ich-geb-dir.info
Home.
Delfine.
Hunde.
Literatur.

Stephen King – Finderlohn“

ISBN: 9-783-453-43845-3

 

Klappentext:

John Rothstein hat in den Sechzigern drei berühmte Romane veröffentlicht, seither aber nichts mehr. Morris Bellamy, ein psychopathischer Verehrer, ermordet den Autor aus Wut über dessen »Verrat«. Seine Beute besteht aus einer großen Menge Geld und einer wahren Fundgrube an Notizbüchern, die auch unveröffentlichte Romane enthalten. Bellamy vergräbt vorerst alles – und wandert dummerweise für ein völlig anderes Verbrechen in den Knast. Jahre später stößt der Junge Peter Saubers auf den »Schatz«. Nach seiner Haftentlassung kommt Bellamy dem ahnungslosen Peter auf die Spur und macht Jagd auf ihn. Kann Bill Hodges, den wir als Detective a. D. aus Mr. Mercedes kennen, den Wahnsinnigen stoppen?

 

Inhalt:

Auch Familie Saubers steckt in der Wirtschaftskrise. Und als dann der Vater auch noch Opfer eines Anschlages wird, ist es auch mit dem bisherigen Leben.

Pete, der Sohn der Familie, findet einen vergrabenen Koffer. Darin sind Notizbücher und Geld. Mit dem Geld kann er seine Familie eine Weile unterstützen. Doch die Notizbücher stellen sich als noch größerer Wert heraus. Doch bevor Pete dieses zu Geld machen kann, taucht der Mann auf, der den Koffer vor Jahren einmal verbuddelt hat.

Pete steckt in der Klemme. Er und seine Familie sind in Gefahr, denn der Mann ist verrückt. Aber auch die Polizei könnte falsche Schlüsse ziehen.

Pete braucht eine große Portion Glück.

 

Leseprobe:

… Er öffnet die Tür zum Vorzimmer und sieht Holly an ihrem Schreibtisch sitzen. Sie spielt auf dem Computer eine Patience. Neben ihr steht eine Einkaufstüte, die offenbar mit genügend Energieriegeln gefüllt ist, um alle vier während einer Belagerung durch Zombies über Wasser zu halten. »Komm doch mal rein, Holly«, sagt er. »Ich brauche dich. Und bring die Einkaufstüte mit.«

Zaghaft tritt Holly ein, wirft einen prüfenden Blick auf Tina Saubers und scheint erleichtert von dem zu sein, was sie sieht. Jedes der Mädchen nimmt einen Energieriegel, was sie noch mehr zu erleichtern scheint. Hodges genehmigt sich ebenfalls einen. Es kommt ihm so vor, als hätte er den Salat, den er mittags gegessen hat, schon vor einem Monat zu sich genommen, und der Gemüseburger hat ihn auch nicht satt gemacht. Manchmal träumt er immer noch davon, zu Mäckes zu gehen und alles zu bestellen, was auf der Speisekarte steht.

»Das schmeckt gut«, sagt Barbara mampfend. »Ich hab Himbeere bekommen. Was hast du, Tina?«

»Zitrone. Schmeckt wirklich gut. Danke, Mr. Hodges. Danke, Ms. Holly.«

»Barbara«, sagt Holly. »Was meint deine Mutter eigentlich, wo du gerade bist?«

»Im Kino«, erwidert Barbara. »Noch mal in die Eiskönigin, in der Version zum Mitsingen. Die läuft jeden Nachmittag im Cinema Seven. Schon seit einer halben Ewigkeit.« Sie verdreht die Augen und sieht Tina an, die verschwörerisch ebenfalls die Augen verdreht. »Meine Mutter hat gesagt, wir können mit dem Bus heimfahren, aber wir müssen spätestens um sechs wieder da sein. Tina bleibt über Nacht bei mir.«

Dann haben wir ja ein wenig Zeit, denkt Hodges. »Tina, erzähl bitte alles noch einmal, damit Holly es hören kann. Sie ist meine Assistentin, und sie ist sehr clever. Außerdem kann sie Geheimnisse bewahren.«

Tina wiederholt die ganze Geschichte nun, da sie ruhiger ist, in detaillierterer Form. Während Holly aufmerksam zuhört, verschwinden ihre leicht autistisch wirkenden Tics weitgehend, wie immer, wenn sie ganz konzentriert ist. Es bleiben nur ihre ruhelosen Finger, mit denen sie auf die Oberschenkel klopft, als würde sie auf einer unsichtbaren Tastatur arbeiten.

Als Tina geendet hat, fragt Holly: »Das erste Geld ist also im Februar 2010 gekommen, ja?«

»Im Februar oder März«, sagt Tina. »Daran erinnere ich mich gut, weil meine Eltern damals oft gestritten haben. Papa hat nämlich seine Arbeit verloren … und seine Beine waren ganz kaputt … und Mama hat ihn immer angebrüllt, weil er geraucht hat und weil seine Zigaretten so viel kosten würden …«

»Ich hasse es, wenn gebrüllt wird«, sagt Holly nüchtern. »Dabei wird mir ganz übel im Magen.«

Tina wirft ihr einen dankbaren Blick zu.

»Das Gespräch über die Dublonen«, wirft Hodges ein. »War das vor oder nach der ersten Geldsendung?«

»Vorher. Aber nicht lange vorher.« Diese Antwort gibt sie, ohne zu zögern.

»Und es waren fünfhundert pro Monat«, sagt Holly.

»Manchmal kam es ein bisschen öfter, zum Beispiel schon nach drei Wochen, und manchmal hat es ein bisschen länger gedauert. Wenn mehr als ein Monat nichts kam, dachten meine Eltern, es ist vorbei. Einmal waren es um die sechs Wochen, glaube ich, und ich erinnere mich, wie Papa da zu Mama gesagt hat: ›Tja, solange es gekommen ist, war’s eine schöne Sache.‹«

»Wann war das?« Holly beugt sich vor. Ihre Augen glänzen, ihre Finger tippen nicht mehr. Hodges freut es immer unheimlich, wenn sie so ist.

»Hm …« Tina runzelt die Stirn. »So um meinen Geburtstag, das ist klar. Als ich zwölf geworden bin. Pete war nicht bei meiner Party. Das war in den Frühlingsferien, und sein Freund Rory hat ihn eingeladen, mit nach Disney World zu kommen. Da ist er mit seiner Familie hingefahren. Das war ein mieser Geburtstag, weil ich so neidisch war, dass er da hinfahren durfte, und ich …« Sie verstummt, um erst Barbara, dann Hodges und schließlich Holly anzusehen, die sie sich offenbar als Entenmutter ausgewählt hat. »Ach, deshalb kam das Geld damals so spät! Stimmt doch, oder? Weil er in Florida war!«

Holly wirft Hodges einen Blick zu. Ein feines Lächeln liegt auf ihren Lippen. Dann wendet sie die Aufmerksamkeit wieder Tina zu. »Wahrscheinlich. Es waren immer Zwanziger und Fünfziger?«

»Ja. Das hab ich oft gesehen.«

»Und wann war es zu Ende?«

»Letzten September. Ungefähr da, wo die Schule wieder angefangen hat. Im letzten Umschlag lag ein Zettel. Auf dem stand so was wie: ›Das ist das letzte Geld. Tut mir leid, dass nicht mehr da ist.‹«

»Wie lange danach hast du deinem Bruder gesagt, dass du denkst, er hat das Geld geschickt?«

»Ziemlich bald. Richtig zugegeben hat er es übrigens nicht, aber ich weiß, dass er es war. Und vielleicht ist es alles meine Schuld, weil ich dauernd zu ihm gesagt hab, ich will auf die Chapel Ridge … Und da hat er gemeint, es ist schade, dass das Geld weg ist, sonst könnte ich da hingehen … Und vielleicht hat er jetzt irgendwas Blödes gemacht, und jetzt tut es ihm leid, aber es ist zu spät!«

Sie fängt wieder zu weinen an. Barbara nimmt sie in die Arme und gibt tröstende Geräusche von sich. Holly tippt wieder mit den Fingern, lässt jedoch keine sonstigen Anzeichen der Unruhe erkennen; sie ist in Gedanken. Hodges kann beinahe sehen, wie die Zahnrädchen sich drehen. Er hat selbst einige Fragen, ist vorläufig aber nur zu gern bereit, Holly die Führung zu überlassen.

Als Tinas Weinen sich zu einem Schniefen abgeschwächt hat, sagt Holly: »Du hast gesagt, als du eines Abends in sein Zimmer gekommen bist, hatte er ein Notizbuch in der Hand, das du nicht sehen solltest. Er hat es unter sein Kissen gesteckt.«

»Das stimmt.«

»War das, kurz bevor kein Geld mehr kam?«

»Ich glaube schon, ja.«

»War es ein Notizbuch aus der Schule?«

»Nein. Es war schwarz, und es hat teuer ausgesehen. Und außerdem hatte es ein Gummiband außen rum.«

»Jerome hat solche Notizbücher«, mischt Barbara sich ein. »Die sind aus Leder oder so. Kann ich noch einen Energieriegel haben?« …