ich dich hinausbringen, wie du hergekommen bist? Das ist für dich die am wenigsten furchterregende Weise.«

Ich erwiderte verständnislos seinen Blick. »Wie bin ich denn hergekommen?«

Dann dämmerte mir, worauf er anspielte, und ich schüttelte heftig den Kopf. »Du machst das nicht noch einmal mit mir!« Ich wand mich aus seinem Arm und hob drohend die Hand. »Ich werde dir bei vollem Bewusstsein folgen oder ich bleibe hier und verhungere! Lach nicht, ich meine das todernst!«

»Ich lache nicht«, sagte er und biss sich auf die Wange. Seine Augen blitzten. »Gut, dann folge mir, meine tapfere, streitsüchtige Juli.« Er reichte mir wieder die Hand, die ich nach kurzem Zaudern ergriff. »Hör mir gut zu: Du wirst es zuerst beängstigend finden, aber bleibe ganz ruhig. Denk immer daran: Solange du den Bernstein trägst, schützt er dich vor allem, was aus dem Meer kommt.« Er beugte sich vor und unsere Lippen berührten sich ein letztes Mal. Dann gab er mir einen kräftigen Schubs und ich flog kreischend ins Wasser.

»Du Arsch«, spuckte ich und schüttelte das salzig brennende Wasser aus meinen Augen. »Das zahle ich dir heim, du verdammter …« Weiter kam ich nicht, denn kräftige Arme legten sich um meine Taille und zogen mich unter Wasser.

Ich trat um mich, Luftblasen sprudelten mir aus Mund und Nase, ich versuchte zu schreien, aber gleichzeitig wusste ich, dass ich ertrinken würde, wenn ich nicht augenblicklich die Ruhe bewahrte und meinen Atem sparte.

Also riss ich mich zusammen und vertraute darauf, das Ronan mich nicht ertränken wollte. Er hatte mich in diese Grotte geschafft, er würde mich auch wieder heil hinausbringen.

Ich versuchte, nicht wie ein nasser Sack in seinem Griff zu hängen, sondern mit ihm zu schwimmen, aber Ronan hielt inne, schloss seine Beine um meine und ich spürte ein Kopfschütteln an meiner Wange.

In mir stieg erneut die Panik hoch. Wir waren getaucht, hinab in völlig lichtlose Dunkelheit, und ich konnte nicht sehen, wohin es ging, wo oben war, wo unten, mir war jede Orientierung verloren gegangen. Ich bin oft getaucht, aber ich habe nie Höhlentauchen oder ähnliche Extremtauchgänge gemacht, nicht zuletzt deswegen, weil ich eine Höllenangst davor habe, in engen, dunklen Räumen eingesperrt zu sein. Und da war ich jetzt, denn die Dunkelheit gab mir das Gefühl, in einer winzigen Kiste eingeschlossen zu sein. In einer winzigen, finsteren, komplett mit Wasser gefüllten Kiste!

Ich konnte nicht anders, praktisch gegen meinen Willen begann ich, mich gegen Ronans Griff zu wehren. Er schlang seinen Arm um meine Schultern, gab mir einen festen Stoß gegen die Schulter und drehte mich zu sich um. Wir schwebten im Wasser, Gesicht an Gesicht, und für einen Moment vergaß ich alle Angst, wusste nicht mehr, dass ich keine Luft bekam, dass ich innerhalb kürzester Zeit ertrinken würde, denn ich sah in das Gesicht eines Märchenwesens.

Ich verspürte keine Angst. Er war so schön, dass ich mich in seinem Anblick verlor, in den riesigen, opalschimmernden Augen, aus denen sich Licht ergoss, der silbern glänzenden Haut, dem langen, strömenden, ozeanblauen Haar. Seine Lippen glänzten, als sie schimmernde Luftperlen ausströmten, die ich in mich aufnahm, ohne darüber nachzudenken, was ich tat. Ich atmete seine Essenz, ich trank seinen Atem und vergaß alles um mich herum. Er war so groß! Seine Hände waren lang und schlank, die Finger seiner Rechten umspannten meine Taille, seine Linke schwebte im Wasser und das feine Gespinst der Schwimmhäute zwischen den überlangen Fingergliedern fing das Licht in tausend glitzernden Fäden.“