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Richard Paul Evans - „Die Liga der 17 – Im Netz des Feindes“

ISBN: 9-783-833-90318-2

 

Klappentext:

Hochspannung garantiert! Michael Vey und sechzehn andere Jugendliche haben etwas gemeinsam: Durch ihre Körper fließt Strom! Doch nicht alle nutzen diese Kräfte zum Guten. Der skrupellose Dr. Hatch will die Jugendlichen auch weiterhin für seine fiesen Machenschaften missbrauchen. Nachdem die Akademie zerstört wurde, sind Michael und seine Freunde auf der Flucht, doch seine Mutter ist noch immer in der Gewalt des Feindes. Kann Michael sie befreien und dem Wissenschaftler das Handwerk legen?

 

Inhalt:

Michael gehört zu dem so genannten Elektroclan. Er hat sich aus dem Griff des Doktors befreit und befindet sich mit seinen Freunden auf der Flucht. Doch Dr. Hatsch hat auch noch ein paar von den Kids in seiner Gewalt und weigert sich, die Anweisung des Konzerns zu befolgen. Die sieht vor, Folter und Forschung mit und durch die Kids aufzugeben. Also fliegt er mit den ihm verbliebenen Kids nach Peru, wo er das Strommonopol ausbauen will.

Michael will seine Mutter befreien, um endlich wieder ein normales Leben führen zu können. Doch seine Mutter sitzt genau in der Anlage fest, die Dr. Hatsch nun kontrolliert. Ein Kampf mit allen Mitteln entbrennt.

 

Leseprobe:

… Er wartete, bis die Kinder sich bewegten. Quentin weckte Tara und Kylee. »Dr. Hatch hat etwas zu sagen.«

»Hört jeder zu?«, fragte Hatch.

»Ja, Sir«, sagte Quentin.

»Zeigt mir den Elgengruß.«

Alle machten das Zeichen, wobei sie die drei mittleren Finger ihrer linken Hand an ihre Schläfe drückten und der Daumen den kleinen Finger berührte.

»Hört gut zu. Was ich euch jetzt sage, ist ein C10.«

»Whoa«, staunte Bryan. Er warf Quentin einen Blick zu und zog dabei die Augenbrauen hoch.

Hatch teilte seine Nachrichten an die Jugendlichen in Vertraulichkeitsstufen ein. Je wichtiger die Nachricht, desto höher die Stufe. C10 war die höchste. Selbst Quentin hatte zuvor nur ein einziges Mal etwas von einem C10 gehört. Die Folgen, wenn man solche Informationen ausplauderte, waren proportional zur Höhe der Vertraulichkeitsstufe.

Das Aufdecken einer C10-Nachricht gegenüber Außenstehenden hatte die Höchststrafe zur Folge  – Tod durch Folter.

»Wir fliegen nach Peru, weil mir der Vorstand der Elgen befohlen hat, das Neo-Species-Programm abzubrechen und zu schließen – das Programm, das euch einst zu mir brachte; das Programm, für das sowohl ihr als auch ich die letzten zwölf Jahre unseres Lebens geopfert haben. Ich habe den Auftrag, die Wissenschaftler auf unterschiedliche Starxource-Betriebe aufzuteilen, ohne großes Aufsehen zu erregen, die VKs abzuschaffen und euch anschließend in ein Leben zu entlassen, wo ihr ganz privat, als normale Bürger, egal für welchen Staat oder welche Schule ihr euch entscheidet, leben werdet. Ihr werdet nie wieder etwas von uns hören.«

Hatch lehnte sich zurück und wartete auf die Reaktion der Jugendlichen.

»Wa… was?«, stotterte Quentin als Erster, völlig fassungslos.

»Das können die nicht machen!«, protestierte Tara.

Kylee begann zu weinen.

Nach einem kurzen Moment fragte Bryan: »Bedeutet das keine Familienausflüge mehr?«

»Keine Familienausflüge mehr«, bestätigte Hatch ruhig. »Keine Familie mehr. Ihr werdet auf euch selbst gestellt sein.«

Mit stoischer Ruhe beobachtete Hatch die Jugendlichen, sah, wie die Realität langsam sackte, und verbarg dabei seine eigenen Emotionen hinter der Brille. Die Teenager waren völlig durcheinander und schauten einander ungläubig an, in der Hoffnung, dass Dr. Hatch ihnen einen schrecklichen Streich spielte.

Schließlich ergriff Hatch wieder das Wort. »Also, ich wüsste gerne, was ihr dazu sagt.«

Quentin sprach als Erster. »Bei allem Respekt, Sir. Ich glaube, ich kann für uns alle sprechen. Wir finden das nicht gut. Wir möchten bei Ihnen bleiben.«

Hatch ließ seinen Blick die Reihen entlangschweifen. »Ist das wahr? Kylee?«

Kylee wischte sich die Tränen aus den Augen. »Ja, Sir. Ich will kein Waisenkind sein.«

»Tara?«

»Ich auch nicht, Sir.«

»Bryan?«

»Meiner Meinung nach ist das das Dümmste, was ich je gehört habe.«

»Torstyn?«

»Beschissen.«

Hatch nickte leicht. »Ich nehme an, dass du es missbilligst, Torstyn?«

»Ja, Sir. Ich missbillige das.«

Hatch hielt einen Moment inne. »Dann ist die eigentliche Frage vielleicht, was genau ihr bereit wärt, dafür zu tun, um die Familie zusammenzuhalten.«

»Was immer Sie von uns verlangen, Sir«, antwortete Quentin. »Stimmt doch Leute, oder?«

Ein Chor der Zustimmung raunte ihm entgegen. Hatch studierte ihre Gesichter für einen Moment und nickte zustimmend. »Genau das, was ich von euch erwartet habe. Nun lasst mich euch daran erinnern, dass jedes einzelne Wort, das ich hier zu euch sagen werde, ein C10 ist. Was ist die Strafe für das Lüften eines Geheimnisses der Stufe C10? Tara?«

»Die Strafe für das Lüften eines C10-Geheimnisses ist der Tod durch Folter.«

»Das ist richtig«, erwiderte Hatch. »Wenn ihr das verstanden habt, zeigt mir den Gruß.«

Alle legten ihre Finger wieder an die Schläfen.

Hatch senkte für einen Augenblick den Kopf, dann nahm er seine Brille ab, faltete sie sorgfältig und ließ sie in die Innentasche seines Jacketts gleiten. »Ich freue mich zu hören, dass euch die Pläne des Vorstands nicht gefallen, denn ich habe nicht die Absicht, sie umzusetzen. Für mich ist es unvorstellbar, euch gehen zu lassen. Euch schöne, kraftvolle Jugendliche. Es ist, wie Perlen vor die Säue zu schmeißen, in diesem Fall vor die Menschheit. Ihr, meine Adler, habt es nicht nötig, euer Leben damit zu vergeuden, zwischen Hühnern zu picken. Die Hühner sollten nur zu eurer Unterhaltung dienen. Der Vorstand wird nicht über unser Schicksal entscheiden. Wir, nicht sie, tragen die Verantwortung.

Wir, nicht sie, tragen die Last der Geschichte. Ihre Ablehnung ist für mich keine Überraschung. Ich wusste, dass der Tag kommen würde, an dem wir diese Sackgasse erreichen. Warum? Weil wir unterschiedliche Motivationen haben. Ihre Motivation ist der Profit. Aber unsere Motivation, unser Grund, ist nichts Geringeres, als eine neue Welt zu erschaffen.

Diese Idioten im Vorstand wollen dem ›Haus‹ einen neuen Anstrich verpassen. Ich bin der Meinung, man sollte das Haus bis auf den Grund niederbrennen und es neu aufbauen! Unsere Regierung ist die wahre Regierung. Unsere Religion ist die wahre Religion. Unser Gott ist der wahre Gott. Wir reißen den menschlichen Grundstock nieder, Stein für Stein, und bauen unseren eigenen wieder auf. Diese Hühner sind von ihrem Weg abgekommen. Und wir werden dabei helfen, sie in einen hellen, neuen Hühnerstall zu führen.« Seine Augen beobachteten sorgfältig die aufgeregten Gesichter der Jugendlichen. Die folgenden Worte sprach er sehr langsam und mit viel Bedacht. »Steht ihr hinter mir?«

Die Jugendlichen jubelten.

»Der Krieg hat begonnen, meine Adler. Zuerst den Elgen-Konzern, dann die Welt. Ich habe schon Vorbereitungen getroffen. Wir fliegen nicht nach Peru, um die Anlage dichtzumachen, sondern um unsere Macht zu festigen. Peru wird unser Hauptsitz sein, für den Sturz dieses fehlgeleiteten Konzerns. Ihr werdet mein Kriegsrat sein, meine Generäle und persönlichen Wachen. Ihr dürft euch keine Fehler leisten, die Ansprüche sind hoch. Wenn wir verlieren, seid ihr auf euch allein gestellt. Kein Geld, keine Privilegien, nur ein Leben in stiller Verzweiflung. Mit den anderen Hühnern um die Wette picken für ein Dasein.« …