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Mirellativegal - „Kann man mal machen“

ISBN: 9-783-960-96054-6

 

Klappentext:

Im Internet sehen alle gut aus, sind glücklch und haben weder Poren noch Probleme. Oder sie vertreten antiquierte Rollenbilder und pöbeln gegen Schwächere. Mirella vom Kanal Mirellativegal hat keine Lust mehr darauf, von überall eingeredet zu bekommen, wie sie zu sein und was sie zu lassen hat. Sexismus steht ebensol auf ihrer Abschussliste wie Low Carb und Perfektionsdruck, gehirnzellenfressender Medienkonsum und Datingwahnsinn.

Ein dickes Fell allein oder endlose Meckertiraden helfen jedoch niemandem weiter. Daher liefert Mirella die passende Motivation, um das eigene Leben entspannter zu gestalten, gleich mit. Emphatische Kommunikation, Horizonterweiterung und die konsequente Achtung der eigenen Bedürfnisse stehen hierbei im Mittelpunkt. Denn letztlich ist die beste Waffe gegen die Negativität von außen, sich selbst gut leiden zu können.

 

Inhalt:

Mirella, bekannt von Youtube, schlägt in ihrem Buch ungewohnt ernste Themen an. Zum einen redet sie über ihr Leben. Über eine Phase, in der ihr alles zu entgleiten schien. - So jung Mirella auch ist, aber sie hat den Vorteil, ein Kind ihrer Zeit zu sein.

In einem weiteren „Teil“ beschreibt sie die Probleme, die durch Sozial Media entstehen können, Wie so harmlos scheinende Plattformen für komplett fehl geleitete Teenies sorgen kann. - Auch Mirella ging es so und sie zeigt ihren Lesern einen Weg da raus.

Im Anhang findet der Leser noch einige gute Lösungsansätze für eigene Probleme.

 

Leseprobe:

… Ha, endlich kann ich absichtlich ein Sprichwort verunstalten! Denn ich habe sonst so meine Problemchen mit Sprichwörtern und bestimmten Begriffen, die ich, ohne es zu ahnen, immer wieder falsch benutze. Wenn ihr später im Text über „Spätzünder“ stolpert: Ich dachte bis zu diesem Buch, dass es Spätsünder heißt (was, unter uns, ja ach viel mehr Sinn ergeben würde). Das ist übrigens genetisch bedingt, meine Mama hat letztens gesagt: „Risk is fun.“ Kennt man, das altbekannte Sprichwort! Aber sei´s drum, das Reden-Schweigen-Sprichwort kenne ich immerhin und kann es hier bewusst umformulieren. Ich halte es nämlich für extrem wichtig, dass wir die Klappe aufmachen, wenn uns etwas stört, statt alles nur stillschweigend zu erdulden.

Dabei ist es auch nebensächlich, was euch füllen lässt, wie ihr fühlt. Eure Empfindungen sind weder falsch noch schlecht, und es gibt immer einen Grund dafür, dass sie da sind. Manchmal sind diee Gründe so gravierend, dass es nicht nur um ein bisschen Unzufriedenheit oder Traurigkeit geht. Dann reicht es möglicherweise nicht aus, ein wenig am Mindset zu schrauben. Vielleicht wäre dann eine Therapie der sinnvollere Weg. Professionelle Hilfe anzunehmen ist wirklich kein Zeichen von Schwäche oder Versagen. Im Gegenteil. Es zeigt, das ihr den Mut und das Verantwortungsbewusstsein habt, eure Probleme anzugehen, und gewillt seit, Lösungen zu finden. In der Arbeitswelt ist lösungsorientiertes Handeln doch auch schick. Macht damit nicht an eurer Haustür halt. Wenn ihr unter euren Empfindungen leidet, müsst ihr sie nicht tatenlos hinnehmen.

Die Gründe für ungute Gefühle können aber auch in eurem Wesen liegen. Dann gehören sie zu euch wie die Farbe eurer Augen und haben wie eure Augen Einfluss darauf, wie ihr die Welt wahrnehmt. Daran ist nichts auszusetzen. An euch ist nichts auszusetzen. Wäre doch auch schrecklich langweilig, wenn wir alle exakt dasselbe wahrnehmen und fühlen würden! Unterdrückt weder Freude noch Widerstände, nur weil euch weisgemacht wurde, sie seien nicht richtig oder nicht angemessen. Nehmt sie ernst. Und wenn ihr häufig mit negativen Emotionen zu tun habt, kann eine Umstellung eurer Gewohnheiten helfen. Forscht also nach euren Mustern, denn sobald ihr die Muster erkennt, könnt ihr selbstbestimmt Einfluss nehmen.

Bei mir waren die Auslöser für Angespanntheit, Niedergeschlagenheit und starke Stimmungswechsel, gewisse Situationen, Umgebungen oder Konstellationen von Menschen. Allerdings war ich lange der Meinung, dass der Fehler bei mir liegen müsse, denn außer mir hatte ja anscheinend niemand ein Problem. Also habe ich mich dazu gezwungen, mein Unbehagen zu ignorieren und mich diesen Situationen trotzdem auszusetzen.

Betrete ich beispielsweise einen Raum mit Hunderten von Menschen, die zum Socializen und Networken zusammengenommen sind, fühle ich mich so überfordert, dass ich sogar vergesse, wie man anständig „Hallo“ sagt. Dann überlegte ich tatsächlich, ob ich ein heimatverbundenes „Servus miteinand“ rufen oder doch lieber den Handrücken einer Dame küssen sollte. Zu viele Reize prasseln gleichzeitig auf mich ein als dass ich noch klar denken könne, und mein Hirn spult ein Sammelsurium an erlernten Verhaltensmustern ab, ohne klar einordnen zu können, welche jetzt passend wären. Alles in mir fordert den sofortigen Rückzug. Da ich aber schlecht schreiend aus dem Raum rennen kann, kaum dass ich ihn betreten habe, bleibe ich, weiß aber nicht, was ich tun soll, halte mich an einem Wasserglas fest und bete, dass mich irgendjemand retten wird. Versucht mal, so zu networken! Meine Anwesenheit bei solchen Veranstaltungen nutzt wirklich niemandem, weder mir noch den anderen. Selbst wenn ich jeden Einzelnen in diesem Raum persönlich kenne und mögen würde, sobald alle auf einem Fleck sind, komme ich einfach nicht mehr hinterher.

Aber seit mir die Parallelen vieler für mich unangenehmer Situationen, Umgebungen und Konstellationen klar geworden sind (Lärm und Trubel zum Beispiel), kann ich trainieren, sie im Vorfeld einzuschätzen. Die Entscheidung, die ich allerdings reffen muste: Bin ich mir wichtig genug, habe ich genug Respekt vor mir selbst, um diese Empfindungen anzuerkennen und meinen Bedürfnissen entsprechend zu handeln?

Die Frage ist natürlich so gestellt, dass sie sie eigentlich kaum mit „Nein“ beantwortet werden kann, denn ihr solltet euch immer wichtig genug sein, um euch nicht absichtlich Schlechtes zu tun. Schließlich gibt es immer noch genügend Momente, in denen ihr es nicht vermeiden könnte, euch unangenehmen Situationen auszusetzen. Solange ihr aber die Wahl habt, nutzt sie in eurem Sinne.

Folglich war meine Antwort ebenfalls „Ja“. Seitdem wird offen und ehrlich kommuniziert: „Das ist mir jetzt gerade zu viel.“ Was für eine Erleichterung! Ich kann es benennen und somit nicht nur für mich, sondern auch für andere verständlich machen. Kein diffuses „Ich weiß ja auch nicht“ mehr, keine Überwindung, weil „man das halt so macht“. Mein Umfeld muss nicht mehr hellsehen können oder raten, was mich bedrückt, weil ich es ihnen jetzt sage. Damit gebe ich anderen die Chance, meine Absage oder meinen Rückzug nicht als persönliche Zurückweisung aufzufassen. Sie brauchen sich auch keine Sorgen mehr machen, dass ich irgendwas nicht im Griff habe oder sie vielleicht nicht leiden kann. Und ich muss nun nicht mehr orakeln, was mit mir „falsch“ ist. Da ist nicht mehr dieses nagende Gefühl, in Sachen Sozialkompetenz zu versagen.

Ja, Reden ist Gold, weil es alle Beteiligten von der ewigen Grübelei über die möglichen Beweggründe befreit. Die kennen wir wohl alle. Hat sich ein Freund schon längere Zeit nicht mehr gemeldet, fangen wir an, es auf uns zu beziehen. Ohne dass wir die Gründe kennen, drehen sich unsere Gedanken plötzlich im Kreis und klappern verschiedene Erklärungen ab, von denen die meisten nicht gerade erquicklich sind. Aber statt einfach nachzufragen – ohne Vorwurf, wenn´s geht -, brüten wir lieber vor uns hin und schleppen die Unsicherheit so lange mit uns herum bis wir richtig sauer werden: „Ich bin wohl nicht wichtig genug.“

Dabei gibt es hunderte Gründe, sich nicht zu melden. Viel zu tun, Stress auf der Arbeit oder in der Beziehung, vorübergehende Kommunikationsmüdigeit. Außerdem telefonieren manche Menschen lieber als andere. Und solche, die nicht gerne Nachrichten in ihr Handy tippen, soll es auch geben. Wenn ihr euch darüber austauscht, wie euer eigenes Bedürfnis und das eures Gegenübers aussehen, könnt ihr meistens ganz entspannte Kompromisse finden und an einer gemeinsamen Basis arbeiten. Und vielleicht meldet ihr euch beim nächsten Mal einfach selbst, wenn ihr quatschen wollte, und bietet ein offenes Ohr an, statt schmollend darauf zuwarten, dass der andere sich rührt. Freundschaft wird ja nicht nach Terminplan gepflegt, wonach jeder in definierten Abständen zum Rapport gebeten wird. Oder ihr einigt euch auf eine gemeinsame Routine: Jeden Donnerstag um 18:30 Uhr wird telefoniert. Gute Sache, wenn beide Seiten damit fein sind! Findet einen Weg, der euren Bedürfnissen entspricht, achtet die Bedürfnisse der anderen und geht Kompromisse ein, die sich für euch tragbar anfühlen. Wenn ihr offen damit umgeht, dass ihr euch mehr Kontakt wünscht, gebt ihr den anderen die Möglichkeit,darauf einzugehen und euch zu verstehen. Und wenn sie es ablehnen? Dann ist es wohl nicht weiter schlimm, wenn Funkstille herrscht.

Vielleicht wird dem einen oder anderen jetzt ganz mulmig zumute, weil ihr eher zu den introvertierten Menschen gehört und euch der Kontaktwunsch anderer oft überfordert. Dann könnt ihr auch das mit derselben Selbstverständlichkeit aussprechen. Wenn es euch guttut, Zeit für euch selbst zu haben, dann nehmt das ernst – anerkannter ist, zwanzig beste Freunde zu haben, mit denen ihr euch fünfmal die Woche zum Mittagessen trefft und jeden Samstag feiern geht. Wenn es euch persönlich nicht guttut, lass es bleiben. Euer perfekter Samstagabend besteht aus Bügeln und Couch? Dann ab auf die Couch und ans Bügelbrett mit euch. Als anerkannte Diplom-Bügologin kann ich es übrigens gut verstehen...

Habt ihr erst mal die Basis dafür geschaffen, dass euer Umfeld euch versteht und eure Bedürfnisse kennt, könnt ihr die Zeit mit ihnen deutlich entspannter genießen. Ihr wisst dann, dass ihr jederzeit aus einer belastenden oder anstrengenden Situation heraus könnt, ohne Ausflüchte suchen oder spontane Ohnmachtsanfälle vortäuschen zu müssen. Ihr könnte euch die Zeit für eich selbst nehmen, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen zuhaben oder euch komisch vorzukommen. Ihr allein trefft die Entscheidungen. Und diese Freiheit ist superwertvoll. …