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Susanne Gerdom - „Golden das Glück“

Bernsteinzauber 6

ISBN: 9-783-641-19405-5

 

Klappentext:

Juli ist von der ersten Sekunde an von Ronan fasziniert. Ihre Ferien auf einer Insel mitten im Meer werden ihr durch Schwimmausflüge mit dem attraktiven Jungen deutlich versüßt. Doch als die beiden sich näher kommen, merkt Julie, dass etwas nicht stimmt. Wieso stößt er sie immer wieder von sich, nur um dann zu ihr zurückzukehren? Als Juli schließlich herausfindet, was Ronan wirklich ist, ist es fast zu spät. Muss er ins Meer zu seinem Volk zurückkehren, oder finden sie gemeinsam einen Weg, die Zukunft an Land zu verbringen? Wird die Liebe siegen? Eine fantastische Liebesgeschichte in sechs Teilen.

 

Inhalt:

Was ein hochdramatisches Finale dieser Serie. Mal ehrlich, bei den Covern hätte ich so eine Dramatik nicht erwartet. Aber die Autorin hat es hier super hin bekomme, eine naive jugendliche Liebe mit so einer Dramatik zu würzen, dass man das durchaus schon mit ernstzunehmenden Beziehungen gleich setzen kann.

 

Juli hat Ronan schon wieder an seine Schwester verloren. Dieses Mal kann sie ihm aber nicht helfen, denn einen Krieg möchte sie auch nicht herauf provozieren. Deswegen waret sie in seiner Hütte auf ihn und als er dann nicht kommt, will sie sich umbringen. Lieber sterben, als für immer ohne Ronan zu sein. - Was eine Dramatik.

Aber auch Ronan kann nicht ohne seine Liebe sein und hat auch einen Plan, den er knallhart durchzieht.

 

Keine Ahnung, ob ich mich jetzt freuen soll, dass die Folter vorbei ist, oder ob ich traurig sein soll, dass die Story schon ihr Ende gefunden haben soll... Ich weiß es nicht, Freunde. - Auf jeden Fall kann ich euch diese Reihe nur wärmstens an Herz legen. Ich habe sie förmlich verschlungen und würde es durchaus begrüßen, wenn man die sechs Bände vielleicht noch mal in einem Buch zusammen fast. Das nimmt die Folter mit der Spannung etwas raus...

 

Leseprobe:

„Wie an meinem ersten Tag in Ronans Hütte verlor ich ein wenig den Verstand. Ich ertappte mich dabei, dass ich mit ihm redete. Ich zeigte ihm, wie viele Rosenknospen noch nicht aufgeblüht an dem riesigen Strauch standen, ich lachte mit ihm über die Kapriolen einer Möwe, ich schwamm an seiner Seite, bis mir die Puste ausging.

Er war da, auf eine gewisse Weise. Aber dennoch war da die ganze Zeit diese ungeheure Leere, dieses Gefühl eines Verlustes, an dem ich mich zerbrechen fühlte. Langsam, Stück für Stück. Ich zersprang in Zeitlupe und es war nur eine Frage der Zeit, wann ich vollständig auseinanderbrechen würde und nichts und niemand mich mehr würde kitten können. »All the king’s horses and all the king’s men couldn’t put Humpty together again«, sagte ich laut, und eine Möwe antwortete mit einem spöttischen Schrei.

Das brachte mich zum Lachen, und ich griff nach dem Besen, um die Hütte auszufegen. Es war irre, wie viel Sand ich jeden Tag hier hereintrug.

Die Sammlung an schönen Steinen und Muscheln neben dem Weg und rund um die Rosenbüsche wuchs. Ich ordnete sie gelegentlich neu, nahm jedes Stück auf, drehte es in den Fingern und betrachtete es. Die perlmutternen Farben schimmerten im Sonnenlicht und erinnerten mich an die Muschelhöhlen, in denen ich mit Ronan gefangen gewesen war. In die erste hatte er mich selbst entführt, die zweite war das Verlies, in das seine Schwester ihn gesperrt hatte. Ob er wieder in so einer Perlmuttgrotte saß? Eingesperrt, mit Wachen vor der Tür, in Ketten gelegt, bis sie ihn zu seiner Hochzeit schleiften?

Der Gedanke tat weh, so weh. Ich legte die Muschel ab und sprang auf, klopfte mir den Sand von den Händen und Knien und entschied, noch einen Spaziergang am Strand zu unternehmen. Heute Abend wollte ich bei Akke essen. Ich musste mich ohnehin bei ihr sehen lassen, also konnte ich das Nützliche mit dem Angenehmen einer warmen Mahlzeit verbinden, die nicht aus Spaghetti oder Ölsardinen bestand. Bei dem Gedanken an einen herzhaften Eintopf oder gebackenen Fisch mit Fritten lief mir das Wasser im Mund zusammen. Ein gutes Zeichen, oder? Jemand, der über Fritten nachdachte, konnte schließlich noch nicht vollkommen den Verstand verloren haben.

Der Wind fächelte meine Wangen, als ich mit gesenktem Blick an der Wasserkante entlanglief. Feucht glänzende, in der Sonne leuchtende Steine lockten mich an, ich hockte mich alle paar Meter hin und grub sie aus, drehte sie in den Fingern, entschied über Mitnehmen oder Fallenlassen. Muscheln waren heute rar, der Sand war dafür übersät mit blauen, in der Sonne vertrocknenden Quallen.

Ich lief ein Stück mit erhobenem Kopf, dann fühlte ich Steinchen und scharfkantige Muschelschalen unter meinen Füßen und ging wieder in den Sammelmodus. Ich fand eine schöne Austernschale, deren schorfig gebänderte Außenseite wunderschön mit dem perligen Schimmer ihres glatten Inneren kontrastierte. Ich wusste auch schon, wo ich die Schale hinlegen würde: Unter dem Rosenstrauch neben der Tür war der perfekte Sonnenplatz dafür.

Der nächste Schritt brachte mir ein großes Schneckenhaus in Rosa- und Rauchtönen, dann fand ich eine spiegelglatt geschliffene Miesmuschelschale und einen halben Meter weiter lag eine totale Rarität: ein großes Stück tiefblaues Meerglas mit einer wunderschön gefrosteten Oberfläche.

Ich lachte vor Freude und legte all diese Schätze behutsam in den Stoffbeutel, den ich auf meinen Wanderungen immer bei mir trug. Heute war mein Glückstag, heute würde ich noch etwas ganz Besonderes finden, das spürte ich!

Das Besondere traf mich am Ende des Strandstückes. Ich sah etwas in der Sonne glitzern, ganz kurz, als würde mir das Fundstück zuzwinkern. Als ich mich der Stelle näherte und in die Hocke ging, sah ich nichts, was diesen hellen Blitz hervorgerufen haben könnte. Dort lag eine kleine Ansammlung von Treibgut: mehrere Stücke verdreht geformtes Holz, eine kaputte Badelatsche, Trümmer von Muscheln und Schneckenhäusern, ein paar größere Steine und natürlich haufenweise Tang.

Ich pulte mit den Fingern in dem Tang herum und ein intensiver Geruch nach Salzwasser und faulem Fisch stieg davon auf. Das hätte mich beinahe zurückschrecken lassen, aber als ich die Hand zurückzog, berührte ich etwas Glattes, Kühles, das sich seltsam vertraut in meine Handfläche schmiegte.

Ich schüttelte den anhaftenden Tang und den klebrigen Sand ab und hob die Hand ans Licht. Glänzend wie ein Juwel aus dem Schatz der Königin von Saba lag ein silberner Ring auf meiner Handfläche. Mir stockte der Atem, als ich ihn mit spitzen Fingern aufnahm und vor die Augen hielt, um die Gravur darauf zu entziffern: OMNIA VINCIT AMOR.

Mein Ring. Es bestand nicht der winzigste Zweifel, denn ich erkannte den kleinen Kratzer, der aus dem »O« in »AMOR« ein schwedisches »Ø« zu machen schien.

Ich hockte da wie vom Blitz getroffen. Diesen Ring hatte ich ins Wasser geworfen, irgendwo zwischen Juist und hier. Es war vollkommen total unmöglich, dass er hier angeschwemmt worden war. Ich musste träumen.

Und in diesem Traum schob ich den Ring auf meinen Finger, wo er natürlich saß wie angegossen. Ich starrte ihn an. Meine Hand brannte, als wäre sie in Säure gebadet worden. Was hatte ich geschworen? Ehe dieser Ring nicht zu mir zurückkehrt, werde ich nicht mehr an die wahre, alles bezwingende Liebe glauben! Ich lachte bitter auf, das Lachen brach in einen Schluchzer. Ich glaubte an die wahre, alles bezwingende Liebe, o ja! Das hatte mir mein unbedachter Schwur also eingebracht, ich hatte diese Liebe erlebt und den verloren, an dem mir mehr lag als an meinem eigenen Leben.

Omnia vincit amor – die alles bezwingende Liebe. Alles, nur nicht Ronit und ihre rücksichtslosen Pläne. Wollte ich also wirklich kampflos aufgeben?

Ich erhob mich, ballte die Hand zur Faust und drohte der gleichgültigen See. »Ich bin noch nicht fertig mit dir«, rief ich. »Es gibt einen letzten Weg, und den werde ich gehen, wenn Ronan nicht bis zum Vollmond zu mir zurückgekehrt ist!«“