ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Anne Katemore - „Herzklopfen in Nimmerland“

ISBN: 9-781-508-60029-9

 

Klappentext:

„Irgendwelche letzten Worte?“ „Fahr zur Hölle, du dreckiger … fieser … gottverdammter …“ Seine Nasenspitze berührt beinahe meine, als Hook seinen Kopf zu mir neigt und eine verirrte Haarsträhne hinter mein Ohr streift. „Engelchen, das Wort, das du suchst, ist Pirat.“ Warum ist da ein Junge, der nicht erwachsen werden will? Wie kann ein einfacher Apfel die süßeste Liebe aller Zeiten entfachen? Und was hat ein ruchloser Pirat mit alldem zu tun? Obwohl Angelina McFarland Märchen über alles liebt, hätte sie sich nie träumen lassen, selbst einmal mitten in eins hineinzufallen. Doch genau das passiert, als sie eines Winterabends auf ihrem Balkon ausrutscht und über die Brüstung stürzt. Im letzten Moment gerettet von einem fliegenden Jungen, der sich selbst Peter Pan nennt, findet sich Angel in Nimmerland wieder. Hier spielen weder Zeit noch die Gesetze der Natur eine Rolle, und an ein Entkommen von der Insel ist erst gar nicht zu denken. Zu allem Überfluss gerät Angel auch noch zwischen die Fronten einer uralten Feindschaft. Der skrupellose Captain Hook entführt sie auf sein Schiff, die Jolly Roger, und hält sie dort als Druckmittel gegen Peter Pan gefangen. Doch je mehr Zeit Angel mit dem Captain verbringt, umso mehr sieht sie hinter seine hartherzige Fassade. Die Gefühle, die sie für ihn entwickelt, sind ebenso intensiv wie schockierend, und bald schon kann sie an nichts anderes mehr denken, als an ihren verstohlenen Kuss unter den Sternen. Aber Angel und ein Pirat? Das kann niemals gut gehen. Oder doch? Als Angel verzweifelt versucht, nach Hause und zu ihrer Familie zurückzukehren, entdeckt sie eine Fahrkarte nach London in ihrer Tasche. Leider hilft sie ihr nicht, von dieser verwunschenen Insel zu fliehen, doch als ihr Gedächtnis mit jedem Tag weiter schwindet, ist dieses Ticket das Einzige, was sie noch an ihr früheres Leben und daran erinnert, warum sie keinesfalls aufgeben darf. Oder ist es vielleicht doch die bessere Entscheidung, für immer in Nimmerland zu bleiben? Folgt Angel in ein Abenteuer, das euch garantiert den Atem raubt, und über das ihr noch lange über die letzte Seite hinaus nachdenken und schmunzeln werdet … Auf nach Nimmerland!

 

Inhalt:

Angelina McFarland passt einmal mehr auf ihre kleinen Schwestern auf. Eine lustige Aktion wird aber schnell eine gefährlich, als Angelina von Balkon stürzt. Dabei landet Angelina allerdings nicht im Garten, sondern in Nimmerland, wo sie direkt von Peter Pan gerettet wird.

In Nimmerland gelandet, schreckt so manchen Bewohner mit ihrem Sweatshirt auf. Klar ist allerdings auch, dass sie wieder nach Hause will. Auf der Suche nach dem Weg nach London lernt sie Hook kennen. Der ist als böser und hässlicher Pirat verschrieben. Angelina jedoch, lernt ihn auch von einer ganz anderen Seite kennen.

 

Leseprobe:

… Etwas streichelt meine linke Wange. Es fühlt sich wunderbar weich und warm an. Nach einem wohligen Seufzer öffne ich meine Augen und drehe meinen Kopf, um zu sehen, was mich da berührt hat. Die freundliche Morgensonne strahlt durch die drei großen Fenster und taucht das halbe Zimmer in warmen Lichtschein. Lange weiße Vorhänge an den Fenstern sind verträumt zur Seite gebunden. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, ich bin gerade in einem Palast aufgewacht.

Natürlich weiß ich, wo ich wirklich bin – gefangen in einer Kabine auf dem Schiff des grausamsten Piraten aller Zeiten.

Als ich mich in diesem See aus feinen weißen Laken aufsetze, protestiert jeder einzelne Muskel in meinem Leib und erinnert mich an den schlimmsten Tag in meinem Leben. Vor Schmerzen stöhnend, reibe ich mir die Schläfen. Das Letzte, woran ich mich erinnere, ist, dass ich versucht habe, vor Hook zu fliehen, nachdem er mich aus dem Erdloch gezogen hat. Warum er mich gerettet hat, bleibt mir ein Rätsel.

Meine Vermutung: Er braucht mich noch für einen weiteren schrecklichen Plan. Aber welchen Wert kann ich noch für ihn haben? Nach letzter Nacht ist uns wohl allen klar, dass sich Peter einen Dreck darum schert, was aus mir wird. Und wer kann es ihm schon verübeln? Er hält mich bestimmt für den übelsten Verräter aller Zeiten, und das, obwohl es nicht einmal meine Schuld oder Absicht war, die Piraten zu ihm zu führen.

Mit Hook irgendwo da draußen frage ich mich, ob es überhaupt klug ist, aufzustehen. Ich ziehe die Decke in meinen Schoß und lasse meinen Blick durch das traumhaft schöne Zimmer streifen. Das Bett, auf dem ich sitze, die Regale an der Wand und der große antike Schrank sind allesamt aus demselben schokoladenbraunen Holz gezimmert – sogar der kleine Schreibtisch, der dem Bett gegenüber an der Wand steht.

Es befinden sich drei Türen in diesem Zimmer, an drei verschiedenen Wänden. Eine ist gleich neben dem Schreibtisch, eine in der Wand, die den Fenstern gegenüber liegt, wo auch der große Schrank steht, und die dritte Tür führt in einen Raum hinter mir. Letztendlich überkommt mich doch die Neugier und ich steige aus dem Bett. Allerdings komme ich nicht weit mit meiner Erkundungstour, denn auf dem Schreibtisch steht ein Tablett mit einem herrlich duftenden Frühstück, das mich anzieht wie Geschenke unter einem Weihnachtsbaum.

Auf dem Tablett befindet sich eine Kanne mit warmer Milch, aufgeschnittener Schweinebraten und Käsescheiben, weiche Brötchen und eine Schüssel mit Obst. Vorsichtig sinke ich in den Stuhl vor dem Schreibtisch, sehe mich noch einmal kurz um und haue dann rein wie ein halb verhungerter Wolf. Binnen Minuten habe ich das gesamte Frühstück verputzt, bis hin zum letzten roten Apfel, der in der Schüssel war. Wer weiß schon, wann ich hier das nächste Mal etwas zu essen bekomme?

Gänzlich satt erhebe ich mich aus dem Stuhl und schleiche zur Tür gegenüber der Fensterreihe. Bereits seit ich wach wurde, dringen durch sie die Rufe der Männer und die Geräusche eines fröhlichen Treibens draußen an Deck zu mir herein. Erst als ich mich der Tür nähere, entdecke ich den Zettel, den jemand ans Holz genagelt hat. In schwungvoller Handschrift steht darauf nur eine Zeile.

Schau nach links, bevor du rausgehst.

Was für eine seltsame Nachricht ist denn das? Ich drehe mich nach links und stehe plötzlich mir selbst vor einem Spiegel gegenüber, der so groß ist wie ich. Du meine Güte! Wie seh ich denn aus? Aus Reflex schlage ich mir sofort die Arme um den Körper, denn mein T-Shirt ist total zerrissen und mein BH sowie viel zu viel nackte Haut sind zu sehen. Das muss wohl letzte Nacht passiert sein, als ich die raue Wand der Bodenfalle hinuntergerutscht bin. So kann ich unmöglich nach draußen gehen und der Crew, oder noch schlimmer, dem Captain gegenübertreten.

Bei näherem Hinsehen stechen mir aber plötzlich kräftige Farben hinter mir ins Auge. Ich wirble herum. An der Seite des antiken Schranks hängen drei Kleider, eines schöner als das andere.

Eines ist aus blutrotem Samt geschneidert, mit einer engen Korsage und einem weit ausladenden Rock. Die Ärmel sind lang und enden in einem breiten Trichter. Das zweite ist rosa, ärmellos, und genau wie das andere, ist es so lang, dass ich ohne hochhackige Schuhe sicherlich über den Saum stolpern würde. Ich nehme das dritte Kleid vom Haken, drehe mich zurück zum Spiegel und halte es mir vor den Körper. Der zartblaue Stoff fließt durch meine Hände. Die Länge ist perfekt, es reicht mir gerade mal bis zu den Schienbeinen. Außerdem sind die kurzen, engen Ärmel praktisch, genau wie der Schnitt des restlichen Kleides. Ähnlich wie ein Babydoll, ist es unter der Brust mit einer niedlichen Schleife gerafft, von wo aus der weite Rock einfach nach unten fällt. Es ist einfach atemberaubend schön. Und das Beste an dem Kleid ist: Wo auch immer in Nimmerland ich damit aufkreuze, ich werde keinerlei Aufmerksamkeit mehr auf mich ziehen.

Ich lege das Kleid aufs Bett und ziehe den zerrissenen Fetzen aus, der einmal mein T-Shirt war. Da sticht mir an der Tür neben dem Bett eine weitere Notiz ins Auge. Darauf steht:

Badezimmer

Vorsichtig öffne ich die Tür und schiele hinein. Am anderen Ende des Raumes befindet sich eine Toilette und – wow! Da gibt’s gar kein Dach. Zwei Eimer gefüllt mit Wasser hängen über einer quadratischen Holzfläche. Von beiden hängt eine Schnur herunter. Interessante Dusche. Ich frage mich, ob es wohl jemanden stört, wenn ich sie benutze. Ohne viel darüber nachzudenken, entledige ich mich rasch meiner restlichen schmutzigen Klamotten und werfe sie auf den Boden. Dann husche ich ins Badezimmer und stelle mich unter den ersten Eimer.

Als ich an der Schnur ziehe, entfährt mir erst einmal ein erbarmungsloses Fluchen durch klappernde Zähne. Das Wasser, das gerade über mich schwappt, ist eiskalt. Was hatte ich auch anderes erwartet – es ist schließlich Meerwasser. In einem kleinen Körbchen an der Wand liegt ein Stück Seife. Als ich mich damit einreibe und sich Schaum auf meiner Haut bildet, steigt mir ein sanfter Duft von Mandarinen in die Nase. Oh nein, wenn ich hier fertig bin, werde ich riechen wie der Captain dieses Schiffes. Tja, was soll’s? Daran ist jetzt auch nichts mehr zu ändern.

Ich ziehe am zweiten Seil und wieder erzittere ich unter der Eiseskälte des Wassers. Der Seifenschaum rinnt von mir ab und sammelt sich in einem kleinen Rinnsal im Boden. Diese schmale Rinne führt durch die Wand nach draußen und mein Badewasser plätschert in den Ozean. …