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Jeff Menapace - „Das Spiel Tod“

ISBN: 9-783-453-67709-8

 

Klappentext:

Die Lamberts sind eine Familie wie aus dem Bilderbuch. Liebevolle Eltern, entzückende Kinder. Doch nach der grauenvollen Begegnung mit drei Psychopathen ist für die Lamberts nichts mehr wie zuvor. Sie haben überlebt — aber es gibt noch ein letztes Spiel, das gespielt werden muss. Für den Meister dieses Spiels ist es die Krönung seines perfiden Schaffens … für die Lamberts die pure Hölle!

 

Inhalt:

Monica ist die letzte Überlebende der Familie Fanelly. Sie ist gestört vor lauter Hass. Sie will Rache an den Menschen, von denen sie glaubt, dass sie hier die Familie genommen hätten. Doch Monica sucht sich eine Auszubildende. Aus einem Heim für schwer erziehbare Mädchen, nimmt sie sich Kelly an.

Monica hegt einen Hass auf Domino, er leidet ihr nicht genug. Und auch sein momentaner Schützling hat zu viel Spaß am Leben. Monica will Domino quälen, dafür denkt sie sich ein perfides Spiel mit einem Köder aus. Und Kelly ist perfekt zum Köder anlocken.

 

Leseprobe:

… Eigentlich hatte Monica Amy und ihre Brut bereits abgehakt gehabt – in der Annahme, dass ein Leben ohne Patrick für sie schlimmer als der Tod war. Das glaubte sie noch immer.

Aber sie lächeln zu sehen flutete ihre Adern mit purem Hass und stellte ihre Entschlossenheit auf die Probe. Sie musste sich ständig daran erinnern, dass es um Domino ging. Um niemand anderen als Domino. Darum, den Tod ihres Vaters zu rächen.

Doch der Anblick ihres Lächelns.

Was hast du erwartet?, fragte sie sich umgehend. Sie weinen zu sehen? Aneinandergeschmiegt um einen zu Ehren des dahingeschiedenen Patrick errichteten Altar? Bittere Tränen vergießend? Ununterbrochen heulend, Tag und Nacht?

Nein. Aber sie lächeln zu sehen auch nicht. Fröhlich. Oder auch nur unbeschwert.

Du weißt nicht, ob sie fröhlich sind. Außerdem ist Domino alles, was zählt. Und du weißt, dass er nicht glücklich ist. Besäufnisse. Schlägereien. Unbefristeter Urlaub. Er stinkt förmlich nach Schuldgefühlen.

Warum also lächelt er ebenfalls? Warum lacht er jedes Mal, wenn Carrie und Caleb den Mund aufmachen?

Er ist glücklich, wenn er mit ihnen zusammen ist.

Das bedeutet, dass du sie ihm nehmen musst. Du bist zwar quitt mit Amy, aber was soll’s? Du kannst die Regeln ändern, wann immer es dir verdammt noch mal gefällt. Nimm sie ihm weg. Sorge dafür, dass er ein weiteres Mal versagt. Foltere ihn danach. Töte ihn danach.

Doch das würde auch bedeuten, vom Plan abzuweichen. Du würdest dein Druckmittel einbüßen. Dein Ass. So würdest du ihn niemals alleine zu fassen bekommen und in die Pines verfrachten können. Er würde sich dir an die Fersen heften.

Du würdest die Kontrolle verlieren.

Es geht immer und ausschließlich um Kontrolle, und nur darum.

Halte dich an den Plan. Benutze Kelly, um an das Ass zu kommen. Und mit dieser Trumpfkarte kannst du ihn in die Pines locken und psychisch und physisch zerstören.

Halte dich an den Plan, und gib die Kontrolle nicht aus der Hand. Beobachte und folge Domino dann dorthin, wo er herkommt.

Bevor Monica das Fujinon Kelly gab, damit auch sie einen Blick hindurchwerfen konnte, dachte sie: Aber sie lächeln. Die Schweine lächeln.

Die Kinder waren im Bett. Domino hatte sich noch nicht verabschiedet. Monica war langsam genervt, Kelly gelangweilt.

Kelly äußerte die Vermutung, dass Domino, statt zu seiner einstweiligen Unterkunft aufzubrechen, die Nacht bei Amy verbringen würde. Monica schenkte dem Kommentar keinerlei Beachtung. Dass sie damit andeutete, Monica hätte eine solche Möglichkeit übersehen, verstärkte ihren Ärger nur noch. Sie zog in Erwägung, Kelly eine runterzuhauen, entschied sich aber dagegen; für einen derart niederen Trieb wie Frustration wollte sie die erreichten Fortschritte nicht riskieren.

Kontrolle heißt das Zauberwort.

Monica setzte die Observation des Hauses fort.

Sah, wie Amy eine DVD in den Player schob.

Sah, wie sie und Domino sich im Sofa zurücklehnten und nur noch ihre Hinterköpfe zu erkennen waren.

Sah, wie der große Fernseher zum Leben erwachte. Das Bild darauf war zunächst wacklig, bevor es zur Ruhe kam. Ein Amateurfilm.

Eine saftige grüne Wiese. Ein Park. Die Kinder sahen ein paar Jahre jünger aus. Amy half Carrie, einen Drachen steigen zu lassen. Caleb nahm Anlauf, um einen Fußball anzustoßen, trat allerdings daneben und stolperte über seine eigenen Beine. Die Kamera geriet ins Beben, wahrscheinlich durch das Lachen desjenigen, der sie bediente. Die Kamera fuhr nach oben, bevor sie irgendwo befestigt wurde. Ein Stativ.

Und da kam er. Ja, er war derjenige, der gelacht hatte – er trabte auf seinen Sohn zu, die Spuren des Gelächters noch im grinsenden Gesicht. Er hob seinen Sohn hoch über den Kopf, sodass Caleb auf den Schultern seines Vaters Platz nehmen konnte. Patrick schoss den Fußball durch die Gegend und riss von Zeit zu Zeit den Arm hoch, um seinen Sohn abzuklatschen. Calebs Wonne schien grenzenlos.

Was Monica zum Lächeln brachte.

Sie schaute weiter zu.

Amy und Carrie hatten die Sache mit dem Drachen aufgegeben. Jetzt spielten alle zusammen Fußball. Caleb saß nach wie vor auf Patricks Schultern.

Sie sahen so unglaublich glücklich aus.

Was wiederum Monica beglückte. Sie lächelte und war selig. Weil all das nicht mehr war. Nichts davon. Nie wieder. Jemals. Wegen ihr.

Als sie dachte, besser könne es nicht mehr werden, stand Domino plötzlich auf. Sein massiger Körper verdeckte den größten Teil des Fernsehbildschirmes, und Trauer zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. Er sagte etwas zu Amy und ging dann Richtung Vordertür, während hinter ihm die Lamberts noch immer im Park Fußball spielten.

Monica beobachtete, wie Amy ihm mit sorgenvoller Miene folgte. Sie sagte etwas zu Domino, dessen Antwort in einem Kopfschütteln bestand, bevor er sie zum Abschied in die Arme nahm.

Das war zu viel für dich, nicht wahr?, dachte Monica. Amy konnte es anschauen, aber du hast es nicht ertragen, oder? Armer großer Domino. Wie bedauerlich, dass du deine Schuldgefühle nicht durch Bankdrücken vertreiben kannst.

Monica wollte dieses Video unbedingt in die Finger kriegen. Wunderbare Möglichkeiten würden sich ihr damit eröffnen. Es wäre um so vieles besser als das, was sie ursprünglich für den letzten Akt ihres Meisterwerkes vorgesehen hatte.

So unfassbar viel besser.

Sie musste dieses Video haben. Was für ein Glücksfall, ausgerechnet an diesem Abend hier zu sein, an dem Amy es Domino vorspielte. Normalerweise glaubte Monica nicht an glückliche Fügungen, aber heute Nacht …

»Wie ein Geschenk meines Vaters«, flüsterte sie unter dem Fujinon vor ihren Augen hervor.

»Hä?« …