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Arnaud Delalande - „Die Lanze des Herrn“

ISBN: 9-783-404-92300-7

 

Klappentext:

Als bei Ausgrabungsarbeiten in der Nähe des Vatikan ein Pergament gefunden wird, das besagt, dass die echte heilige Lanze im Sinai zu finden ist, entsendet der Vatikan eine Gruppe von Archäologen. Tatsächlich stoßen die Männer auf die Reliquie. Im nächsten Moment werden sie von einem Killerkommando kaltblütig umgebracht. Die Lanze verschwindet.Judith, Kunsthistorikerin im Vatikan, wird nach Kairo geschickt, wo sich der Archäologe aufhält, der als einziger den Anschlag überlebt hat. Vor seinem Tod kann er Judith nur noch zwei Worte zuflüstern: Axus mundi ...Ein spannender Thriller, der an die Grenze des Vorstellbaren geht!

 

Inhalt:

Bei einer Ausgrabung wird eine Grabstätte gefunden. In dieser Grabstätte finden sich uralte Pergamentrollen und eine alte Lanze. - Man zweifelt noch daran, ob es die Lanze ist, die Jesus in die Seite gestochen hat, als er vom Kreuz geholt wurde. Die Echtheit soll geklärt werden. Doch dazu kommt es nicht, denn die Archäologen und Ausgrabungshelfer werden ermordet und die Lanze gestohlen.

„Axus Mundi“ ist eine Organisation, die einem super reichen Geschäftsmann gehört. Er hat kein geringeres Ziel, als von der Lanze noch DNA von Jesus zu gewinnen und den dann zu Klonen. - Doch das will die Kirche verhindern. Wo kämen wir denn da hin, wenn der Mensch Gott spielt.

Doch das Kind wird gezeugt, die Kirche kann der Leihmutter habhaft werden. Doch was soll nun geschehen? Das Leben keimt und und die Kirche ist gegen eine Abtreibung.

 

Leseprobe:

… Judith, die sich im Vatikan mit der Problematik beschäftigt hatte, fand die Echtheit der Reliquien eher zweifelhaft, denn Fragen, wie der Abdruck des angeblichen Gesichts Christi eigentlich auf das Turiner Grabtuch gekommen war, waren noch immer unbeantwortet. Er war dreidimensional und durch eine Oxydation der Fasern entstanden, die bisher kein Wissenschaftler unter Laborbedingungen hatte wiederholen können. Man erklärte sich das Phänomen mit Hilfe eines »Blitzes«, dessen Stärke an die der Atombombe von Hiroshima heranreichte und der eine Mikrosekunde gedauert haben soll. Aber am Ende konnte man manche Widersprüche doch nur durch Wunder erklären. Niemand wusste außerdem, ob ein und derselbe Gekreuzigte gleich in drei Tücher eingehüllt worden war. Und nichts bewies, dass es sich dabei tatsächlich um Jesus von Nazareth gehandelt hatte. Fragwürdige Zufälle waren keine Beweise. Im Übrigen waren inzwischen Leichentücher in Hülle und Fülle unters Volk gebracht worden, die von Experten als Fälschungen entlarvt worden waren. Kein Echtheitsnachweis der Reliquien war bisher international wissenschaftlich anerkannt. Ja, die angeblichen Nachweise bestärkten im Gegenteil die konspirativen Thesen, wonach die Kirche selbst Desinformation betreibe, damit angebliche Geheimnisse des Christentums nicht an die Öffentlichkeit gelangten.

Aber mit der Lanze war das eine ganz andere Sache. Der Vatikan war im Besitz des Testaments des Longinus. Man hatte den Ort entdeckt, an dem die Lanze aufbewahrt worden war. An der Lanze konnten sich Spuren fossiler DNA erhalten haben, Damien Seltzner hatte an Ort und Stelle Proben entnommen. Kardinal Lorenzo konnte einer solchen Katastrophe nicht untätig zusehen. Seit der Geburt des Schafs Dolly war der Heilige Stuhl gezwungen gewesen, sich mit dem reproduktiven Klonen und seinen Folgen für den Menschen zu beschäftigen. Das Thema hatte im Vatikan große Besorgnis ausgelöst. 1996 suchte ein Mikrobiologe an der Universität von San Antonio in Texas namens Leoncio Garza-Valdès das Gespräch mit dem Papst. Er behauptete, es sei ihm gelungen, drei Gene aus Christi Blut zu klonen. Das nötige Material stamme vom Turiner Grabtuch. Er hatte seine Ergebnisse in einem Artikel mit dem Titel The DNA of God? veröffentlicht. Sofort hatten sich messianische Sekten in Amerika auf die Gelegenheit gestürzt und Spendenaktionen in Gang gesetzt, um ohne Rücksicht auf die Kosten Christi Blut gewinnen zu können. Schwester Internet hatte Judith von einer Sekte in Kalifornien erzählt, die sich »Second Coming Project« nannte und eine Wiederkehr Christi durch Klonen herbeiführen wollte, um die Welt zu retten. Die Raelianer ihrerseits behaupteten, es sei ihnen gelungen, dreißig Babys zu klonen. Das war mit Sicherheit nicht wahr, aber einen gewissen Einfluss auf die Menschen hatte diese Sekte durchaus.

Was für ein Albtraum, dachte Judith. Einmal mehr fragte sie sich, in was für einer Welt sie lebte.

In Anbetracht der Lage war es nur zu verständlich, dass der Papst das Turiner Grabtuch in einen gepanzerten Behälter hatte legen lassen, damit niemand in Versuchung geführt würde.

Allerdings wussten Genetiker wie Garza-Valdès genau, dass Versuche, Jesus zu klonen, auf gewaltige Schwierigkeiten stoßen würden. Erstens würde man kein vollständiges Genom zur Verfügung haben, auch die möglicherweise vorhandene DNA der Lanze war mit Sicherheit beschädigt. Hinzu kam eine einfache Überlegung, der sich niemand, auch nicht der Große Rael, Guru der nach ihm benannten Sekte und Herr und Meister von Ufoland, entziehen konnte: Niemand konnte vorhersagen, wie sich ein geklontes Kind entwickeln würde. Eine Seele war nicht reproduzierbar. Faktoren des sozialen, beruflichen und religiösen Umfelds und verschiedene andere Umstände konnten einen faustischen Allmachtswahn vereiteln. Außerdem klonte man einen Menschen nicht wie einen Frosch oder ein Schaf, und trotz der gegenteiligen Behauptungen diverser Forscher waren große technische Schwierigkeiten zu überwinden.

Das reichte doch eigentlich, dachte Judith, um sich zu sagen, dass das Vorhaben sinnlos war. Warum betreiben diese Leute es dennoch? Und vor allem, wie?

Andererseits gab es genug Wissenschaftler, die davon überzeugt waren, dass das Klonen eines Menschen über kurz oder lang Wirklichkeit würde. In anderen Worten, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis es gelänge, das Leben der Menschheit von Grund auf zu verändern. Deshalb konnte der Heilige Stuhl die Bedrohung des Lebens einerseits und seiner Vorstellung von der Schöpfung andererseits nicht einfach ignorieren. Der Wettlauf der Genetiker war real, und das Geld, das auf dem Spiel stand, die Bedeutung der finanziellen Interessen, konnte man nicht hoch genug veranschlagen. Das Klonen von Schafen war bereits patentiert worden. Angesichts dieser Tatsachen musste die Lanze um jeden Preis und möglichst schnell wieder in die Hände der Kirche gelangen. Der Vatikan hatte keine Wahl. Erneut legte Judith ihren Kopf in beide Hände.

Ich kann es einfach nicht glauben, dass es so weit kommt. Ich kann es einfach nicht glauben. Noch immer den Kopf schüttelnd, wandte sie sich wieder der vorbeifliegenden Landschaft zu.

Da stand Anselmo auf. Seine Bewegung holte sie jäh in die Wirklichkeit zurück.

»Ich gehe auf Erkundung. Bleiben Sie unterdessen hier.«

Judith blickte zu ihm hoch.

»Hier kann Ihnen nichts passieren. Aber passen Sie trotzdem auf, und bleiben Sie ruhig. Ich komme gleich wieder. Lassen Sie sich nicht von Ihrer Umgebung irritieren. Und bleiben Sie vor allem in diesem Wagen!« Sie nickte schweigend.

Anselmo sah kurz zum rückwärtigen Fenster des Zugs hinaus. Dahinter waren nur Gleise zu erahnen, die sich in der Ferne verloren. Er machte sich zur Tür am anderen Wagenende auf, weil er sich im nächsten Waggon umsehen wollte.

Ohrenbetäubender Lärm schlug ihm entgegen, als er die Tür öffnete, und ein scharfer Luftzug traf ihn mitten ins Gesicht. Er holte tief Luft. Wenn etwas bei seinem Ausflug schiefging, war Judith allein auf sich gestellt. In einer Notlage würde sie sich nicht helfen können. Den wahren Grad seiner Beunruhigung hatte er ihr verheimlicht. Auf keinen Fall durfte er sie lange aus den Augen lassen. Aber er hatte keine andere Wahl, er musste jetzt handeln. Er befand sich zwar in einem Zug und nicht im Freien, aber mit diesem Handikap mussten seine Gegner auch fertigwerden. In dem Übergang zwischen den beiden Wagen überprüfte er rasch seine Dienstwaffen. Zwei Manurhin MR 73, die für den Personenschutz entwickelt worden waren. Auch die Schweizer Garde im Vatikan war zusätzlich zu ihren Hellebarden, Schwertern und Spießen mit Schusswaffen ausgestattet, jedenfalls die an den Grenzen postierten Gardisten.

Das himmlische Feuer. Er war immerhin ein Schutzengel.

Er entsicherte seine Revolver und verbarg sie wieder unter seiner Jacke.

Im nächsten Wagen, den er nun betrat, verschaffte er sich rasch Überblick. Hier saßen zwölf Reisende. Vier Touristen aus dem Westen, zwei junge Mädchen, eine füllige Muslimin, zwei junge Männer mit Krawatte und Aktenkoffer in angeregtem Gespräch. Sie machten auf ihn den Eindruck von Geschäftsleuten. Anselmo ging in dem hin und her schwankenden Zug ebenfalls leicht unsicher auf den Beinen nach vorn, um die drei restlichen Reisenden in Augenschein zu nehmen. Sie trugen weiße oder hellblaue Djellabas, schienen gemeinsam unterwegs zu sein und unterhielten sich auf Arabisch miteinander.

Auf jede Bewegung achtend, setzte Anselmo seinen Weg fort. Im nächsten Wagen waren vierzehn, nein, fünfzehn Personen. Drei Amerikaner, die stolz das Sternenbanner auf ihrer Reisetasche zur Schau stellten. Mehrere Gruppen von Arabern. Zwei etwa vierzigjährige Männer mit einer Sporttasche, die Butterbrote aßen. Sie unterhielten sich auf Deutsch mit österreichischem Akzent. Eine Familie, die aus Nordeuropa zu kommen schien. Anselmo öffnete die Abteiltür, durchquerte den Gang, der die Wagen miteinander verband. Der dritte Wagen war kein Großraumwagen, sondern bestand aus Abteilen. …