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Sebastian Fitzek - „AchtNacht“

ISBN: 9-783-426-52108-3

 

Klappentext:

Es ist der 8. 8., acht Uhr acht.

Sie haben 80 Millionen Feinde.

Werden Sie die AchtNacht überleben?

 

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.

Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.

In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.

Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.

Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten - und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

 

Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.

Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.Und Ihr Name wurde gezogen!

 

Inhalt:

Benjamin Rühman hat schon wieder einen Job verloren. Er will einfach nur Luft holen und überlegen, wie es weiter geht. Doch da findet er sich auch schon in einer kranken Hetzjagd wieder. Ganz Berlin erscheint ihm plötzlich nach dem Leben trachten. Und als ob das noch nicht genug wäre, wird er noch von einem weiteren Typen erpresst, der seinen Ruf noch vollends ruinieren will.

Benjamin muss zusehen, dass er selber überlebt. Nur so kann er die Forderungen des Erpressers erfüllen und das Leben seiner komatösen Tochter zu retten.

 

Leseprobe:

… »Zweihundert...?«

Ben rechnete im Kopf die Summe der eingegangenen Zahlungen derer hoch, die auf das Gerücht hereingefallen waren, während Arezu erklärte: »Du darfst nicht vergessen, AchtNacht verbreitet sich weltweit. Auch wenn bislang nur Deutsche vorgeschlagen werden können, so gibt es dennoch genügend Wahnsinnige in anderen Ländern, die an der Jagd teilnehmen wollen.«

»Er hat über zwei Millionen eingenommen?«

Sie nickte. »Und das war der Stand vor einem halben Jahr. Da war der Hype noch am Anfang. Das eigentliche Geschäft beginnt erst jetzt.«

Ben schwirrte der Kopf. Er fühlte sich wie ein Hund, den man mit anderen im Rudel über ein Minenfeld jagt. Um ihn herum explodierten bereits die ersten Sprengsätze, und es war nur eine Frage der Zeit, bis er den falschen Schritt machte und zerfetzt wurde.

»Wie das? Unsere Namen sind doch gezogen.«

»Ja. Und ab jetzt sprudeln die Einnahmen für die Jagdscheine. Um mitmachen zu können …«

Um uns zu töten …

»… muss man sich eine Zulassung freischalten lassen. Die kostet zwar nur einen Euro. Aber wie viele machen das aus Spaß? Genau darum geht es Oz. Er will die Antwort haben, um zu sehen, wie kaputt die Welt ist, die er selbst so verachtet.«

So viel Hass. So viele Menschen, die töten würden, wenn sie es dürften.

Ben wurde schlecht. Vor Wut und Erschöpfung.

»Ich habe ihn angefleht, die Seite abzuschalten. Doch Oz hat nicht mit sich reden lassen. Er sagte, das Experiment könne man nicht kurz vor dem Höhepunkt abbrechen. Nannte es einen wissenschaftlichen Coitus interruptus.«

Sie lachte ein Lachen, dem jede Hoffnung fehlte.

»Dann habe ich ihn bekniet, wenigstens unsere eigenen Namen auszuwählen, wenn er den Versuch schon nicht stoppt und die Seite online lässt. Und meinen hat er daraufhin, wie du weißt, auf die Liste gesetzt.«

»Aber was ist mit mir?« Bens Stimme flatterte. »Wieso hat er mich gezogen? Das ist doch kein Zufall.«

Arezu hob beide Hände, als wollte sie einen Ball fangen, den Ben ihr zugeschleudert hatte.

»Genau das dachte ich auch. Das ist kein Zufall. Und deswegen hab ich nach dir gesucht!«, sagte sie und hob die Stimme. »Hab die Fakten durchkämmt, die in den Internetforen über dich und deine kranke Tochter verbreitet werden. Hab mich ins Schwesternzimmer geschlichen und die Nummer gewählt, die da aushing. Aber es reichte nicht, dich ins Krankenhaus zu locken. Ich musste mit dir ungestört sein. In deinem Büro.«

Ben lachte hysterisch auf. »Weswegen du den Wagen irgendeines Arztes gestohlen hast, um mich zu entführen.«

Arezu schlang sich die Arme um den Körper, als wäre es von einer Sekunde auf die andere plötzlich kälter geworden. Beim Sprechen wiegte sie sich vor und zurück.

»Das war improvisiert. Ansonsten hab ich mich auf diesen Tag gut vorbereitet.«

Sie zeigte auf den Rucksack zu Bens Füßen. »Hab mir Waffen und andere Ausrüstung besorgt. Ich wollte handlungsfähig sein, sobald die AchtNacht startet. Und Oz finden, in der Hoffnung, dass er nicht nur meinen, sondern auch seinen eigenen Namen auf die Liste gesetzt hat. Um live bei der Jagd dabei sein zu können. Du weißt doch sicher, dass die Seite offenlässt, wie der Todesbeweis zu erbringen ist.«

»Und?«

»Und ich dachte, das liegt vielleicht daran, dass es gar keines Beweises bedarf. Weil Oz eben die ganze Zeit live dabei ist.«

Ein Zittern fuhr wie ein Stromschlag durch Arezus Körper, und jetzt konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten. »Ich hatte so gehofft, er würde seinen eigenen Namen auf die Liste setzen. Ich hoffte wirklich, du wärst Oz.«

Ihre Stimme brach. Sie konnte vor Weinen nicht mehr weiterreden, weswegen Ben ergänzte: »Dann hättest du ihn dazu zwingen können, die Seite abzuschalten und zu posten, dass das alles nur ein Fake war. Und dass er sich das Geld selbst in die Tasche steckt.«

Sie schluchzte, und nach einer Weile sagte sie kopfschüttelnd: »Nein, ich glaube, darum geht es ihm nicht. Oz hat kein Interesse an Geld. Ihm geht es um die Macht.«

Ben tippte sich an die Stirn und stand von seinem Sessel auf.

»Moment mal. Du denkst, er will die zehn Millionen wirklich auszahlen?«

Sie zog die Nase hoch und hustete in ihre hohle Hand. Etwas gefasster sagte sie dann: »Ob so viel am Ende zusammenkommt, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass Oz es nicht behalten wird. Er hat mir gesagt, er habe alles so eingerichtet, dass im Falle des Falles der Gewinner nicht von den Behörden belangt werden kann. Sämtliche Einzahlungen, Überweisungen und Abbuchungen der Mitspieler werden sofort nach dem Eingang auf ein nigerianisches Konto über zahlreiche dubiose andere Bankbewegungen am Ende auf ein Nummernkonto auf den Cayman Islands geschleust. Der erfolgreiche und bestätigte AchtNacht-Jäger erhält beim Nachweis des Todes seines Jagdopfers eine verschlüsselte E-Mail mit der Nummer und den Codes zum Abheben des Geldes.«

»Das ist ein Scherz.«

»Ich fürchte, nicht«, widersprach ihm Arezu. »Für mich war das alles nur ein Gedankenexperiment. Aber Oz hat es real werden lassen.« …