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Kazuaki Takano - „Extinction“

ISBN: 9-783-328-10009-6

 

Klappentext:

Jonathan Yeager wird im Auftrag der amerikanischen Regierung in den Kongo geschickt. Bei einem Pygmäenstamm sei ein tödliches Virus ausgebrochen. Die Verbreitung muss mit allen Mitteln verhindert werden. Doch im Dschungel erkennt Yeager, dass es um etwas ganz anderes geht: Ein kleiner Junge, der über unglaubliche Fähigkeiten und übermenschliche Intelligenz verfügt, ist das eigentliche Ziel der Operation. Kann es sein, dass dieses Geschöpf die Zukunft der Menschheit bedroht? Yeager weigert sich, das Kind zu töten. Er setzt alles daran, den Jungen in Sicherheit zu bringen. Eine gnadenlose Jagd auf die beiden beginnt.

 

Inhalt:

Ein Kind stirbt an einer Lungenkrankheit und sein Vater kann nicht bei ihm sein. Er muss das Geld für die teuren Behandlungen verdienen.

Zeitgleich erbt ein Student von seinem Vater ein Labor und einen mehr als gefährlichen Forschungsauftrag. Er will, nach dem er weiß, worum es geht, aber die Kinder retten.

Auch zeitgleich rettet der Vater, der sein Kind zu verlieren glaubt, einem anderen Kind das Leben. Dieser Junge ist eine Art Supermensch und sollte eigentlich als Gefahr beseitigt werden. Doch er ist nicht das ersten Exemplar dieser "neuen Rasse".

 

Leseprobe:

… Sie verschwanden auf der anderen Seite der Lichtung im Wald und zogen sich bis zu einer Stelle zurück, wo die Baumwipfel den Himmel verdeckten und sie nicht zu befürchten brauchten, der Satellit könnte sie beobachten. Yeager befahl Garrett, ein Ablenkungsmanöver zu starten. »Nimm Kontakt mit Zeta auf. Sag ihnen: Wir haben das ungewöhnliche Wesen gesucht, aber nicht gefunden.«

»Roger.«

»Und sag ihnen: Angel startet in vierundzwanzig Stunden.« Angel war das Signal dafür, dass der Angriff begonnen hatte.

Garrett setzte seinen Rucksack ab, zog einen Militär-Laptop heraus und fing an zu tippen.

»Was ist da drin?«, fragte Meyers.

»Ein Lebewesen, wie du es noch nie gesehen hast.«

»Was?«, platzte Meyers heraus. »Du hast es gesehen? Was war es denn? Ein Reptil oder so was?«

Yeager wusste nicht, was er antworten sollte, und Mick schaltete sich ein. »Das Ding war ein Alien.«

»Was soll das heißen?«

Ein Lichtstrahl fiel aus der Hütte, und Nigel Pierce kam heraus. Er hielt eine Taschenlampe in der Hand, auf dem Arm trug er das Kind. Mick hielt sein AK-47 schussbereit.

»Da ist es«, sagte Yeager zu Meyers. Aber aus dieser Entfernung sah das, was man im Nachtsichtgerät erkennen konnte, aus wie ein normales Kind.

Die Männer beobachteten, wie Pierce in die Nachbarhütte spähte und das Kind hineinreichte. Als er einen kurzen Pfiff ausstieß, sprang auf der anderen Seite der Lichtung einer der Hunde auf und kam zu dem großen Weißen. Begleitet von dem Hund kam Pierce zu der Stelle, wo Yeager und die anderen ihn erwarteten.

»Was wollen Sie hier mit dem Hund?«, fragte Mick wachsam.

»Er dient als Versuchskaninchen«, sagte Pierce. »Ich werde jetzt da weitermachen, wo ich aufgehört habe.«

»Moment«, unterbrach Yeager. »Lassen Sie mich zunächst eine Frage stellen. Setzen Sie sich.«

Pierce sah die bewaffneten Männer nacheinander an und ließ seine schlaksige Gestalt langsam auf den Boden sinken.

»Was ist das für ein Kind? Es sieht nicht aus wie ein Mensch.«

Pierce antwortete in trockenem wissenschaftlichem Ton. »Das Gehirn des Kindes ist mutiert, aber es ist deshalb nicht behindert. Nach einer Genmutation hat es ein Gehirn, das dem unseren überlegen ist.«

»Dem unseren überlegen?«

»Es ist nicht nur uns überlegen, sondern jedem auf der Welt. Das Weiße Haus hat Angst vor seinem Verstand, denn es kann jeden Code entschlüsseln, auch die militärischen. Darum hat man Sie beauftragt, es umzubringen.«

»Moment«, sagte Meyers. »Eine Mutation hat einen überlegenen Verstand hervorgebracht?«

»So ist es.«

»Wenn das stimmt, haben wir hier nicht nur ein Kind mit einem genetischen Defekt. Es bedeutet, dass die Menschheit sich weiterentwickelt hat.«

»Ganz recht. Die Evolution des Homo sapiens hat hier stattgefunden, in dieser Region.«

Meyers schüttelte ungläubig den Kopf und sagte nichts.

Yeager konnte nicht leugnen, was der Anthropologe da sagte. Zumindest teilweise hatte er den Beweis mit eigenen Augen gesehen. »Wie sind Sie an die Satellitenbilder gekommen?«

»Dieses Kind hat das System gehackt. Mit meinem Computer.«

»Das ist unmöglich«, wandte Garrett ein. »So leicht kann man es nicht hacken.«

»Aber man kann es. Die von Menschen geschaffene Programmiersprache ist verwundbar. Und dieses Kind hat sie geknackt.«

»Aber selbst wenn er auf den Satellitenfunk zugreifen kann, sind die Informationen doch verschlüsselt …« Garrett brach ab. »Moment mal. Wollen Sie uns erzählen, er hat die Verschlüsselung dechiffriert?«

»Genau das. Das Kind hat einen Algorithmus gefunden, der jede Einmalverschlüsselung knacken kann. So hatte ich Zugang zu geheimen amerikanischen Plänen, und deshalb wusste ich schon im Voraus von Ihrer Mission.«

»Okay«, sagte Yeager und stellte die Frage, die ihm am wichtigsten war. »Aber warum sollen wir getötet werden?«

»Wegen des Auslösers der genetischen Mutation. Der Mann, der Operation Guardian geplant hat, war sich der Möglichkeit einer Virusinfektion bewusst. Er sah das Risiko, dass jeder, der in diese Region kommt, mit einem Virus infiziert werden könnte, das das Gehirn seiner Nachkommen verändern würde. Mit anderen Worten, das Weiße Haus hatte Angst, Sie könnten sich infizieren und bei Ihren Kindern könnten genetische Defekte auftreten.«

Kinder mit genetischen Defekten – Yeager runzelte bei diesen Worten die Stirn. So eines hatte er schon.

»Aber dieses Virus existiert nicht. Ebenso wenig wie das tödliche Virus, das als Vorwand für Operation Guardian benutzt wird. Diese ganze Operation ist ein Schwindel. Die eigentliche Mission, an der Sie alle beteiligt sind, ist Operation Nemesis.«

»Sie haben gesagt, Sie könnten beweisen, dass wir umgebracht werden sollen?«

Pierce nickte. »Man hat Ihnen befohlen, nach Abschluss der Operation ein Medikament einzunehmen. Man muss Ihnen etwas mitgegeben haben, das dieses Virus bekämpfen soll.«

Er sprach von den weißen Kapseln, die sie bei Zeta Security bekommen hatten. Pierce schien wirklich alles zu wissen.

»Zeigen Sie mir das Mittel.«

Die anderen zögerten, aber Meyers zog seine wasserdichte Tasche hervor. Sie enthielt vier Kapseln, eine für jeden.

Pierce nahm eine davon in die Hand. »Ich hole jetzt ein Armeemesser heraus, also schießen Sie nicht gleich auf mich, okay?« Er zog sein Messer und schnitt das Ende der Kapsel auf. Darin verbarg sich eine kleinere Kapsel, in der eine winzige Menge eines weißen Pulvers enthalten war.

»Das haben sie so gemacht, damit es langsamer verdaut wird«, erklärte Pierce. Er wühlte ein Stück geräuchertes Fleisch aus der Tasche und bestreute es mit dem weißen Pulver. Er hielt es dem Hund an seiner Seite hin, der danach schnappte, kaute und es hinunterschlang. Sofort wurde sein Blick trübe, Blut tröpfelte aus seiner Schnauze, dann sackte er tot zusammen.

»Hätten Sie diese Kapsel genommen, wären Sie so geendet.«

Wie vom Donner gerührt standen die vier Söldner einfach nur da und starrten auf den toten Hund.

»Zyanid?«, fragte Meyers schließlich.

»Ja. Das Zehnfache einer tödlichen Dosis in jeder Kapsel.«

Yeager blickte auf und schaute den paramilitärischen CIA-Agenten an. Garrett erwiderte den Blick. Unter dem Nachtsichtgerät verzog sich sein Mund, dann lächelte er. »Jetzt versteht ihr, wie sehr das Weiße Haus mich hasst.«

Garrett glaubte Pierce. Hätten sie ihre Befehle befolgt, wären sie jetzt tot. …