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Mira Valentin - „Das Schicksal der Talente“

ISBN: 9-783-646-60333-0

 

Klappentext:

**Die größte Liebe führt zur größten Rache…** Der 17-jährige Jakob ist der geborene Anführer. Niemand kann seinem Charisma widerstehen, denn zu führen ist sein »Talent«. Fast ein ganzes Jahr musste vergehen, bis ihm eine eigene Talente-Truppe zugewiesen wurde, aber nun ist es soweit und das nicht zu knapp. Denn im Feindeslager der Faune hat sich eine rebellische Gruppe abgezweigt, deren Ziel es ist, so viele Talente wie möglich auszuschalten. Bald befindet sich Jakob in einem direkten Frontalkampf mit Levian, einem ihrer Anhänger. Doch beide haben eine gravierende Schwäche: Bei Levian ist es die Liebe zu seiner Gefährtin Morgana. Bei Jakob ist es die erzkonservativ erzogene Sektentochter Marie, für die er gegen alle Regeln mehr empfindet als es ein Anführer jemals tun sollte…

 

Inhalt:

Jakob ist schon lang als Anführer vorgesehen. Und nun ist es endlich so weit, dass ein Truppe für ihn frei geworden ist. Allerdings versetzt ihn das von der Großstadt aufs Land, was ihm so schon einige Probleme verursacht. Ein größeres Problem ist die verbotene Liebe zu einem neu entdeckten weiblichen Talent. Er weiß ganz genau, dass er sich mit der Liebe über bestehende Regeln der Truppe hinweg setzt. Und doch geht er das Risiko ein und macht sich und seine Truppe dadurch am Ende nur noch verletzlicher.

Die Dschinn hingegen, bekommen wieder und wieder Anweisungen einen frisch rekrutierten Volltreffer zu töten und den zweiten auszusaugen. Ihr Anführer verfolgt einen Plan der schwarzen Magie. Und nur der Unfähigkeit der Dschinn, die er ausgeschickt hat, hat er es zu verdanken, dass dieser Plan fehl schlägt.

Doch Jakob und seine Truppe kommen nicht zum Ziel und schon gar nicht ohne Verluste.

 

Leseprobe:

… Mein Herz setzt einen Schlag aus. Sollte sich meine Vermutung als richtig erweisen, dann hat Deimon die beiden hierher bestellt, um sich an ihrer Magie zu vergehen. Und ich soll es mitbekommen, ohne etwas dagegen tun zu können. Es ist zum Verrücktwerden. Ich kann förmlich spüren, wie der Wahnsinn in mir emporkriecht.

Aber dann erinnere ich mich an die Worte von Thanos, ich sei die Hoffnung der Faune. Zwar weiß ich nicht, warum ausgerechnet mir diese Prophezeiung zuteilwurde, aber wenn sie wahr sein sollte, dann kann ich nicht hier drin verrotten, während um mich herum die Welt zusammenbricht und der Hohenfels an Deimon fällt.

Fieberhaft denke ich nach. Dabei fällt mein Blick wieder auf den kleinen Fisch. Ich strecke meine Finger ins Wasser und locke ihn heran.

»Könnt ihr mir bei der Flucht helfen?«, frage ich ihn.

Der Fisch schwimmt Richtung Tunnel.

»Könnt ihr Nayo und Leviata sagen, dass sie weglaufen müssen?« Tunnel.

»Könnt ihr Deimon fernhalten?« Tunnel.

Wofür zum Teufel hat man heilige Fische, wenn sie einem nicht ansatzweise helfen können!

»Liegt mein Fluchtweg im Süden?« Tunnel.

»Liegt er im Osten?« Tunnel.

»Liegt er im Westen?« Tunnel.

»Im Norden?«

Endlich schwimmt der Fisch zur Quelle. Aber diesmal kehrt er nicht zurück, sondern kämpft sich weiter tapfer voran. Erst als er den Punkt erreicht, an dem das Wasser munter aus dem Felsen sprudelt, hält er inne und lässt sich ein Stück zurückfallen.

»Da durch?«, frage ich entsetzt.

Die Antwort ist ein angestrengtes Paddeln auf genau den Punkt zu, der mir im Moment eine Höllenangst einjagt.

Die nächste Frage liegt klar auf der Hand. »Besteht die Gefahr, dass ich dabei ertrinke?«

Der Fisch schwimmt zur Quelle.

Faune sind nicht wie Menschen. Sie ertrinken nicht einfach so nach ein paar Minuten. Wir sind in jeder Hinsicht stärker, ausdauernder und schneller als sie. Aber auch für uns ist nach einer gewissen Zeit unter Wasser der Punkt gekommen, an dem wir Luftholen müssen. Ich habe keine Ahnung, wie weit der Weg ist, den die Quelle durch den Felsen nimmt, bevor sie irgendwo ans Tageslicht tritt – falls sie das überhaupt tut.

Eine weitere Stimme aus der Grotte lenkt mich von meinen Überlegungen ab. Deimon! Ich renne zurück zur Wand und horche.

»… daher bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ihr beide die Aufgabe von Levian und Morgana übernehmt«, sagt der Novize gerade.

»Mein Bruder ist nie und nimmer aus dem Hohenfels geflohen und hat seine kranke Gefährtin zurückgelassen. Ich kenne ihn!«, keift Leviata. »Du verheimlichst uns etwas, Deimon. Sag mir auf der Stelle, wo Levian ist, sonst  …«

Ein spitzer Schrei von Nayo dringt durch die Grotte. Vor Sorge um meine Schwester halte ich den Atem an. Mein Herz pocht wie verrückt.

»Sonst was?«, dringt Deimons Stimme an mein Ohr. Sie klingt süßlich und niederträchtig.

»Lass sie runter, bitte!«, fleht Nayo. »Ich tue, was du verlangst.«

»Gut.«

Ein Körper schlägt auf dem Boden auf, aber ich höre keinen Schrei. Eine Weile sagt niemand mehr etwas.

Dann ergreift der Novize wieder das Wort. »Die nächsten beiden Volltreffer: Einer tot, einer ausgesaugt. Geh jetzt! Du bekommst die beiden Nervensägen mit den grünen Augen zurück, sobald du deinen Auftrag erfüllt hast.«

»Versprichst du das?«

»Ja«, sagt Deimon ungerührt.

Ich frage mich, wie er diesen Schwur halten will. Leviata kann er vielleicht ohne ihre Magie zurückgeben. Aber wie will er das mit mir machen, wenn er mich erst einmal getötet hat?

Genau in dem Moment kommt mir erneut das Gespräch mit Thanos in den Sinn: Noch zweimal wird Mutter Natur dir gnädig sein. Ob Deimon weiß, dass ich angeblich noch zweimal sterben kann und durch ein Opfer an unsere Göttin wieder zum Leben erwache? Wenn es so ist, dann will ich lieber auf der Flucht in der Quelle ertrinken, als durch meinen Tod seinen verfluchten Zauber besiegeln.

Ich höre nicht, wie Nayo die Grotte verlässt. Auch Leviata gibt keinen Ton mehr von sich. Vermutlich hat er ihr ebenso das Bewusstsein geraubt wie mir vor ein paar Stunden. Ich hoffe nur, er nimmt ihre Magie nicht sofort, sondern wartet, bis Nayo ihren Auftrag erfüllt hat. Immerhin befinden wir uns, trotz des Schutzzaubers, der über der Grotte liegt, weiterhin im Hohenfels. Jederzeit könnte jemand hereinkommen, um zu beten oder die blinden Fische zu befragen. Auch wenn ich weiß, dass außer Thanos, Uriel und ein paar anderen alten Faunen nur selten jemand diese Gelegenheit nutzt. …